
Wenn Mama, Papa, Oma oder Opa krank sind oder vieles vergessen, helfen Kinder und Jugendliche oft ganz selbstverständlich mit. Du kochst, passt auf, erinnerst an Tabletten oder bist einfach da. Wenn du das regelmäßig und schon länger tust, nennt man dich einen Young Carer, auf Deutsch: pflegendes Kind oder pflegende:r Jugendliche:r.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist ein Young Carer? Wenn du regelmäßig und schon länger zu Hause hilfst, weil Mama, Papa, Oma oder Opa krank sind oder vieles vergessen, bist du ein Young Carer.
Bin ich betroffen? Wenn du wenig Zeit für dich hast, oft müde bist oder kaum darüber sprichst, gehörst du wahrscheinlich dazu – auch wenn Helfen für dich normal wirkt.
Was kann ich tun? Hol dir Hilfe: Sprich mit jemandem, dem du vertraust, lass deinen Gefühlen Platz und nutz kostenlose, anonyme Beratung. Du musst das nicht allein tragen.
In Österreich sind das rund 42.700 Kinder und Jugendliche. Du bist also nicht allein, auch wenn es sich oft so anfühlt.
Was machen Young Carers?
Young Carers sind unter 18 und kümmern sich regelmäßig um ein nahes Familienmitglied. Das kann ein Elternteil sein, ein Geschwisterkind oder die Oma oder der Opa. Typische Aufgaben:
- im Haushalt helfen, einkaufen, kochen
- auf jüngere Geschwister aufpassen
- zu Arzt oder Ämtern mitgehen und dolmetschen
- Medikamente richten oder daran erinnern
- beim Waschen, Anziehen und Essen helfen
- Gesellschaft leisten, trösten, aufpassen, dass nichts passiert
Und wenn jemand Demenz hat?
Bei Demenz kommt etwas dazu: Die Person vergisst Dinge, findet Wörter nicht mehr oder verhält sich anders als früher. Dann bist du vielleicht diejenige oder derjenige, die oder der erinnert, beruhigt, den Weg begleitet oder darauf achtet, dass der Herd aus ist. Wie du das verstehen kannst, erklären wir in
Oma oder Opa vergisst alles: Demenz einfach erklärt und
Mama oder Papa hat Demenz: Was das für dich bedeutet.
Bin ich ein Young Carer?
Schau, ob mehrere dieser Sätze auf dich passen:
- Ich helfe jede Woche zu Hause, nicht nur ab und zu.
- Ich mache Dinge, die sonst Erwachsene machen.
- Ich denke in der Schule oft daran, ob zu Hause alles gut ist.
- Ich habe weniger Zeit für Freund:innen, Hobbys oder Lernen.
- Ich bin oft müde oder angespannt.
- Ich erzähle anderen lieber nichts davon.
Passen mehrere? Dann gehörst du wahrscheinlich dazu. Viele Young Carers merken das selbst erst spät, weil Helfen in der Familie als normal gilt.
Ist das schlimm?
Helfen kann stolz machen und Familien zusammenhalten. Zu viel wird es, wenn du kaum Zeit für dich hast, schlecht schläfst, dich nicht mehr konzentrieren kannst oder dich ständig sorgst. Dann brauchst du Unterstützung. Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche. Kein Kind sollte so eine Verantwortung allein tragen.
Was kannst du tun?
- Sprich mit jemandem, dem du vertraust: Eltern, Verwandte, eine Lehrerin, ein Lehrer. Wie das in der Schule klappt: Schule und Pflege: So sagst du es deinen Lehrer:innen
- Gib deinen Gefühlen Platz. Wut, Scham und Trauer sind normal: Wut, Scham, Trauer: Gefühle, wenn Demenz in der Familie ist.
- Hol dir Beratung. Kostenlos und anonym geht das zum Beispiel bei 147 Rat auf Draht und bei superhands: Hilfe holen: Anlaufstellen für Young Carers in Österreich.
Für Erwachsene
Wenn Sie ein Kind oder eine:n Jugendliche:n kennen, das oder die viel zu Hause hilft: Fragen Sie nach, hören Sie zu und wertschätzen Sie, was geleistet wird. Entlastung für die ganze Familie, auch durch Beratung zu Demenz, finden Sie bei FELiX Demenzbegleitung.
Wir bieten für Kinder und jugendliche < 18 Jahre ein kostenloses Beratungspaket an.
AUCH ONLINEPersönliche Unterstützung bei Demenz
Wir begleiten Sie persönlich – telefonisch, online oder vor Ort.
