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Überblick
Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen, Orientierungsprobleme oder Schwierigkeiten bei vertrauten Tätigkeiten können viele Ursachen haben. Sie können im Rahmen normaler altersbedingter Veränderungen auftreten, aber auch Hinweise auf eine leichte kognitive Störung (Mild Cognitive Impairment, MCI) oder eine Demenzerkrankung sein.
Ein sogenannter Demenz-Test kann helfen, bestimmte kognitive Fähigkeiten systematisch zu überprüfen. Medizinisch handelt es sich dabei meist um kognitive Kurz- oder Screeningtests.
Kurz gesagt: Ein Demenz-Test wie MMST oder MoCA kann Hinweise auf eine kognitive Beeinträchtigung liefern. Er kann eine Demenz jedoch weder allein diagnostizieren noch sicher ausschließen. Bei zunehmenden Gedächtnis-, Orientierungs- oder Alltagsproblemen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Bei neu auftretenden, zunehmenden oder den Alltag beeinträchtigenden Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Was ist ein Demenz-Test?
Der Begriff „Demenz-Test“ bezeichnet keinen einzelnen medizinischen Test. Darunter werden verschiedene standardisierte Untersuchungsverfahren verstanden, mit denen bestimmte geistige Fähigkeiten überprüft werden.
Je nach Verfahren werden beispielsweise untersucht:
Gedächtnis und Merkfähigkeit
zeitliche und örtliche Orientierung
Aufmerksamkeit und Konzentration
Sprache und Wortfindung
visuell-räumliche Fähigkeiten
Planung und Problemlösung
sogenannte exekutive Funktionen
Kognitive Kurztests können dazu beitragen, einen bestehenden Verdacht auf eine kognitive Störung zu objektivieren und zu entscheiden, ob eine weiterführende diagnostische Untersuchung sinnvoll ist.
Die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen 2026 empfiehlt bei selbst berichteten kognitiven Beschwerden oder anderen Hinweisen auf eine mögliche Demenz im hausärztlichen beziehungsweise nicht spezialisierten Bereich die Durchführung eines geeigneten kognitiven Kurztests nach Einwilligung der betroffenen Person.
Kann man mit einem Demenz-Test Demenz feststellen?
Nein. Ein einzelner Test reicht für die Diagnose einer Demenz nicht aus.
Ein auffälliges Testergebnis bedeutet nicht automatisch, dass eine Demenzerkrankung vorliegt.
Ebenso kann ein unauffälliges Testergebnis eine beginnende kognitive Erkrankung nicht in jedem Fall ausschließen.
Das Testergebnis muss deshalb immer gemeinsam mit weiteren Informationen betrachtet werden:
Welche Beschwerden bestehen?
Seit wann bestehen sie?
Haben sie sich im Verlauf verändert?
Beeinträchtigen sie den Alltag?
Gibt es körperliche oder psychische Erkrankungen?
Welche Medikamente werden eingenommen?
Was beobachten Angehörige oder andere nahestehende Personen?
Auch internationale Leitlinien betonen, dass eine Demenz nicht allein aufgrund des Ergebnisses eines kognitiven Kurztests diagnostiziert oder ausgeschlossen werden sollte.
Weitere wissenschaftliche Informationen:
NICE – Dementia: assessment, management and support
Alzheimer’s Association – DETeCD-ADRD Clinical Practice Guideline
Welche Demenz-Tests gibt es?
In der medizinischen und neuropsychologischen Diagnostik stehen unterschiedliche Testverfahren zur Verfügung. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, welche kognitiven Bereiche untersucht werden und für welche Fragestellung sie eingesetzt werden.
1. Mini-Mental-Status-Test – MMST
Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist eines der bekanntesten Verfahren zur orientierenden Beurteilung kognitiver Funktionen.

Dabei werden unter anderem überprüft:
Orientierung
Merkfähigkeit
Aufmerksamkeit
Rechnen
Erinnerungsleistung
Sprache
einfache konstruktive Fähigkeiten
Der MMST kann dabei helfen, kognitive Beeinträchtigungen zu erfassen und Veränderungen im Verlauf zu dokumentieren.
Bei sehr leichten kognitiven Beeinträchtigungen kann seine Aussagekraft jedoch eingeschränkt sein.
Die deutsche S3-Leitlinie Demenzen nennt den MMST als einen möglichen kognitiven Kurztest zur Objektivierung einer vermuteten kognitiven Störung.
Der ursprüngliche MMST wurde 1975 von Folstein, Folstein und McHugh beschrieben:
Folstein et al. – Mini-Mental State, PubMed
Hinweis: Originaltestmaterialien des MMST sind urheberrechtlich geschützt und sollten ausschließlich entsprechend den jeweiligen Nutzungs- und Lizenzbedingungen verwendet werden.
2. Montreal Cognitive Assessment – MoCA
Das Montreal Cognitive Assessment (MoCA) ist ein standardisiertes Screeningverfahren, das insbesondere zur Erfassung leichterer kognitiver Veränderungen eingesetzt wird.

Untersucht werden unter anderem:
Aufmerksamkeit
Gedächtnis
Sprache
visuell-räumliche Fähigkeiten
abstraktes Denken
exekutive Funktionen
Orientierung
Die S3-Leitlinie Demenzen weist darauf hin, dass der MoCA insbesondere bei frühen Krankheitsstadien beziehungsweise an der Grenze zwischen leichter kognitiver Störung und leichter Demenz empfindlicher sein kann als der MMST.
Auch beim MoCA gilt:
Ein auffälliges Ergebnis ist keine Demenzdiagnose.
Das Ergebnis muss im medizinischen Gesamtkontext interpretiert werden.
Die wissenschaftliche Originalpublikation zum MoCA:
Nasreddine et al. – Montreal Cognitive Assessment, PubMed
Weitere Informationen zum Test:
Wichtig: Der MoCA ist urheberrechtlich geschützt. Testmaterial und Anweisungen sollten deshalb nicht auf dieser Website kopiert oder zum Download angeboten werden.
3. Uhrentest
Beim Uhrentest wird eine Person beispielsweise aufgefordert, ein Zifferblatt mit Zahlen und einer vorgegebenen Uhrzeit zu zeichnen.

Dabei können unter anderem
visuell-räumliche Fähigkeiten,
Planung,
Verständnis einer Aufgabe und
exekutive Funktionen
beurteilt werden.
Der Uhrentest kann Bestandteil einer kognitiven Untersuchung sein.
Alleine reicht er jedoch nicht aus, um eine Demenz festzustellen oder auszuschließen.
4. DemTect
Der DemTect (Demenz-Detektions-Test) ist ein weiteres standardisiertes Verfahren zur Untersuchung verschiedener kognitiver Leistungen.
Er wurde insbesondere entwickelt, um auch leichtere kognitive Beeinträchtigungen erfassen zu können.

Wie bei allen kognitiven Kurztests muss das Ergebnis gemeinsam mit Krankengeschichte, Alltagsfunktion und weiteren medizinischen Befunden bewertet werden.
Welcher Demenz-Test ist der beste?
Es gibt keinen einzelnen Test, der für jede Person und jede Situation gleichermaßen geeignet ist.

Die Auswahl hängt beispielsweise ab von:
Art und Ausmaß der Beschwerden
Alter
Bildungs- und Sprachhintergrund
vermuteter Erkrankung
Untersuchungssetting
vorhandenen Seh- oder Hörbeeinträchtigungen
Ziel der Untersuchung
Die S3-Leitlinie Demenzen 2026 bewertet die wissenschaftliche Evidenz für die diagnostische Aussagekraft kognitiver Kurztests als hoch.
Diese Tests ersetzen jedoch nicht die weitere klinische Beurteilung.
Bei leichteren kognitiven Beeinträchtigungen können andere Verfahren sinnvoll sein als bei bereits deutlich ausgeprägten Veränderungen.
Was beeinflusst das Ergebnis eines Demenz-Tests?
Ein Testergebnis hängt nicht ausschließlich von der kognitiven Leistungsfähigkeit ab.
Unter anderem können das Ergebnis beeinflussen:
Alter
Bildungsniveau
Muttersprache
kultureller Hintergrund
Sehbeeinträchtigungen
Hörbeeinträchtigungen
Schmerzen
Schlafmangel
akute Erkrankungen
Medikamente
Alkohol oder andere Substanzen
Depression
Angst
Stress
Untersuchungssituation
Deshalb darf ein Punktwert niemals ohne Berücksichtigung der individuellen Situation interpretiert werden.
Gedächtnisprobleme bedeuten nicht automatisch Demenz
Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme können zahlreiche Ursachen haben.
Dazu gehören beispielsweise:
Depressionen
Schlafstörungen
akute Erkrankungen
Delir
Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen von Medikamenten
Stoffwechselstörungen
Schilddrüsenerkrankungen
bestimmte Vitaminmangelzustände
Seh- oder Hörprobleme
neurologische Erkrankungen
Alkohol- oder Medikamenteneinflüsse
Ein wesentliches Ziel einer medizinischen Untersuchung besteht deshalb darin, andere mögliche Ursachen kognitiver Veränderungen zu erkennen.
Mehr über unterschiedliche Ursachen und Erkrankungen erfahren Sie in unserem: Demenz-Lexikon
Wann sollte ein Demenz-Test beziehungsweise eine Abklärung erfolgen?
Eine ärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn Veränderungen neu auftreten, fortschreiten oder den Alltag beeinträchtigen.
Mögliche Hinweise sind beispielsweise:
neue Informationen werden zunehmend schnell vergessen
dieselben Fragen werden häufig wiederholt
Termine oder Vereinbarungen werden ungewöhnlich oft vergessen
vertraute Tätigkeiten bereiten plötzlich Schwierigkeiten
Wortfindungsprobleme nehmen deutlich zu
Orientierung in vertrauter Umgebung fällt schwerer
Planung und Organisation werden schwieriger
Rechnungen oder finanzielle Angelegenheiten können nicht mehr wie früher erledigt werden
Persönlichkeit oder Verhalten verändern sich deutlich
Ein einzelnes Symptom beweist keine Demenzerkrankung. Entscheidend sind unter anderem Verlauf, Häufigkeit und Auswirkungen auf das tägliche Leben.
Wie wird Demenz medizinisch diagnostiziert?
Die Diagnose einer Demenz basiert nicht auf einem einzigen Test.
Je nach Beschwerden und individueller Situation können zur diagnostischen Abklärung gehören:
1. Ausführliche Krankengeschichte
Dabei werden Art, Beginn und Verlauf der Beschwerden besprochen.
2. Fremdanamnese
Mit Zustimmung der betroffenen Person können Beobachtungen von Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen wichtige zusätzliche Informationen liefern.
3. Beurteilung der Alltagsfähigkeiten
Entscheidend ist unter anderem, ob Veränderungen die selbstständige Bewältigung des Alltags beeinträchtigen.
4. Körperliche und neurologische Untersuchung
Dabei wird nach möglichen körperlichen oder neurologischen Ursachen der Beschwerden gesucht.
5. Kognitive Testverfahren
Hier können beispielsweise MMST, MoCA oder andere geeignete Verfahren eingesetzt werden.
6. Überprüfung der Medikamente
Bestimmte Medikamente oder Wechselwirkungen können die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen.
7. Laboruntersuchungen
Sie können helfen, bestimmte behandelbare Ursachen kognitiver Beschwerden zu erkennen.
8. Neuropsychologische Diagnostik
Eine ausführlichere Untersuchung kann sinnvoll sein, wenn Ursache oder Ausmaß einer kognitiven Störung nicht ausreichend geklärt sind.
9. Bildgebung
Abhängig von der Situation können beispielsweise MRT oder CT eingesetzt werden.
10. Spezialisierte Diagnostik
In ausgewählten Fällen können weitere Untersuchungen einschließlich Liquor-, Bildgebungs- oder Biomarkerdiagnostik infrage kommen.
Moderne Leitlinien betrachten die Demenzdiagnostik deshalb als mehrstufigen Prozess, bei dem Krankengeschichte, kognitive Funktionen, Alltagsfähigkeit, körperliche Befunde und gegebenenfalls Biomarker gemeinsam bewertet werden.
Alzheimer’s Association – DETeCD-ADRD Guideline
Was sagt die Wissenschaft über Demenz-Tests?
Kognitive Kurztests sind wissenschaftlich gut untersucht.
Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie Demenzen 2026 bewertet die Evidenz für Sensitivität, Spezifität sowie positive und negative Likelihood Ratios kognitiver Kurztests zur Erkennung einer Demenz als hoch.
Die Leitlinie empfiehlt deshalb bei einem begründeten Verdacht auf eine kognitive Störung den Einsatz eines geeigneten Kurztests.
Die wissenschaftliche Evidenz bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass ein Test allein eine Diagnose ermöglicht.
Auch die britische NICE-Leitlinie zur Demenzdiagnostik empfiehlt validierte kognitive Kurztests als Bestandteil der Abklärung. Gleichzeitig sollte eine Demenz nicht allein aufgrund eines normalen Testergebnisses ausgeschlossen werden.
Die DETeCD-ADRD-Leitlinie der Alzheimer’s Association beschreibt die diagnostische Abklärung ebenfalls als strukturierten mehrstufigen Prozess und nicht als Entscheidung anhand eines einzelnen Testwertes.
Warum eine frühzeitige Abklärung sinnvoll sein kann
Eine frühzeitige diagnostische Abklärung kann helfen,
behandelbare Ursachen kognitiver Beschwerden zu erkennen,
Art und Ausmaß einer kognitiven Störung genauer einzuordnen,
gegebenenfalls eine Demenzerkrankung früher zu diagnostizieren,
passende medizinische und psychosoziale Maßnahmen einzuleiten,
Betroffene und Angehörige zu informieren,
Unterstützungsangebote zu organisieren und
zukünftige Entscheidungen möglichst selbstbestimmt zu treffen.
Eine frühzeitige Abklärung bedeutet dabei nicht, vorschnell eine Demenzdiagnose zu stellen.
Sie soll vielmehr helfen, die Ursache von Veränderungen möglichst zuverlässig herauszufinden.
Plötzlich verwirrt? Nicht auf einen Demenz-Test warten
Eine Demenz entwickelt sich typischerweise schleichend und nicht innerhalb weniger Stunden.
Tritt plötzlich eine deutliche Verwirrtheit, Desorientierung oder starke Veränderung der geistigen Leistungsfähigkeit auf, kann beispielsweise ein Delir oder eine andere akute Erkrankung vorliegen.
In diesem Fall sollte zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Demenz-Test für Angehörige: Beobachtungen sind wichtig
Angehörige bemerken Veränderungen häufig früher als die betroffene Person selbst.
Hilfreich kann sein, konkrete Beobachtungen festzuhalten:
Welche Veränderung ist aufgefallen?
Wann begann sie?
Wird sie stärker?
In welchen Situationen tritt sie auf?
Was funktioniert heute schlechter als vor einigen Monaten oder Jahren?
Gab es Veränderungen bei Medikamenten oder Erkrankungen?
Diese Informationen können bei einem Arztgespräch wertvoll sein.
Die Diagnose sollte jedoch nicht durch Angehörige anhand einer Checkliste oder eines Online-Tests gestellt werden.
Was tun bei einem auffälligen Demenz-Test?
Ein auffälliges Ergebnis bedeutet zunächst:
Die Ursache sollte genauer untersucht werden.
Ein möglicher erster Ansprechpartner ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Abhängig vom Befund können weitere Untersuchungen beziehungsweise eine Überweisung etwa zu Neurologie, Psychiatrie, Geriatrie oder einer spezialisierten Gedächtnisambulanz sinnvoll sein.
Wenn Sie Unterstützung dabei benötigen, Veränderungen einzuordnen, Fragen für einen Arzttermin vorzubereiten oder mit einer möglichen beziehungsweise bereits gestellten Demenzdiagnose umzugehen, kann zusätzlich eine spezialisierte Demenzberatung hilfreich sein.
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Beratung bei Gedächtnisproblemen und Demenz
Unsicherheit über mögliche kognitive Veränderungen kann für Betroffene und Angehörige belastend sein.
In einer Demenzberatung können beispielsweise folgende Fragen besprochen werden:
Wie lassen sich beobachtete Veränderungen einordnen?
Welche nächsten Schritte können sinnvoll sein?
Wie bereitet man sich auf eine ärztliche Untersuchung vor?
Wie spricht man mit einem Angehörigen über Veränderungen?
Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?
Wie kann der Alltag gestaltet werden, wenn bereits eine Demenzdiagnose vorliegt?
Eine Demenzberatung ersetzt keine ärztliche Diagnostik.
Häufige Fragen zum Demenz-Test
Kann ich einen Demenz-Test selbst zu Hause machen?
Online-Tests oder einfache Aufgaben können Hinweise liefern, ersetzen jedoch keine fachgerechte Untersuchung. Insbesondere Testergebnisse ohne Berücksichtigung von Alter, Bildung, Sprache, Erkrankungen und Alltagssituation können leicht fehlinterpretiert werden.
Kann ein Demenz-Test Alzheimer feststellen?
Nein. Ein kognitiver Kurztest kann helfen, eine kognitive Beeinträchtigung zu erkennen. Er kann jedoch nicht allein feststellen, ob eine Alzheimer-Krankheit vorliegt. Dafür ist eine umfassendere diagnostische Beurteilung erforderlich.
Was bedeutet ein auffälliger MMST-Wert?
Ein auffälliger MMST-Wert kann auf eine kognitive Beeinträchtigung hinweisen. Er beweist jedoch keine Demenz und muss im individuellen medizinischen Kontext interpretiert werden.
Was ist besser: MMST oder MoCA?
Das hängt von der klinischen Situation ab. Der MoCA kann insbesondere bei leichteren kognitiven Beeinträchtigungen empfindlicher sein. Die Wahl des geeigneten Instruments sollte sich an der individuellen Fragestellung orientieren.
Kann man trotz normalem Demenz-Test eine Demenz haben?
Ja. Ein normales Ergebnis schließt insbesondere eine sehr frühe Erkrankung nicht mit Sicherheit aus. Bestehen weiterhin deutliche Beschwerden oder Alltagsprobleme, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Wer diagnostiziert Demenz?
Die diagnostische Abklärung kann bei der Hausärztin beziehungsweise beim Hausarzt beginnen. Je nach Situation können Neurologie, Psychiatrie, Geriatrie, Neuropsychologie oder spezialisierte Gedächtnisambulanzen einbezogen werden.
Wissenschaftliche Grundlage und Quellen
Die medizinischen Informationen dieser Seite orientieren sich insbesondere an aktuellen nationalen und internationalen Leitlinien sowie wissenschaftlichen Originalpublikationen.
1. S3-Leitlinie Demenzen
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).
S3-Leitlinie Demenzen, AWMF-Registernummer 038-013, Fassung 2026.
S3-Leitlinie Demenzen 2026 – AWMF
2. NICE Guideline
National Institute for Health and Care Excellence.
Dementia: assessment, management and support for people living with dementia and their carers (NG97).
NICE – Dementia: assessment, management and support
3. Alzheimer’s Association Clinical Practice Guideline
Atri A, Dickerson BC et al.
Alzheimer’s Association clinical practice guideline for the Diagnostic Evaluation, Testing, Counseling, and Disclosure of Suspected Alzheimer’s Disease and Related Disorders (DETeCD-ADRD).
DETeCD-ADRD Clinical Practice Guideline – wissenschaftlicher Volltext
4. Mini-Mental-Status-Test
Folstein MF, Folstein SE, McHugh PR.
“Mini-Mental State”. A practical method for grading the cognitive state of patients for the clinician.
Journal of Psychiatric Research. 1975;12(3):189–198.
Originalpublikation zum MMST – PubMed
5. Montreal Cognitive Assessment
Nasreddine ZS et al.
The Montreal Cognitive Assessment, MoCA: A Brief Screening Tool for Mild Cognitive Impairment.
Journal of the American Geriatrics Society. 2005;53(4):695–699.
Originalpublikation zum MoCA – PubMed
6. World Health Organization
World Health Organization.
Diagnosis of dementia.
Weiterführende Informationen
Stefan Strotzka: Gerontopsychiatrisches Zentrum der Psychosozialen Dienste Wien, Österreich
„Clock-reading-Tests“ – Uhrenlesetests in der Demenzdiagnostik
Uhrenlesetests werden seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Demenzdiagnostik verwendet. Sie sind schnell und einfach anwendbar und können im Rahmen einer ausführlichen neuropsychologischen Demenzdiagnostik eine wertvolle Ergänzung darstellen.
Im vorliegenden Artikel wird mit dem „Schnellen Uhren-Vierer“ ein im Gerontopsychiatrischen Zentrum(GPZ) des PSD Wien entwickelter Uhrenlesetest erstmals vorgestellt. Das Verfahren kann bei der differentialdiagnostischen Abklärung zwischen PatientInnen mit vaskulärer Demenz und Alzheimer-Demenz hilfreich sein und bewährt sich in der Arbeit des GPZ sehr gut.
Ausblick: Weltweit sind 46,8Mio. Menschen an Demenz erkrankt. Nach dem Welt-Alzheimer-Report wird sich diese Zahl alle 20 Jahre verdoppeln. In Österreich leben derzeit etwa 130.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die Diagnostik dieser Erkrankungen wird in Zukunft eine immer größere Bedeutung erlangen. Praktikable, schnell durchführbare Verfahren wie der „Schnelle Uhren Vierer“ könnten im Rahmen der neuropsychologischen Demenzdiagnostik hier eine wesentliche Rolle spielen.
Fazit für die Praxis:
- Bei der differentialdiagnostischen Abklärung zwischen Patienten mit vaskulärer Demenz und Alzheimer Demenz kann der „Schnelle Uhren Vierer“ eine wertvolle Unterstützung sein.
- Die alltagspraktisch wichtige Fertigkeit, Uhrzeiten zu erkennen, wird mit einem Uhrenlesetest einfach und klar geprüft.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung.
Kognitive Kurztests können Hinweise auf mögliche Veränderungen geben. Die Diagnose einer Demenz oder einer bestimmten Demenzform erfordert eine umfassendere medizinische Beurteilung.
Bei neu auftretenden, zunehmenden oder den Alltag beeinträchtigenden kognitiven Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Bei plötzlich auftretender ausgeprägter Verwirrtheit oder rascher Verschlechterung sollte zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Fachliche Prüfung
Fachlich geprüft von Andrea Stix, MSc
Akademische Expertin für Demenzstudien
Stand der fachlichen Information: August 2026