
Du schämst dich für Oma, bist wütend auf Papa oder hast ein schlechtes Gewissen? Diese Gefühle sind normal. Was sie bedeuten und was dir hilft.
Das Wichtigste in Kürze
Warum fühle ich so? Wut, Scham, Schuld, Trauer, Angst oder Einsamkeit sind normale Gefühle, wenn Demenz in der Familie ist – auch wenn sie nicht zu dem passen, was man „fühlen soll“.
Was hilft im Alltag? Gefühle benennen, reden oder schreiben, dich bewegen, kleine Pausen einplanen und mit anderen Betroffenen sprechen – und den kranken Menschen nicht mit der Krankheit verwechseln.
Wann Hilfe holen? Wenn es dir über längere Zeit sehr schlecht geht oder du an Selbstverletzung denkst, melde dich sofort – etwa bei Rat auf Draht (147) oder der Telefonseelsorge (142).
Wenn jemand in der Familie Demenz hat, stellt das viele Gefühle auf den Kopf. Manche sind schwer auszuhalten und passen nicht zu dem, was man „fühlen soll“. Hier kommt die gute Nachricht: Alle diese Gefühle sind normal. Auch die, über die man nicht gern spricht.
Gefühle, die viele Young Carers bei Demenz in der Familie kennen
- Wut. Du bist wütend, weil Mama dieselbe Frage zum zehnten Mal stellt oder Papa dich anschreit. Oder weil alles anders ist als früher. Wut heißt nicht, dass du jemanden nicht liebst.
- Scham. Du willst keine Freund:innen mitbringen, weil Oma komisch reagiert. Oder du fürchtest, dass andere lachen. Scham ist häufig. Sie wird kleiner, wenn du mit jemandem darüber sprichst.
- Schuld. „Ich war ungeduldig.“ „Ich hätte mehr helfen sollen.“ Auch Erwachsene, die Menschen mit Demenz begleiten, kennen diese Schuldgefühle gut. Die Krankheit hast nicht du verursacht, und du kannst sie nicht aufhalten.
- Trauer. Mama oder Opa ist noch da, aber vieles von früher fehlt. Du trauerst, obwohl niemand gestorben ist. Das ist echt und darf wehtun.
- Angst. Was kommt als Nächstes? Wird Papa mich noch erkennen? Kann mir das auch passieren? Fragen wie diese sind normal. Sie verdienen ehrliche Antworten, am besten von Ärzt:innen oder Berater:innen.
- Einsamkeit. Gleichaltrige kennen deine Situation oft nicht. Du hast vielleicht das Gefühl, dass dich niemand versteht. Du bist nicht die oder der Einzige. In Österreich pflegen rund 42.700 Kinder und Jugendliche Angehörige.
- Stolz und Zärtlichkeit. Auch das gehört dazu. Viele sind stolz auf das, was sie schaffen, und erleben schöne Momente mit Oma oder Papa. Du darfst beides gleichzeitig fühlen: Liebe und Erschöpfung.
Was dir helfen kann
- Gefühle benennen. „Ich bin gerade wütend und traurig.“ Allein das Aussprechen entlastet.
- Reden oder schreiben. Mit jemandem, dem du vertraust, mit einer Beratungsstelle oder in ein Heft, das nur dir gehört.
- Dich bewegen. Spazieren, Radfahren, Sport, Tanzen. Bewegung baut Anspannung ab.
- Kleine Pausen einplanen. Musik hören, zeichnen, Freund:innen treffen. Auch Young Carers dürfen Spaß haben.
- Mit anderen Betroffenen sprechen. Zu hören, dass es anderen genauso geht, nimmt Druck.
- Die Person nicht mit der Krankheit verwechseln. Wenn Papa gemein wirkt, spricht oft die Krankheit.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Sprich mit jemandem, wenn eines davon zutrifft:
- Du kannst über längere Zeit nicht schlafen
- Du isst kaum noch
- Du ziehst dich zurück
- Du hast ständig Angst
- Du kannst dich in der Schule nicht mehr konzentrieren
- Alles wird dir zu viel
Wenn du dir manchmal wünschst, nicht mehr da zu sein, oder daran denkst, dir wehzutun: Ruf bitte sofort jemanden an. 147 Rat auf Draht ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, auch nachts. Die Telefonseelsorge 142 erreichst du ebenfalls jederzeit. Bei akuter Gefahr wähle 144 oder 112.
Weitere Anlaufstellen: Hilfe holen: Anlaufstellen für Young Carers in Österreich.
Für Erwachsene
Nehmen Sie die Gefühle von Kindern und Jugendlichen ernst, auch Wut und Rückzug. Fragen Sie offen nach, ohne zu drängen, und bewerten Sie Gefühle nicht. Machen Sie deutlich, dass die Krankheit schuld ist und nicht das Kind. FELiX Demenzbegleitung unterstützt Familien mit Beratung und Gesprächen.
AUCH ONLINEPersönliche Unterstützung bei Demenz
Wir begleiten Sie persönlich – telefonisch, online oder vor Ort.
