
Demenz trifft meistens ältere Menschen. Manchmal beginnt sie aber früh, mit 50 oder sogar früher, wenn die eigenen Kinder noch zur Schule gehen oder gerade erwachsen werden. Dann hat plötzlich Mama oder Papa Demenz, und du stehst mittendrin.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist anders? Bei früher Demenz verändert sich manchmal zuerst das Wesen, nicht das Gedächtnis. Das liegt an der Krankheit – nicht an dir.
Woran merke ich es? Mama oder Papa vergisst Termine, verändert sich im Wesen oder schafft Alltägliches nicht mehr – und manchmal fällt ein Teil der Hilfe auf dich.
Was hilft mir? Informationen holen, mit jemandem reden, der sich auskennt, dein eigenes Leben behalten und Nein sagen, wenn dir etwas zu viel wird.
Wenn das bei dir so ist: Du bist nicht allein damit. Es ist keine Kleinigkeit, und du musst es nicht allein verstehen.
Was ist bei jungen Eltern anders?
Bei Menschen unter 65 spricht man von früher Demenz oder Demenz im jüngeren Lebensalter. Häufige Ursachen sind die Alzheimer-Krankheit, Durchblutungsstörungen im Gehirn und die frontotemporale Demenz. Bei der frontotemporalen Form verändert sich oft zuerst das Verhalten: Ein Elternteil wirkt kalt, taktlos oder zieht sich zurück, und das Gedächtnis ist zunächst gar nicht das Problem.
Das kann sehr verletzend sein. Wichtig zu wissen: Das liegt an der Krankheit, nicht an dir. Dein Papa oder deine Mama will dich nicht kränken.
Woran du Veränderungen merken kannst
- Mama oder Papa vergisst Termine, Wege oder Absprachen.
- Sie oder er verändert sich im Wesen, wird gereizt, still oder gleichgültig.
- Dinge, die früher selbstverständlich waren (kochen, Autofahren, Arbeit), klappen nicht mehr.
- Zu Hause wird mehr Hilfe gebraucht, und manchmal fällt ein Teil davon auf dich.
Was Kinder und Jugendliche oft erleben
Jede:r reagiert anders. Manche ziehen sich zurück, andere werden wütend oder wollen nur noch helfen. Manche zeigen nicht, wie sehr es sie belastet, und bekommen stattdessen Kopfweh oder Bauchweh oder schlafen schlecht. Viele sorgen sich um die eigene Zukunft. Das ist alles verständlich. Mehr dazu in Wut, Scham, Trauer: Gefühle, wenn Demenz in der Familie ist.
Was dir helfen kann
- Informationen holen. Frag die Ärztin oder den Arzt, was los ist und wie es weitergeht. Wer die Krankheit versteht, hat weniger Angst.
- Mit jemandem reden, der sich auskennt. Viele Jugendliche erzählen, dass es leichter ist, mit Menschen zu sprechen, die die Situation kennen.
- Dein eigenes Leben behalten. Freund:innen, Sport, Hobbys und Schule sind wichtig und kein Verrat an Mama oder Papa.
- Aufgaben begrenzen. Du darfst Nein sagen, wenn dir etwas zu viel wird, und um Entlastung bitten.
- Rechtzeitig Unterstützung holen: Hilfe holen: Anlaufstellen für Young Carers in Österreich.
Häufige Fragen
Ist Demenz erblich? Meistens nicht in direkter Weise. In seltenen Fällen gibt es erbliche Formen. Ob das bei deiner Familie so ist, kann nur ein Arzt oder eine Ärztin klären. Triff keine Entscheidungen aus Angst, bevor du das besprochen hast.
Soll ich in der Schule etwas sagen? Du entscheidest selbst. Viele erleben es als Erleichterung, wenn eine Lehrperson Bescheid weiß: Schule und Pflege: So sagst du es deinen Lehrer:innen.
Darf ich traurig sein, obwohl Mama oder Papa noch da ist? Ja. Das nennt man Abschied in kleinen Schritten, und es ist ein echter Verlust.
Für Eltern und Erwachsene
Wenn ein Elternteil jung an Demenz erkrankt, vergessen Familien leicht, dass auch die Kinder Unterstützung brauchen. Beziehen Sie Ihre Kinder altersgerecht ein, erklären Sie die Krankheit ehrlich und übertragen Sie ihnen keine Pflege, die sie überfordert. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat die Broschüre „Du bist nicht mehr wie früher – Wenn Eltern jung an einer Demenz erkranken“ herausgegeben.
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