„Ich vergesse in letzter Zeit häufiger etwas – ist das noch normal oder könnte eine Demenz dahinterstecken?“
Diese Frage beschäftigt viele Menschen. Vergesslichkeit allein bedeutet noch keine Demenz. Mit zunehmendem Alter können sich bestimmte geistige Fähigkeiten verändern: Informationen werden manchmal langsamer verarbeitet, Namen fallen nicht sofort ein oder ein Termin wird gelegentlich vergessen.
Aufmerksamer sollte man werden, wenn Gedächtnisprobleme oder andere kognitive Veränderungen neu auftreten, zunehmen oder den Alltag beeinträchtigen.
Eine frühzeitige fachliche Abklärung kann helfen, mögliche Ursachen zu erkennen und geeignete nächste Schritte einzuleiten.
Wichtig: Ein einzelnes Symptom oder ein auffälliger Demenz-Test bedeutet noch nicht, dass tatsächlich eine Demenz vorliegt. Die Diagnose kann nur im Rahmen einer fachgerechten medizinischen Abklärung gestellt werden.
Was bedeutet Demenz-Früherkennung?
Unter Demenz-Früherkennung versteht man das möglichst frühe Erkennen von Veränderungen des Gedächtnisses, der Orientierung, Sprache, Aufmerksamkeit oder anderer geistiger Fähigkeiten.
Dabei geht es nicht darum, jede Vergesslichkeit als Krankheit zu interpretieren. Entscheidend ist vielmehr die Frage:
Hat sich die geistige Leistungsfähigkeit im Vergleich zu früher merklich verändert – und wirkt sich diese Veränderung auf den Alltag aus?
Früherkennung bedeutet deshalb zunächst, Veränderungen wahrzunehmen und bei begründetem Verdacht medizinisch abklären zu lassen.
Vergesslichkeit oder Demenz – wo liegt der Unterschied?
Gelegentliche Vergesslichkeit kann auch bei gesunden Menschen auftreten. Nicht jedes verlegte Handy und nicht jeder vergessene Name ist ein Hinweis auf eine Demenz.
Bestimmte Veränderungen sollten jedoch genauer beobachtet werden.
| Eher normale Vergesslichkeit | Eine Abklärung kann sinnvoll sein |
|---|
| Ein Name fällt vorübergehend nicht ein | Namen vertrauter Personen werden wiederholt vergessen |
| Ein Termin wird gelegentlich vergessen | Wichtige Termine oder Verpflichtungen werden wiederholt vergessen |
| Schlüssel oder Handy werden manchmal verlegt | Gegenstände werden häufig an ungewöhnlichen Orten abgelegt |
| Ein Wort liegt „auf der Zunge“ | Zunehmende Schwierigkeiten, passende Wörter zu finden oder Gesprächen zu folgen |
| Kurzzeitige Unsicherheit in unbekannter Umgebung | Orientierungsschwierigkeiten auf vertrauten Wegen |
| Eine Information fällt später wieder ein | Kürzlich Erlebtes bleibt trotz Erinnerungshilfen vergessen |
| Komplexe Aufgaben benötigen etwas mehr Zeit | Früher vertraute Alltagsaufgaben bereiten zunehmend Schwierigkeiten |
Diese Beispiele erlauben keine Diagnose. Entscheidend sind unter anderem Verlauf, Häufigkeit, Ausmaß der Veränderungen und mögliche Auswirkungen auf die selbstständige Alltagsbewältigung.
Erste Anzeichen einer Demenz
Eine beginnende Demenz kann sich unterschiedlich bemerkbar machen. Gedächtnisprobleme stehen häufig im Vordergrund, sind jedoch nicht das einzige mögliche Symptom.
Mögliche erste Anzeichen einer Demenz können sein:
zunehmende Schwierigkeiten, sich an kürzlich Erlebtes oder neue Informationen zu erinnern
häufiges Wiederholen derselben Fragen oder Erzählungen
zunehmende Schwierigkeiten bei Planung und Organisation
Probleme bei komplexeren Alltagsaufgaben
Schwierigkeiten mit zeitlicher oder räumlicher Orientierung
Wortfindungs- oder andere Sprachprobleme
Schwierigkeiten, vertraute Tätigkeiten wie gewohnt auszuführen
Veränderungen von Urteilsvermögen oder Entscheidungsfähigkeit
auffällige Veränderungen von Verhalten oder Persönlichkeit
zunehmender Rückzug von sozialen Aktivitäten
Ein einzelnes dieser Anzeichen bedeutet nicht automatisch Demenz.
Besonders relevant sind Veränderungen, wenn sie neu auftreten, über längere Zeit zunehmen oder die selbstständige Bewältigung des Alltags beeinträchtigen.
Weiterführende Informationen: Die 7 Demenzstadien und ihre Symptome verständlich erklärt
Weiterführende Informationen: Warnsymptome
Wann sollte man bei Vergesslichkeit zum Arzt?
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn Gedächtnisprobleme oder andere kognitive Veränderungen:
deutlich häufiger auftreten als früher
über mehrere Wochen oder Monate bestehen oder zunehmen
Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen auffallen
Orientierung, Sprache oder Urteilsvermögen betreffen
berufliche oder alltägliche Tätigkeiten erschweren
zu Problemen bei Medikamenteneinnahme, Finanzen, Terminen oder Haushaltsführung führen
die Sicherheit im Alltag beeinträchtigen
Auch Veränderungen von Persönlichkeit, Verhalten oder Antrieb können ein Anlass für eine medizinische Abklärung sein.
Bei plötzlich auftretender Verwirrtheit oder einer raschen Verschlechterung sollte dagegen zeitnah medizinische Hilfe gesucht werden, da auch akute Erkrankungen dahinterstehen können.
Nicht jede Gedächtnisstörung ist eine Demenz
Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme können viele unterschiedliche Ursachen haben.
Dazu können beispielsweise gehören:
Schlafmangel oder Schlafstörungen
psychische Belastungen
Depression
Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten
Stoffwechselstörungen
Schilddrüsenerkrankungen
bestimmte Vitaminmangelzustände
Hör- oder Sehbeeinträchtigungen
Alkohol oder andere Substanzen
neurologische Erkrankungen
akute körperliche Erkrankungen
Einige dieser Ursachen sind behandelbar.
Gerade deshalb ist es wichtig, neu auftretende oder zunehmende kognitive Beschwerden nicht vorschnell als Demenz einzuordnen, sondern medizinisch untersuchen zu lassen.
Wie wird eine mögliche Demenz diagnostiziert?
Eine Demenzdiagnose wird nicht aufgrund eines einzelnen Tests gestellt.
Die diagnostische Abklärung besteht in der Regel aus mehreren Bausteinen. Dazu gehören – abhängig von der individuellen Situation – unter anderem:
1. Anamnese und Fremdanamnese
Im Gespräch werden Beschwerden, zeitlicher Verlauf, Vorerkrankungen, Medikamente und Veränderungen im Alltag erfasst.
Informationen von Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen können zusätzlich hilfreich sein, sofern die betroffene Person damit einverstanden ist.
2. Untersuchung der geistigen Leistungsfähigkeit
Standardisierte kognitive Untersuchungsverfahren können unter anderem Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Orientierung und weitere kognitive Funktionen erfassen.
Von besonderer Bedeutung ist die Frage, ob und wie stark die kognitiven Veränderungen die selbstständige Bewältigung des Alltags beeinträchtigen.
4. Körperliche und neurologische Untersuchung
Damit können mögliche andere Ursachen oder Begleiterkrankungen erkannt werden.
5. Laboruntersuchungen
Blutuntersuchungen können helfen, behandelbare oder andere mögliche Ursachen kognitiver Beschwerden zu erkennen beziehungsweise auszuschließen.
6. Bildgebende Verfahren
Je nach Fragestellung können beispielsweise Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) eingesetzt werden.
7. Weiterführende Diagnostik
In bestimmten Situationen können zusätzliche Untersuchungen wie Liquordiagnostik, spezielle Bildgebung oder Biomarker sinnvoll sein.
Welche Untersuchungen erforderlich sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der individuellen Situation.
Welche Demenz-Tests gibt es?
Kognitive Kurztests können Hinweise auf mögliche Beeinträchtigungen liefern und Bestandteil einer umfassenderen diagnostischen Abklärung sein.
Bekannte Verfahren sind beispielsweise:
Diese Tests untersuchen unterschiedliche Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit.
Ein auffälliges Testergebnis ist jedoch noch keine Demenzdiagnose. Ebenso kann ein unauffälliges Ergebnis eine Erkrankung nicht in jeder Situation sicher ausschließen.
Weiterlesen: Demenz-Test: MMST, MoCA, DemTect und Uhrentest verständlich erklärt
Kann man Alzheimer mit einem Bluttest erkennen?
Die Forschung und klinische Entwicklung sogenannter blutbasierter Biomarker für die Alzheimer-Krankheit hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht.
Bestimmte Biomarker können unter geeigneten klinischen Voraussetzungen Hinweise auf Alzheimer-typische biologische Veränderungen liefern und die diagnostische Abklärung unterstützen.
Ein solcher Test ist jedoch nicht mit einem allgemeinen „Demenz-Bluttest“ gleichzusetzen.
Die Ergebnisse müssen im Zusammenhang mit Beschwerden, Krankengeschichte und weiteren Untersuchungsbefunden fachärztlich beurteilt werden. Blutbasierte Biomarker ersetzen daher nicht die umfassende klinische Diagnostik.
Wissenschaftliche Information: WHO – Blood-based biomarker diagnostics for Alzheimer disease
Warum ist eine frühe Abklärung sinnvoll?
Eine frühzeitige Abklärung kann mehrere Vorteile haben.
Sie kann helfen,
- mögliche behandelbare Ursachen kognitiver Beschwerden zu erkennen
- mögliche Ursachen der Veränderungen besser einzuordnen
- gegebenenfalls frühzeitig eine geeignete Behandlung einzuleiten
- Unterstützungsmöglichkeiten zu organisieren
- Betroffene und Angehörige besser auf Veränderungen vorzubereiten
- persönliche, berufliche, rechtliche und finanzielle Entscheidungen frühzeitig zu besprechen
- die Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu unterstützen
Früherkennung bedeutet deshalb nicht nur, eine mögliche Erkrankung zu erkennen. Sie schafft vor allem die Möglichkeit, informiert und frühzeitig zu handeln.
Was kann ich tun, wenn ich Veränderungen bemerke?
Wenn Sie bei sich selbst oder bei einem Angehörigen Veränderungen beobachten, kann es hilfreich sein, diese zunächst konkret festzuhalten.
Notieren Sie beispielsweise:
Welche Veränderungen treten auf?
Seit wann bestehen sie?
Werden sie häufiger oder stärker?
In welchen Situationen treten Schwierigkeiten auf?
Gibt es Auswirkungen auf den Alltag?
Sind die Veränderungen auch anderen Personen aufgefallen?
Diese Informationen können bei einem späteren ärztlichen Gespräch hilfreich sein.
Der nächste Schritt sollte bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden eine medizinische Abklärung sein – beispielsweise über die Hausärztin oder den Hausarzt beziehungsweise eine entsprechende fachärztliche oder spezialisierte Einrichtung.
Kann man einer Demenz vorbeugen?
Nicht jede Demenzerkrankung lässt sich verhindern. Es gibt jedoch verschiedene beeinflussbare Faktoren, die mit dem Risiko für die Entwicklung einer Demenz in Zusammenhang stehen.
Dazu zählen unter anderem körperliche Aktivität, kardiovaskuläre Gesundheit, Rauchen, Alkoholkonsum, soziale Aktivität, Hörvermögen und weitere Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren.
Prävention bedeutet dabei nicht, eine Demenz sicher verhindern zu können. Ziel ist vielmehr, beeinflussbare Risikofaktoren möglichst günstig zu gestalten.
Weiterlesen: Demenzprävention: Was Sie selbst für Ihre Gehirngesundheit tun können
Demenzberatung: Orientierung für Betroffene und Angehörige
Die Sorge vor einer möglichen Demenz kann Betroffene und Angehörige stark beschäftigen.
Nicht immer ist sofort klar:
Was ist noch normal? Wo bekomme ich Hilfe? Welche Untersuchung ist sinnvoll? Und was sollen wir als Nächstes tun?
Eine professionelle Demenzberatung kann dabei helfen, die Situation zu strukturieren, Informationen verständlich einzuordnen und geeignete nächste Schritte zu besprechen.
Persönliche Demenzberatung mit Andrea Stix, MSc
Als akademische Demenzexpertin begleitet Andrea Stix Betroffene und Angehörige bei Fragen rund um Demenz, Veränderungen im Alltag und den Umgang mit einer möglichen oder bereits diagnostizierten Demenzerkrankung.
Die Demenzberatung ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose.
Häufige Fragen zur Demenz-Früherkennung
Ist Vergesslichkeit im Alter normal?
Bestimmte Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit können mit zunehmendem Alter auftreten. Gelegentliche Vergesslichkeit bedeutet deshalb nicht automatisch Demenz. Eine Abklärung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Veränderungen neu auftreten, fortschreiten oder den Alltag beeinträchtigen.
Was sind die ersten Anzeichen einer Demenz?
Mögliche frühe Anzeichen sind unter anderem zunehmende Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten bei komplexen Alltagsaufgaben, Orientierungsprobleme, Sprachveränderungen sowie Veränderungen von Verhalten oder Urteilsvermögen. Die Symptome können jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.
Wie erkennt man eine beginnende Demenz?
Eine beginnende Demenz lässt sich nicht anhand eines einzelnen Symptoms erkennen. Entscheidend sind die Entwicklung über die Zeit, kognitive Veränderungen und deren Auswirkungen auf den Alltag. Bei begründetem Verdacht sollte eine fachgerechte medizinische Abklärung erfolgen.
Kann ein Demenz-Test eine Demenz feststellen?
Nein. Kognitive Tests können Hinweise auf Beeinträchtigungen liefern, stellen allein aber keine Demenzdiagnose. Die Diagnose erfolgt anhand einer umfassenderen medizinischen Beurteilung.
Ausführliche Informationen zu Demenz-Tests und den verschiedenen Testverfahren
Wann sollte man bei Vergesslichkeit zum Arzt?
Wenn Gedächtnisprobleme neu auftreten, deutlich zunehmen, auch anderen Personen auffallen oder den Alltag beeinträchtigen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Gibt es einen Bluttest für Alzheimer?
Blutbasierte Biomarker können unter bestimmten Voraussetzungen die diagnostische Abklärung einer Alzheimer-Krankheit unterstützen. Sie sind jedoch kein allgemeiner Selbsttest auf Demenz und müssen im klinischen Zusammenhang fachlich beurteilt werden.
Kann man Demenz verhindern?
Nicht jede Demenzerkrankung lässt sich verhindern. Verschiedene beeinflussbare Faktoren stehen jedoch mit dem Demenzrisiko in Zusammenhang.
Demenzprävention – wissenschaftlich fundierte Möglichkeiten zur Risikoreduktion