
Die frontotemporale Demenz (FTD) gehört zu einer Gruppe neurodegenerativer Erkrankungen, bei denen Nervenzellen insbesondere in den Frontal- und Temporallappen des Gehirns zunehmend geschädigt werden.
Diese Gehirnregionen sind unter anderem an Persönlichkeit, Sozialverhalten, emotionaler Verarbeitung, Entscheidungsfindung und Sprache beteiligt. Deshalb stehen bei einer frontotemporalen Demenz – anders als bei der typischen Alzheimer-Demenz – zu Beginn häufig Veränderungen von Persönlichkeit, Verhalten oder Sprache im Vordergrund.
Das National Institute on Aging (NIA) zählt frontotemporale Erkrankungen zu den wichtigen Ursachen einer früh beginnenden Demenz.
Die FTD ist dabei keine einheitliche Erkrankung. Der Begriff umfasst verschiedene klinische Syndrome und unterschiedliche zugrunde liegende neuropathologische Veränderungen.
Was ist eine frontotemporale Demenz?
Bei der frontotemporalen Demenz kommt es zu einem fortschreitenden Funktionsverlust und Absterben von Nervenzellen, insbesondere in den frontalen und/oder temporalen Regionen des Gehirns.
In der medizinischen Fachliteratur wird für die zugrunde liegende Gruppe von Erkrankungsprozessen häufig der Begriff frontotemporale lobäre Degeneration (FTLD) verwendet.
Das National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) beschreibt FTD beziehungsweise FTLD als klinisch und pathologisch heterogene Gruppe neurodegenerativer Erkrankungen, die durch eine fortschreitende Atrophie frontaler und/oder temporaler Gehirnregionen gekennzeichnet sind.
In welchem Alter tritt eine frontotemporale Demenz auf?
Eine FTD kann grundsätzlich in unterschiedlichen Altersgruppen auftreten. Besonders charakteristisch ist jedoch, dass sie im Vergleich zur Alzheimer-Demenz häufig in einem jüngeren Lebensalter beginnt.
Die Erkrankung tritt häufig im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt auf. Das Erkrankungsalter kann jedoch erheblich variieren.
Das NINDS beschreibt die FTD als eine besonders wichtige Demenzursache bei Menschen unter 60 Jahren.
Gerade weil die Erkrankung häufig mitten im Berufs- und Familienleben beginnt, können die Auswirkungen auf Partnerschaft, Familie, Beruf und soziale Beziehungen erheblich sein.
Welche Formen der frontotemporalen Demenz gibt es?
FTD umfasst mehrere klinische Erscheinungsformen. Welche Symptome zunächst dominieren, hängt wesentlich davon ab, welche neuronalen Netzwerke besonders betroffen sind.
Zu den wichtigsten klinischen Erscheinungsformen gehören:
behaviorale Variante der frontotemporalen Demenz (bvFTD)
semantische Variante der primär progressiven Aphasie (svPPA)
nichtflüssige/agrammatische Variante der primär progressiven Aphasie (nfvPPA)
Die international etablierten diagnostischen Kriterien für diese Krankheitsbilder werden unter anderem in wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten zur Diagnostik frontotemporaler Demenzen dargestellt.
Behaviorale frontotemporale Demenz (bvFTD)
Die behaviorale Variante der frontotemporalen Demenz ist durch fortschreitende Veränderungen von Persönlichkeit, Sozialverhalten und Verhalten gekennzeichnet.
Nach den internationalen Konsensuskriterien gehören zu den charakteristischen Symptombereichen unter anderem:
Enthemmung
Apathie oder Antriebsminderung
Verlust von Mitgefühl beziehungsweise Empathie
stereotype oder zwanghaft wirkende Verhaltensweisen
Veränderungen des Essverhaltens
Beeinträchtigungen exekutiver Funktionen
Eine ausführliche Darstellung der diagnostischen Kriterien findet sich in der wissenschaftlichen Übersicht Frontotemporal dementia: diagnosis, deficits and management.
Wichtig ist: Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig vorhanden sein, und das Erscheinungsbild kann sich im Krankheitsverlauf verändern.
Primär progressive Aphasie (PPA)
Bei einigen frontotemporalen Erkrankungen stehen zunächst Sprach- und Kommunikationsstörungen im Vordergrund.
Man spricht dann von einer primär progressiven Aphasie (PPA).
Dabei ist Sprache über einen längeren Zeitraum die hauptsächlich beeinträchtigte kognitive Funktion.
Zwei Varianten sind besonders eng mit dem FTD-Spektrum verbunden.
Semantische Variante der PPA
Bei der semantischen Variante (svPPA) geht zunehmend das Wissen über die Bedeutung von Wörtern, Begriffen und teilweise auch Objekten verloren.
Typisch können beispielsweise sein:
Schwierigkeiten beim Benennen von Gegenständen
zunehmende Probleme beim Verständnis einzelner Wörter
Verlust von begrifflichem Wissen
Schwierigkeiten beim Erkennen beziehungsweise Zuordnen von Gegenständen
Die internationalen Kriterien für PPA beschreiben beeinträchtigtes Benennen und beeinträchtigtes Einzelwortverständnis als zentrale Merkmale der semantischen Variante (wissenschaftliche Übersicht zu FTD und PPA).
Nichtflüssige/agrammatische Variante der PPA
Bei der nichtflüssigen beziehungsweise agrammatischen Variante (nfvPPA) wird das Sprechen zunehmend mühsam.
Mögliche Symptome sind:
verlangsamtes und angestrengtes Sprechen
grammatikalisch vereinfachte oder fehlerhafte Sprache
Schwierigkeiten bei der Bildung komplexer Sätze
Sprechapraxie
Schwierigkeiten beim Verständnis grammatikalisch komplexer Sätze
Die Sprache kann dadurch zunehmend stockend und mühsam wirken.
Was sind typische Symptome einer frontotemporalen Demenz?
Die Symptome unterscheiden sich erheblich zwischen den verschiedenen FTD-Formen.
Bei der behavioralen Variante stehen häufig Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen im Vordergrund.
Apathie und Antriebsminderung
Betroffene können zunehmend Interesse an früher wichtigen Aktivitäten verlieren.
Dies kann sich beispielsweise zeigen durch:
Rückzug aus sozialen Kontakten
Aufgabe von Hobbys
vermindertes Interesse an Familie oder Beruf
fehlende Eigeninitiative
Vernachlässigung alltäglicher Aufgaben
Eine solche Apathie kann leicht mit einer Depression verwechselt werden. Die Unterscheidung kann schwierig sein und sollte ärztlich beziehungsweise fachärztlich erfolgen.
Das National Institute on Aging weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere die behaviorale FTD aufgrund ihrer Symptome mit psychiatrischen Erkrankungen wie einer Depression verwechselt werden kann.
Verlust von Empathie und sozialem Einfühlungsvermögen
Menschen mit bvFTD können zunehmend Schwierigkeiten haben, Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen angemessen wahrzunehmen oder darauf zu reagieren.
Für Angehörige kann dies besonders belastend sein, weil sich ein zuvor fürsorglicher und empathischer Mensch scheinbar grundlegend verändert.
Diese Veränderungen entstehen jedoch aufgrund der neurodegenerativen Erkrankung und sollten nicht vorschnell als bewusste Rücksichtslosigkeit interpretiert werden.
Enthemmung und unangemessenes Verhalten
Eine Schädigung frontaler neuronaler Netzwerke kann dazu führen, dass soziale Regeln und Impulse zunehmend schlechter kontrolliert werden.
Mögliche Veränderungen sind beispielsweise:
unangemessene Bemerkungen
impulsives Verhalten
Verlust sozialer Distanz
unpassendes Verhalten in der Öffentlichkeit
unangemessenes sexuelles Verhalten
riskante oder unüberlegte Entscheidungen
Enthemmung gehört zu den Kernmerkmalen der behavioralen FTD in den internationalen Konsensuskriterien für bvFTD.
Stereotypes und zwanghaft wirkendes Verhalten
Manche Menschen entwickeln zunehmend ritualisierte oder repetitive Verhaltensweisen.
Dazu können gehören:
immer gleiche Tagesabläufe
wiederholte Bewegungen
Sammeln bestimmter Gegenstände
starre Routinen
wiederholtes Aufsuchen bestimmter Orte
stereotype sprachliche Äußerungen
Veränderungen des Essverhaltens
Auch das Essverhalten kann sich deutlich verändern.
Möglich sind beispielsweise:
vermehrter Appetit
Vorliebe für süße Lebensmittel
einseitige Ernährungsgewohnheiten
übermäßiges Essen
veränderte Tischmanieren
in ausgeprägten Fällen orale Exploration beziehungsweise Aufnahme ungeeigneter Dinge
Verändertes Essverhalten gehört ebenfalls zu den diagnostischen Kernmerkmalen der behavioralen FTD.
Sprachstörungen
Sprachliche Veränderungen können entweder Bestandteil einer behavioralen FTD sein oder als primär progressive Aphasie im Vordergrund stehen.
Möglich sind unter anderem:
Wortfindungsstörungen
Schwierigkeiten beim Sprachverständnis
verlangsamtes Sprechen
grammatikalische Fehler
Verlust von Wortbedeutungen
zunehmende Schwierigkeiten, Gespräche zu führen
Motorische Symptome
Bei einem Teil der Betroffenen können zusätzlich Bewegungsstörungen auftreten.
FTD kann sich unter anderem mit Erkrankungen beziehungsweise Syndromen aus dem Spektrum von
amyotropher Lateralsklerose (ALS),
progressiver supranukleärer Blickparese (PSP) oder
corticobasalem Syndrom (CBS)
überschneiden.
Das National Institute on Aging beschreibt diese möglichen Überschneidungen und die daraus resultierenden Bewegungs-, Sprech- und Schluckstörungen.
Was ist der Unterschied zwischen frontotemporaler Demenz und Alzheimer?
FTD und Alzheimer sind unterschiedliche neurodegenerative Erkrankungen.
Die Unterschiede lassen sich jedoch nicht einfach darauf reduzieren, dass Alzheimer im Hippocampus und FTD im Frontalhirn beginnt. Diese Formulierung auf der bisherigen Seite ist medizinisch zu stark vereinfacht.
Bei der typischen Alzheimer-Krankheit stehen häufig zunächst episodische Gedächtnisstörungen im Vordergrund.
Bei der behavioralen FTD sind frühe Veränderungen von
Persönlichkeit,
Sozialverhalten,
Impulskontrolle,
Empathie und
exekutiven Funktionen
charakteristischer.
Bei den sprachbetonten FTD-Syndromen können dagegen Sprachprobleme zu den ersten und wichtigsten Symptomen gehören.
Auch das Erkrankungsalter unterscheidet sich häufig. FTD beginnt im Durchschnitt früher als die typische sporadische Alzheimer-Krankheit.
Eine eindeutige Abgrenzung allein anhand einzelner Symptome ist jedoch nicht immer möglich. Deshalb sind eine sorgfältige neurologische und neuropsychologische Untersuchung sowie bildgebende und gegebenenfalls biomarkerbasierte Verfahren wichtig.
Welche Ursachen hat eine frontotemporale Demenz?
Die FTD entsteht durch eine fortschreitende Schädigung und Degeneration von Nervenzellen in frontalen und temporalen neuronalen Netzwerken.
Auf neuropathologischer Ebene handelt es sich jedoch nicht um eine einzelne Erkrankung.
Bei verschiedenen Formen der frontotemporalen lobären Degeneration können unterschiedliche krankhaft veränderte Proteine eine Rolle spielen. Dazu gehören insbesondere:
Tau
TDP-43
seltener FUS
Die zugrunde liegende Proteinpathologie kann anhand der klinischen Symptome allein nicht in jedem Fall sicher bestimmt werden.
Ist die frontotemporale Demenz erblich?
Genetische Faktoren spielen bei der FTD eine größere Rolle als bei vielen anderen Demenzformen.
Nach Angaben des National Institute on Aging ist ungefähr ein Drittel der FTD-Fälle erblich bedingt.
Zu den wichtigsten bekannten genetischen Ursachen gehören Veränderungen in den Genen:
C9ORF72
GRN
MAPT
Auch die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen berücksichtigt die besondere genetische Bedeutung dieser und weiterer Gene bei frontotemporalen Demenzen.
C9ORF72 ist insbesondere mit FTD, ALS und kombinierten FTD-ALS-Krankheitsbildern verbunden.
MAPT kodiert das Tau-Protein. Krankheitsverursachende Varianten können zu einer abnormalen Tau-Pathologie führen.
GRN kodiert Progranulin. Pathogene Veränderungen können zu einem Progranulinmangel und frontotemporaler Neurodegeneration führen.
Bei auffälliger Familiengeschichte oder frühem Erkrankungsbeginn kann deshalb eine humangenetische Beratungsinnvoll sein.
Genetische Untersuchungen sollten nicht unkritisch durchgeführt werden. Das National Institute on Aging empfiehlt bei entsprechender Indikation eine genetische Beratung vor und nach einer genetischen Untersuchung, damit Bedeutung, Grenzen und mögliche Konsequenzen des Ergebnisses verstanden werden.
Wie wird eine frontotemporale Demenz diagnostiziert?
Die Diagnose kann anspruchsvoll sein, weil FTD insbesondere zu Beginn mit psychiatrischen Erkrankungen, anderen Demenzformen oder Sprachstörungen verwechselt werden kann.
Eine einzelne Untersuchung oder ein einfacher „Demenztest“ reicht für die Diagnose nicht aus.
Anamnese und Fremdanamnese
Besonders wichtig ist eine genaue Beschreibung der Veränderungen durch Menschen, die die betroffene Person gut kennen.
Bei der behavioralen FTD können Betroffene selbst nur eingeschränkt wahrnehmen, dass sich ihr Verhalten verändert hat.
Angehörige können deshalb wichtige Informationen über
Persönlichkeitsveränderungen
soziale Auffälligkeiten
Enthemmung
Apathie
Veränderungen der Empathie
Essverhalten
berufliche Veränderungen
Sprachprobleme
geben.
Neurologische und neuropsychologische Untersuchung
Neben einer neurologischen Untersuchung werden kognitive Funktionen und Verhalten beurteilt.
Abhängig von der vermuteten FTD-Variante können unter anderem untersucht werden:
exekutive Funktionen
Aufmerksamkeit
Sprache
Sprachverständnis
Gedächtnis
soziale Kognition
Verhalten
visuell-räumliche Fähigkeiten
MRT und CT
Die strukturelle Bildgebung des Gehirns ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.
Bei einer FTD können sich charakteristische Atrophiemuster in frontalen und/oder temporalen Gehirnregionenzeigen.
Bei sprachbetonten Varianten können asymmetrische Veränderungen auftreten.
Die internationalen Kriterien für eine wahrscheinliche bvFTD berücksichtigen ausdrücklich eine frontale beziehungsweise anterior-temporale Atrophie in MRT oder CT (International Consensus Criteria).
FDG-PET und weitere Diagnostik
Wenn die Diagnose trotz klinischer Untersuchung und struktureller Bildgebung unklar bleibt, können in spezialisierten Zentren weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
Die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen berücksichtigt die FDG-PET-Bildgebung bei der Differenzialdiagnostik frontotemporaler Demenzen.
Bei einer bvFTD können beispielsweise frontale beziehungsweise anterior-temporale Veränderungen des Glukosestoffwechsels nachweisbar sein.
Abhängig von der diagnostischen Fragestellung können außerdem Biomarker eingesetzt werden, um beispielsweise eine zugrunde liegende Alzheimer-Pathologie als alternative Ursache zu erkennen oder unwahrscheinlicher zu machen.
Wie wird eine frontotemporale Demenz behandelt?
Für die FTD gibt es derzeit keine etablierte Therapie, die die Erkrankung heilen oder ihren neurodegenerativen Verlauf nachweislich stoppen kann.
Das National Institute on Aging weist ausdrücklich darauf hin, dass bisher keine Behandlung verfügbar ist, die FTD heilen, verhindern oder das Fortschreiten zuverlässig aufhalten kann.
Die Behandlung konzentriert sich deshalb auf:
Linderung belastender Symptome
Unterstützung der Kommunikation
Erhalt von Mobilität und Alltagsfähigkeiten
Anpassung der Umgebung
Förderung von Sicherheit
Unterstützung der Angehörigen
Erhalt von Lebensqualität und Teilhabe
Die bisherige Aussage, psychosoziale Begleitung könne den „Krankheitsverlauf verlangsamen“, sollte deshalb nicht verwendet werden.
Medikamentöse Behandlung
Es gibt derzeit kein spezifisch für FTD zugelassenes Medikament, das die zugrunde liegende Neurodegeneration stoppt.
Bestimmte Medikamente können jedoch zur Behandlung einzelner Symptome eingesetzt werden.
Bei Verhaltenssymptomen können beispielsweise in ausgewählten Fällen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt werden. Sie können bei manchen Menschen unter anderem Enthemmung, zwanghaftes Verhalten oder Veränderungen des Essverhaltens beeinflussen.
Der britische NHS nennt SSRI als mögliche symptomatische Therapie bestimmter Verhaltensveränderungen bei FTD.
Antipsychotische Medikamente kommen aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen nur bei entsprechender medizinischer Indikation und sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung infrage.
Die medikamentöse Behandlung sollte durch neurologisch beziehungsweise psychiatrisch erfahrene Ärztinnen und Ärzte erfolgen.
Ergotherapie und Unterstützung im Alltag
Ergotherapeutische Maßnahmen können helfen, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu nutzen und den Alltag an die veränderten Möglichkeiten anzupassen.
Dabei können beispielsweise
Tagesstruktur
vertraute Routinen
Anpassung der Wohnumgebung
vereinfachte Abläufe
Unterstützung bei Alltagsaktivitäten
eine Rolle spielen.
Logopädie bei Sprach- und Schluckstörungen
Bei sprachbetonten Formen der FTD ist eine logopädische beziehungsweise sprachtherapeutische Begleitungbesonders wichtig.
Sie kann helfen, vorhandene Kommunikationsmöglichkeiten möglichst lange zu nutzen und alternative Kommunikationsstrategien aufzubauen.
Bei auftretenden Schluckstörungen kann außerdem eine spezifische Schluckdiagnostik und -therapie erforderlich sein.
Das National Institute on Aging nennt Sprachtherapie ausdrücklich als wichtigen Bestandteil der Versorgung bei FTD und verwandten Erkrankungen.
Physiotherapie
Bei motorischen Einschränkungen können physiotherapeutische Maßnahmen helfen,
Beweglichkeit zu unterstützen
Mobilität möglichst lange zu erhalten
Gleichgewicht zu fördern
Hilfsmittel sinnvoll einzusetzen
Folgen zunehmender Bewegungseinschränkungen zu reduzieren.
Warum ist die Unterstützung der Angehörigen besonders wichtig?
Eine frontotemporale Demenz kann für Familien besonders belastend sein.
Während Gedächtnisprobleme bei manchen Betroffenen zunächst relativ wenig auffallen, können sich Persönlichkeit, Empathie, Sexualverhalten, Essverhalten oder soziale Umgangsformen deutlich verändern.
Für Angehörige kann dadurch der Eindruck entstehen, der vertraute Mensch habe sich „charakterlich verändert“.
Das Verständnis, dass diese Veränderungen Ausdruck einer neurologischen Erkrankung sein können, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Begleitung.
Hilfreich können beispielsweise sein:
Aufklärung über die Erkrankung
Strategien für schwierige Alltagssituationen
klare und vorhersehbare Tagesstrukturen
Anpassung der Kommunikation
Umgang mit Enthemmung und Impulsivität
Sicherheitsmaßnahmen
Beratung zu rechtlichen und sozialen Fragen
Entlastungsangebote für Angehörige
Gerade bei FTD sollte Unterstützung deshalb nicht ausschließlich auf Gedächtnistraining ausgerichtet sein.
Wie verläuft eine frontotemporale Demenz?
FTD ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung.
Der Verlauf unterscheidet sich jedoch erheblich von Mensch zu Mensch und hängt unter anderem von der klinischen Variante, der zugrunde liegenden Pathologie, genetischen Faktoren und möglichen motorischen Begleiterkrankungen ab.
Mit zunehmendem Krankheitsverlauf können sich Verhaltens-, Sprach- und kognitive Beeinträchtigungen verstärken. Auch Bewegungs- und Schluckstörungen können hinzukommen.
Eine exakte individuelle Prognose lässt sich deshalb allein aufgrund der Diagnose nicht zuverlässig vorhersagen.
Wann sollte eine frontotemporale Demenz abgeklärt werden?
Eine neurologische beziehungsweise fachärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn sich – vor allem im mittleren Lebensalter – anhaltende und zunehmende Veränderungen von Persönlichkeit, Sozialverhalten, Sprache oder Urteilsvermögen entwickeln.
Dazu gehören beispielsweise:
deutliche Persönlichkeitsveränderungen
zunehmende Enthemmung
Verlust von Empathie
ausgeprägte Apathie ohne ausreichende andere Erklärung
stereotype oder zwanghaft wirkende Verhaltensweisen
deutliche Veränderungen des Essverhaltens
fortschreitende Sprachprobleme
zunehmende Schwierigkeiten bei Planung und Entscheidungen
Solche Symptome bedeuten nicht automatisch, dass eine FTD vorliegt. Sie können zahlreiche andere medizinische oder psychiatrische Ursachen haben.
Gerade deshalb ist eine differenzialdiagnostische Abklärung wichtig.
Fazit: Frontotemporale Demenz beginnt häufig mit Verhalten oder Sprache
Die frontotemporale Demenz (FTD) unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der typischen Alzheimer-Demenz.
Während bei Alzheimer häufig Gedächtnisstörungen früh auffallen, können bei FTD zunächst Persönlichkeits-, Verhaltens- oder Sprachveränderungen dominieren.
Die Erkrankung betrifft insbesondere frontale und temporale neuronale Netzwerke und kann bereits im mittleren Erwachsenenalter auftreten.
Da die Symptome teilweise psychiatrischen Erkrankungen ähneln, kann die Diagnose schwierig sein. Eine umfassende neurologische, neuropsychologische und bildgebende Diagnostik ist deshalb besonders wichtig.
Eine heilende oder nachweislich krankheitsstoppende Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung. Durch eine individuell angepasste medizinische, therapeutische, psychosoziale und pflegerische Begleitung können jedoch Symptome behandelt, vorhandene Fähigkeiten unterstützt und Betroffene sowie Angehörige im Alltag entlastet werden.
Wissenschaftliche Quellen und medizinische Leitlinien
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): S3-Leitlinie Demenzen – Living Guideline 2026.
S3-Leitlinie Demenzen – AWMF
National Institute on Aging (NIA): Frontotemporal Disorders – Causes, Symptoms, and Diagnosis.
NIA – Frontotemporal Disorders
National Institute on Aging: How Are Frontotemporal Disorders Treated and Managed?
NIA – Behandlung und Versorgung bei FTD
National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS): Focus on Frontotemporal Dementia.
NINDS – Frontotemporal Dementia
Rascovsky K. et al.: International consensus criteria for behavioural variant FTD.
Wissenschaftliche Übersicht und Diagnosekriterien
Gorno-Tempini M.L. et al.: Classification of primary progressive aphasia and its variants.
Übersicht zu FTD und primär progressiver Aphasie
National Health Service (NHS): Frontotemporal dementia – Treatment.
NHS – Behandlung der FTD
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung.
Bei neu auftretenden oder fortschreitenden Veränderungen von Persönlichkeit, Verhalten, Sprache, Kognition oder Motorik sollte eine ärztliche beziehungsweise neurologische Abklärung erfolgen.
Fachlich geprüft von Andrea Stix, MSc
Akademische Expertin für Demenzstudien
Stand der fachlichen Information: August 2026
Häufige Fragen
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Die frontotemporale Demenz betrifft vor allem Stirn- und Schläfenlappen und äußert sich zunächst oft weniger durch Gedächtnisprobleme als durch Veränderungen von Persönlichkeit, Verhalten oder Sprache. Betroffene können enthemmt oder apathisch wirken, was oft zunächst als psychische Erkrankung fehlgedeutet wird. Diese Form tritt häufiger schon vor dem 65. Lebensjahr auf.
Typisch sind deutliche Veränderungen der Persönlichkeit, etwa Enthemmung, Taktlosigkeit oder umgekehrt starke Antriebslosigkeit und emotionale Kälte. Auch der Verlust von Empathie sowie unpassendes Sozialverhalten fallen häufig zuerst auf. Bei einer sprachbetonten Variante stehen Wortfindungsstörungen im Vordergrund. Das Gedächtnis bleibt oft länger erhalten als bei Alzheimer.
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