Demenz-Lexikon
MAS-Training bei Demenz: Fähigkeiten fördern und Ressourcen erhalten
MAS-Training

Das MAS-Training (Morbus-Alzheimer-Syndrom-Training) ist ein ressourcenorientierter, stadiengerechter Ansatz zur Aktivierung und Begleitung von Menschen mit Demenz. Die Übungen werden an die vorhandenen Fähigkeiten, Interessen, die Biografie und das jeweilige Stadium der Erkrankung angepasst.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Erreichen einer bestimmten Leistung. Vielmehr sollen vorhandene Fähigkeiten aktiviert, Selbstständigkeit und Alltagskompetenzen unterstützt sowie positive Erfahrungen und soziale Teilhabe ermöglicht werden.

Das MAS-Training kann je nach individueller Situation als Einzel- oder Gruppentraining durchgeführt werden.

Was bedeutet MAS-Training?

Menschen mit Demenz unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer kognitiven Fähigkeiten, körperlichen Möglichkeiten, ihrer Biografie, Interessen und Bedürfnisse. Ein sinnvoll aufgebautes Training sollte diese Unterschiede berücksichtigen.

Das MAS-Konzept verfolgt deshalb einen stadiengerechten und ressourcenorientierten Ansatz. Übungen und Aktivitäten werden so gewählt, dass sie weder überfordern noch unterfordern.

Die österreichische MAS-Demenztrainer-Ausbildung wurde ursprünglich im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts entwickelt. Grundlage des Konzepts ist unter anderem eine stadienbezogene Förderung von Menschen mit Demenz. Eine Untersuchung des Ausbildungskonzepts beschrieb dessen Anwendung in der Praxis durch ausgebildete MAS-Demenztrainer:innen.

Studie zum Ausbildungskonzept des MAS-Demenztrainings

Welche Bereiche können im MAS-Training angesprochen werden?

Abhängig vom individuellen Bedarf können verschiedene Bereiche miteinander kombiniert werden.

Kognitive Aktivierung

Dazu können beispielsweise Übungen zu Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Sprache, Gedächtnis oder Orientierung gehören.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt kognitive Stimulation und kognitives Training als nichtmedikamentöse Interventionen auf, die bei Menschen mit Demenz erwogen werden können. Die WHO bewertet die Empfehlung allerdings als bedingt und die Evidenzsicherheit als niedrig.

WHO – Non-pharmacological interventions for people living with dementia

Bewegung und Motorik

Körperliche Aktivität kann Bestandteil eines multimodalen Trainings sein. Je nach körperlichen Möglichkeiten können beispielsweise Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination oder Kraft angesprochen werden.

Für körperliche Aktivität besteht eine vergleichsweise gute wissenschaftliche Grundlage. Die WHO empfiehlt strukturierte körperliche Aktivität für Menschen mit Demenz ausdrücklich.

WHO – Empfehlungen zu nichtmedikamentösen Interventionen bei Demenz

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu mehrkomponentigen Bewegungsprogrammen untersuchte außerdem Auswirkungen auf Kognition, körperliche Funktionen und Aktivitäten des täglichen Lebens bei Menschen mit Demenz oder leichter kognitiver Beeinträchtigung.

PubMed – Effect of Multicomponent Exercise on Cognition, Physical Function and Activities of Daily Life

Alltagskompetenzen

Aktivitäten können sich auch an vertrauten Tätigkeiten aus dem Alltag orientieren. Ziel ist dabei nicht primär eine messbare Leistungssteigerung, sondern vorhandene Fähigkeiten möglichst sinnvoll einzusetzen und Selbstständigkeit zu unterstützen.

Eine Metaanalyse zu mehrkomponentigen Trainingsprogrammen bei älteren Menschen mit Demenz fand Hinweise auf positive Effekte hinsichtlich der Bewältigung von Aktivitäten des täglichen Lebens. Für Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit war die Evidenz dagegen weniger eindeutig.

PubMed – Effectiveness of Multicomponent Exercise Interventions in Older Adults With Dementia

Soziale und emotionale Aktivierung

Gemeinsames Sprechen, Erinnern, Musik, kreative Tätigkeiten und andere individuell bedeutsame Aktivitäten können ebenfalls Bestandteil der Begleitung sein.

Dabei steht nicht nur die kognitive Leistung im Vordergrund. Positive Erfahrungen, Kommunikation, soziale Teilhabe und das Erleben eigener Fähigkeiten sind ebenfalls wichtige Aspekte einer personenzentrierten Demenzbegleitung.

Welche Ziele verfolgt das MAS-Training?

Je nach Person und Stadium können unterschiedliche Ziele im Vordergrund stehen:

  • vorhandene Fähigkeiten und Ressourcen aktivieren,

  • kognitive Fähigkeiten angemessen stimulieren,

  • Bewegung und Mobilität fördern,

  • Alltagskompetenzen unterstützen,

  • soziale Interaktion und Kommunikation anregen,

  • Selbstständigkeit möglichst lange unterstützen,

  • Erfolgserlebnisse ermöglichen und

  • Lebensqualität und Wohlbefinden unterstützen.

Wichtig ist dabei eine realistische medizinische Einordnung: MAS-Training kann eine Demenzerkrankung nicht heilen und ersetzt keine medizinische Behandlung.

Es sollte daher nicht versprochen werden, dass MAS-Training das Fortschreiten einer Demenz nachweislich verzögert. Wissenschaftlich besser abgesichert ist die Aussage, dass verschiedene nichtmedikamentöse Interventionen wie körperliche Aktivität, kognitive Stimulation und kognitives Training bestimmte funktionelle, körperliche oder kognitive Bereiche unterstützen können.

Was sagt die Wissenschaft zu kognitiver Stimulation bei Demenz?

Nichtmedikamentöse Maßnahmen sind heute ein wichtiger Bestandteil der Versorgung von Menschen mit Demenz.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit untersuchte kognitive Stimulation bei Menschen mit Demenz. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass strukturierte kognitive Stimulation positive Auswirkungen auf die kognitive Funktion haben kann. Die Studien unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Intervention, Dauer, Demenzform und Schweregrad.

Cochrane – Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia

Auch die WHO berücksichtigt kognitive Stimulation und kognitives Training in ihren Empfehlungen zu nichtmedikamentösen Interventionen bei Demenz.

WHO – Cognitive and psychosocial interventions for dementia

Die wissenschaftliche Datenlage zeigt insgesamt, dass solche Interventionen sinnvoll eingesetzt werden können. Die Ergebnisse sind jedoch nicht bei allen Menschen gleich und hängen unter anderem vom Stadium der Erkrankung, der Art des Trainings und individuellen Voraussetzungen ab.

Warum ein multimodaler Ansatz sinnvoll sein kann

Demenz betrifft nicht ausschließlich das Gedächtnis. Im Verlauf können unter anderem Aufmerksamkeit, Sprache, Orientierung, Beweglichkeit, Alltagskompetenzen und soziale Teilhabe beeinträchtigt werden.

Deshalb können Interventionen sinnvoll sein, die mehrere Bereiche miteinander verbinden.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien untersuchte beispielsweise die Kombination aus körperlichem und kognitivem Training. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass kombinierte Interventionen kognitive und körperliche Funktionen unterstützen können, wobei Ausmaß und Übertragbarkeit der Effekte von der jeweiligen Personengruppe und Intervention abhängen.

PubMed – Combined physical and cognitive training: systematic review and network meta-analysis

Auch Studien mit multimodalen Programmen bei Menschen mit leichter Demenz weisen darauf hin, dass individuell definierte funktionelle Ziele und körperliche Aktivierung sinnvolle Bestandteile der Rehabilitation und Begleitung sein können.

PubMed – Multimodal cognitive and physical rehabilitation in mild dementia

Individuelle Anpassung statt Leistungsdruck

Bei Menschen mit Demenz sollte Training nicht nach dem Prinzip „höher, schneller, besser“ erfolgen.

Entscheidend ist vielmehr, die vorhandenen Ressourcen zu erkennen und Übungen so anzupassen, dass die Person möglichst positive Erfahrungen machen kann.

Deshalb können vor Beginn einer regelmäßigen Begleitung unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Stadium und Form der Demenz,

  • vorhandene kognitive Fähigkeiten,

  • körperliche Mobilität,

  • individuelle Interessen,

  • frühere Tätigkeiten und Gewohnheiten,

  • persönliche Biografie,

  • Tagesform und Belastbarkeit sowie

  • aktuelle Bedürfnisse und Ziele.

Auf dieser Grundlage können Aktivitäten individuell ausgewählt und im Verlauf angepasst werden.

MAS-Training als Teil einer umfassenden Demenzbegleitung

Ein Aktivierungs- oder Trainingsprogramm sollte nicht isoliert betrachtet werden. Gute Demenzbegleitung umfasst neben medizinischer Diagnostik und Behandlung auch psychosoziale Unterstützung, körperliche Aktivität, soziale Teilhabe, eine angepasste Alltagsgestaltung und die Unterstützung von Angehörigen.

Das MAS-Training kann dabei als ergänzender nichtmedikamentöser Baustein eingesetzt werden.

Bei FELIX wird die Aktivierung deshalb in einen personenzentrierten Begleitungsansatz eingebettet. Entscheidend sind nicht ausschließlich Defizite, sondern insbesondere die Fähigkeiten, Bedürfnisse, Emotionen und individuellen Ressourcen des Menschen mit Demenz.

Wissenschaftliche Einordnung

Die wissenschaftliche Evidenz unterstützt grundsätzlich den Einsatz verschiedener nichtmedikamentöser Maßnahmen bei Menschen mit Demenz. Besonders gut belegt ist die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität. Für kognitive Stimulation und kognitives Training bestehen ebenfalls Hinweise auf mögliche positive Effekte, die Evidenz ist jedoch heterogener und teilweise von niedriger Sicherheit.

Aus diesen Erkenntnissen lässt sich nicht ableiten, dass MAS-Training eine Demenz heilen oder den Krankheitsverlauf bei jedem Menschen nachweislich verlangsamen kann.

Realistische Ziele sind vielmehr die Aktivierung vorhandener Ressourcen, Unterstützung körperlicher und kognitiver Funktionen sowie die Förderung von Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität.

Wissenschaftliche Quellen

World Health Organization (WHO): Non-pharmacological interventions for people living with dementia

Cochrane: Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia

PubMed: Effect of Multicomponent Exercise on Cognition, Physical Function and Activities of Daily Life in Older Adults With Dementia or Mild Cognitive Impairment

PubMed: Combined physical and cognitive training for older adults with and without cognitive impairment

PubMed: Outcomes of a multimodal cognitive and physical rehabilitation program for persons with mild dementia and their caregivers

Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung. Welche Form der Aktivierung oder des Trainings geeignet ist, sollte an die gesundheitliche Situation, das Stadium der Demenz und die individuellen Fähigkeiten der betroffenen Person angepasst werden.

Fachlich geprüft von Andrea Stix, MSc
Akademische Expertin für Demenzstudien

Stand der fachlichen Information: August 2026

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