
Oma fragt zum dritten Mal, wie du heißt. Opa findet seine Brille nicht und wird wütend. Oder er erzählt dieselbe Geschichte schon wieder. Das kann verwirrend sein und manchmal auch Angst machen. Hier erfährst du, was dahintersteckt.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist Demenz? Demenz ist eine Krankheit im Gehirn, die mit der Zeit stärker wird. Es gibt noch keine Heilung, aber man kann viel tun, damit es der Person gut geht.
Warum verhält sich Oma seltsam? Sie vergisst Neues schneller als Altes, fühlt sich unsicher und kann zornig werden. Das ist kein Streit mit dir – sie hat dich trotzdem lieb.
Was kannst du tun? Bleib freundlich, streite nicht über Fehler und unternimm gemeinsam etwas wie Backen oder Musik hören. Bei Gefahr sag es einem Erwachsenen.
Was ist Demenz?
Demenz ist eine Krankheit im Gehirn. Das Gehirn arbeitet nicht mehr so zuverlässig wie früher. Deshalb vergisst ein Mensch mit Demenz Dinge, findet Wörter nicht oder weiß nicht mehr, wo er ist. Mit der Zeit wird das meistens stärker. Eine Heilung gibt es leider noch nicht. Aber man kann viel tun, damit es der Person gut geht.
Demenz ist nicht ansteckend. Und du bist nicht schuld daran, auch wenn du manchmal ungeduldig warst. Das passiert allen.
Warum ist Oma oder Opa manchmal komisch?
- Sie vergessen Neues schneller als Altes. Oft erinnern sie sich noch gut an früher, an die Kindheit oder die Schulzeit, aber nicht mehr daran, was gestern war.
- Sie sind unsicher und überspielen es. Manche erfinden Ausreden oder werden zornig, weil sie merken, dass etwas nicht stimmt. Das ist kein Streit mit dir.
- Sie haben dich trotzdem lieb. Auch wenn dein Name verschwindet, bleibt oft das Gefühl, dass du ein lieber Mensch bist.
Was kannst du tun?
- Bleib freundlich und ruhig. Du darfst dieselbe Antwort ruhig mehrmals geben.
- Streite nicht über Fehler. Es hilft nicht, Oma zu verbessern. Du kannst sagen: „Schön, dass du das erzählst.“
- Macht etwas zusammen. Backen, Fotos anschauen, Musik hören oder spazieren gehen. Das geht auch, wenn das Gedächtnis müde ist.
- Frag nach alten Geschichten. Dort sind die Erinnerungen oft noch da.
- Lach mit Oma, nicht über sie. Humor tut gut. Wenn andere über Opa lachen, darfst du sagen, dass dich das stört.
- Sag Bescheid, wenn etwas gefährlich wird, zum Beispiel wenn der Herd an ist oder Opa allein weggeht. Sag es einem Erwachsenen.
Fragen, die viele Kinder haben
Muss Oma jetzt sterben? Demenz ist eine ernste Krankheit, die sich langsam verändert. Wie schnell sich alles verändert, ist bei jedem Menschen anders. Frag die Ärztin oder die Eltern, wenn dich das beschäftigt. Es gibt aber noch viele gute Zeiten, und du darfst dich über sie freuen.
Wird Oma mich vergessen? Manchmal vergisst sie deinen Namen oder verwechselt dich. Das heißt nicht, dass sie dich nicht mehr mag.
Darf ich traurig oder wütend sein? Ja. Mehr dazu in Wut, Scham, Trauer: Gefühle, wenn Demenz in der Familie ist.
Muss ich mich kümmern? Du darfst helfen, aber du musst nicht alles allein machen. Pflege ist Aufgabe von Erwachsenen. Mehr in Young Carers: Wenn du dich um Mama, Papa oder Oma kümmerst.
Bücher zum Weiterlesen
- „Opa Rainer weiß nicht mehr“ von Kirsten John und Katja Gehrmann (Knesebeck), Bilderbuch ab vier Jahren
- „Dich vergesse ich nie“ von Laura Hughes und Rachel Ip (Ravensburger), Bilderbuch ab vier Jahren
Für Eltern
Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt. Schweigen macht oft mehr Angst als eine ehrliche, einfache Erklärung. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Krankheit, nehmen Sie Fragen ernst und achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu viel Verantwortung übernimmt. Wenn Sie Unterstützung brauchen, beraten wir Sie bei FELiX Demenzbegleitung. Ideen für gemeinsame Aktivitäten finden Sie in der FELiX Aktivierungswelt.

AUCH ONLINEHäufige Fragen
Erklären Sie in einfachen, altersgerechten Worten, dass das Gehirn krank ist und deshalb manche Dinge vergessen oder durcheinandergebracht werden. Betonen Sie, dass die Krankheit nicht ansteckend ist und Oma oder Opa die Kinder trotzdem lieb hat. Ermutigen Sie Kinder, Fragen zu stellen, und bereiten Sie sie auf ungewohnte Situationen vor.
Zu den verbreiteten Mythen zählt die Annahme, Demenz sei eine normale, unvermeidliche Alterserscheinung, die jeden treffen kann, sowie die Vorstellung, Betroffene könnten nichts mehr wahrnehmen oder verstehen. Auch der Mythos, geistiges Training allein könne Demenz sicher verhindern, hält sich hartnäckig, obwohl die Realität komplexer ist. Ebenso verbreitet ist die falsche Annahme, alle Demenzformen verliefen gleich. Das Wissen um diese Mythen kann helfen, Betroffene und ihre Familien mit mehr Verständnis und angemessenen Erwartungen zu begleiten.
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