Demenz-Lexikon

Lewy-Body-Demenz: Symptome, Ursachen, Diagnose, Verlauf und Behandlung

Lewy-Body-Demenz: ältere Frau, Gehirn-Illustration sowie Infografik zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Lewy-Body-Demenz, medizinisch meist als Demenz mit Lewy-Körpern (DLB) bezeichnet, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns.

Das Wichtigste in Kürze

Woran erkennen? Typisch sind vier Merkmale: schwankende Aufmerksamkeit, wiederkehrende Halluzinationen, Ausagieren von Träumen im Schlaf und Parkinson-Symptome wie Zittern oder Steifigkeit.

Was ist zu beachten? Menschen mit Lewy-Body-Demenz können auf bestimmte Antipsychotika sehr empfindlich reagieren – Medikamente daher nie eigenständig verändern.

Was hilft? Heilbar ist die Erkrankung nicht, aber Medikamente, Bewegung, Physio- und Ergotherapie sowie eine angepasste, sichere Umgebung können Symptome lindern und die Lebensqualität fördern.

Charakteristisch sind krankhafte Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein in Nervenzellen. Diese Ablagerungen werden als Lewy-Körper bezeichnet.

Die Erkrankung kann unterschiedliche Bereiche des Gehirns betreffen und damit Denken, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Bewegung, Schlaf, Verhalten und Funktionen des autonomen Nervensystems beeinträchtigen.

Besonders charakteristisch sind starke Schwankungen von Aufmerksamkeit und Wachheit, wiederkehrende visuelle Halluzinationen, eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung und Parkinson-Symptome. Diese vier Symptome gehören nach der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen zu den klinischen Kernmerkmalen einer Demenz mit Lewy-Körpern.

Was ist eine Lewy-Body-Demenz?

Die Lewy-Body-Demenz gehört zu den neurodegenerativen Demenzerkrankungen. Dabei werden Nervenzellen und neuronale Netzwerke zunehmend in ihrer Funktion beeinträchtigt und geschädigt.

Namensgebend sind die sogenannten Lewy-Körper – krankhafte Einschlüsse innerhalb von Nervenzellen, deren wesentlicher Bestandteil fehlgefaltetes Alpha-Synuclein ist.

Alpha-Synuclein kommt auch im gesunden Gehirn vor und erfüllt insbesondere im Bereich der Synapsen wichtige Funktionen. Bei Lewy-Körper-Erkrankungen verändert sich das Protein jedoch krankhaft und lagert sich in Nervenzellen zusammen.

Das US-amerikanische National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) beschreibt die Lewy-Body-Demenz entsprechend als Erkrankung, die mit abnormen Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Gehirn verbunden ist. Diese Veränderungen beeinflussen unter anderem Botenstoffsysteme des Gehirns und können dadurch Störungen von Denken, Bewegung, Verhalten, Stimmung, Schlaf und autonomen Körperfunktionen verursachen.

Wichtig ist dabei: Die Lewy-Körper sind nicht einfach die direkte Ursache eines einzelnen Symptoms wie beispielsweise der Halluzinationen. Die Erkrankung betrifft komplexe neuronale Netzwerke und unterschiedliche Neurotransmittersysteme.

Lewy-Body-Demenz oder Parkinson-Demenz – was ist der Unterschied?

Der Begriff „Lewy-Body-Demenz“ wird häufig als Oberbegriff für zwei eng verwandte Krankheitsbilder verwendet:

  • Demenz mit Lewy-Körpern (DLB)
  • Demenz bei Parkinson-Krankheit (Parkinson-Demenz, PDD)

Beide Erkrankungen sind mit krankhaften Alpha-Synuclein-Ablagerungen verbunden und können sehr ähnliche kognitive, motorische und psychiatrische Symptome verursachen.

Die klinische Unterscheidung erfolgt vor allem anhand des zeitlichen Verhältnisses zwischen Demenz und Parkinson-Symptomen.

Demenz mit Lewy-Körpern (DLB)

Von einer Demenz mit Lewy-Körpern spricht man, wenn die Demenz vor, gleichzeitig mit oder innerhalb eines Jahres nach dem Auftreten der Parkinson-Symptome beginnt.

Parkinson-Demenz

Von einer Parkinson-Demenz spricht man dagegen, wenn zunächst über längere Zeit eine gesicherte Parkinson-Krankheit besteht und die Demenz erst später im Krankheitsverlauf auftritt.

Diese sogenannte Ein-Jahres-Regel dient vor allem der klinischen Abgrenzung. Biologisch bestehen zwischen beiden Erkrankungen erhebliche Überschneidungen.

Welche Symptome hat eine Lewy-Body-Demenz?

Das Erscheinungsbild kann sich von Mensch zu Mensch deutlich unterscheiden. Nicht alle Symptome müssen vorhanden sein, und ihre Ausprägung kann sich im Verlauf verändern.

Besonders wichtig sind vier klinische Kernmerkmale, die auch in der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen aufgeführt werden.

1. Schwankungen von Aufmerksamkeit und Wachheit

Ein charakteristisches Merkmal der Lewy-Body-Demenz sind ausgeprägte kognitive Fluktuationen.

Betroffene können zu bestimmten Zeiten relativ aufmerksam, orientiert und gesprächig wirken, während sie Stunden später beispielsweise

  • deutlich verwirrter sind,
  • schläfrig oder abwesend wirken,
  • längere Zeit ins Leere schauen,
  • einem Gespräch kaum folgen können,
  • deutlich langsamer reagieren oder
  • erheblich unkonzentrierter erscheinen.

Diese Veränderungen können innerhalb eines Tages oder von Tag zu Tag auftreten.

Die S3-Leitlinie Demenzen beschreibt eine schwankende Kognition mit ausgeprägten Schwankungen von Aufmerksamkeit und Wachheit als eines der vier klinischen Kernmerkmale.

2. Wiederkehrende visuelle Halluzinationen

Ein weiteres charakteristisches Symptom sind wiederkehrende visuelle Halluzinationen. Betroffene sehen beispielsweise Menschen, Kinder, Tiere oder Gegenstände, die tatsächlich nicht vorhanden sind.

Diese Wahrnehmungen können sehr detailliert und realistisch erscheinen.

Visuelle Halluzinationen können bereits relativ früh im Krankheitsverlauf auftreten. Auch akustische oder andere Halluzinationen sind möglich, visuelle Halluzinationen sind für die DLB jedoch besonders typisch. Das NINDS beschreibt sie ebenfalls als häufiges und oft frühes Symptom.

3. REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (englisch: REM Sleep Behavior Disorder, RBD) ist ein besonders wichtiges Merkmal der Lewy-Body-Demenz.

Während des normalen REM-Schlafs ist die Skelettmuskulatur weitgehend gehemmt. Dadurch werden Bewegungen, die wir im Traum erleben, normalerweise nicht körperlich ausgeführt.

Bei einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung fehlt diese normale Muskelerschlaffung (Atonie) ganz oder teilweise. Betroffene können ihre Träume dadurch körperlich „ausagieren“.

Möglich sind beispielsweise:

  • Sprechen oder Schreien im Schlaf
  • Schlagen oder Treten
  • heftige Arm- oder Beinbewegungen
  • Bewegungen entsprechend dem Trauminhalt
  • Stürze aus dem Bett

Dabei können sowohl Betroffene als auch ihre Bettpartnerinnen und Bettpartner verletzt werden.

Besonders bedeutsam ist, dass eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung den kognitiven Symptomen einer Lewy-Body-Demenz um Jahre vorausgehen kann. Die S3-Leitlinie Demenzen führt sie als klinisches Kernmerkmal der DLB auf.

4. Parkinson-Symptome

Viele Menschen mit Lewy-Body-Demenz entwickeln einen Parkinsonismus. Mögliche Symptome sind:

  • verlangsamte Bewegungen (Bradykinese)
  • Muskelsteifigkeit (Rigor)
  • Zittern in Ruhe (Ruhetremor)
  • kleinschrittiger Gang
  • verminderte Mimik
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen und Gehen
  • erhöhte Sturzgefahr

Nicht alle Betroffenen zeigen sämtliche Parkinson-Symptome. Für das Kernmerkmal Parkinsonismus ist mindestens eines der Hauptsymptome Bradykinese, Ruhetremor oder Rigor entscheidend.

Welche Gedächtnis- und Denkstörungen treten auf?

Ein wichtiger Unterschied zur typischen Alzheimer-Demenz besteht darin, dass bei der DLB im frühen Stadium eine ausgeprägte Gedächtnisstörung nicht zwingend im Vordergrund stehen muss.

Früh können insbesondere Schwierigkeiten auftreten bei:

  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Planung und Problemlösung
  • exekutive Funktionen
  • räumliche Orientierung
  • visuelle Wahrnehmung

Gedächtnisstörungen werden im weiteren Verlauf häufig deutlicher.

Die S3-Leitlinie Demenzen weist ausdrücklich darauf hin, dass ausgeprägte oder anhaltende Gedächtnisstörungen in frühen Stadien nicht unbedingt vorhanden sein müssen. Defizite von Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen und visuell-perzeptiven Fähigkeiten können dagegen früh auftreten und besonders ausgeprägt sein.

Die häufig verwendete Aussage „Bei Lewy-Body-Demenz bleibt das Gedächtnis länger erhalten“ ist deshalb zu pauschal. Genauer ist: Bei der Lewy-Body-Demenz können Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und visuell-räumliche Fähigkeiten bereits früh deutlich beeinträchtigt sein, während ausgeprägte Gedächtnisstörungen anfangs weniger im Vordergrund stehen können als bei einer typischen Alzheimer-Demenz.

Welche weiteren Symptome können auftreten?

Neben kognitiven Veränderungen, Halluzinationen und Parkinsonismus kann die Lewy-Body-Demenz zahlreiche weitere Symptome verursachen, zum Beispiel:

  • Depression
  • Angst
  • Antriebslosigkeit (Apathie)
  • ausgeprägte Tagesschläfrigkeit
  • Schlafstörungen
  • wiederholte Stürze
  • kurze, unerklärliche Bewusstseinsverluste
  • Störungen des Geruchssinns
  • Schluckstörungen
  • Verstopfung
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Kreislaufprobleme beim Aufstehen

Ein Teil dieser Beschwerden entsteht durch eine Beteiligung des autonomen Nervensystems.

Autonome Funktionsstörungen

Das autonome Nervensystem regelt zahlreiche Körperfunktionen weitgehend unbewusst – beispielsweise Blutdruck, Herzfrequenz, Verdauung und Blasenfunktion. Bei Lewy-Körper-Erkrankungen kann dieses System beeinträchtigt sein.

Eine typische Folge ist die orthostatische Hypotonie: Der Blutdruck fällt beim Aufstehen deutlich ab. Mögliche Folgen sind:

  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Schwächegefühl
  • Gangunsicherheit
  • kurze Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
  • Stürze

Auch Verstopfung und Blasenfunktionsstörungen können auftreten. Das NINDS nennt orthostatische Hypotonie, Verstopfung und weitere autonome Störungen als mögliche Symptome der Lewy-Body-Demenz.

Wie entsteht die Lewy-Body-Demenz?

Die genauen Ursachen der Lewy-Body-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Im Mittelpunkt steht eine krankhafte Veränderung des Proteins Alpha-Synuclein.

Im gesunden Gehirn kommt Alpha-Synuclein vor allem in Nervenzellen und dort insbesondere im Bereich der Synapsen vor. Bei Lewy-Körper-Erkrankungen faltet sich Alpha-Synuclein fehlerhaft und bildet Aggregate. Diese Veränderungen stehen mit Störungen verschiedener neuronaler Systeme und einer zunehmenden Schädigung von Nervenzellen in Zusammenhang.

Welche Rolle spielen Lewy-Körper?

Lewy-Körper sind charakteristische Einschlüsse im Inneren von Nervenzellen, die vor allem aus Alpha-Synuclein bestehen.

Die Erkrankung lässt sich jedoch nicht allein auf diese sichtbaren Ablagerungen reduzieren. Auch kleinere Alpha-Synuclein-Aggregate, Veränderungen an den Synapsen, Störungen der Botenstoffsysteme und weitere neurodegenerative Prozesse spielen wahrscheinlich eine Rolle.

Kann gleichzeitig eine Alzheimer-Pathologie vorliegen?

Ja. Neurodegenerative Erkrankungen treten nicht immer isoliert auf. Bei vielen Menschen mit Lewy-Body-Demenz finden sich zusätzlich krankhafte Veränderungen, wie sie für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch sind.

Solche Mischpathologien können Symptome und Krankheitsverlauf beeinflussen und die diagnostische Abgrenzung erschweren.

Welche Ursachen und Risikofaktoren sind bekannt?

Warum manche Menschen eine Lewy-Body-Demenz entwickeln und andere nicht, ist noch nicht vollständig verstanden.

Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Lebensalter. Laut NINDS beginnt die Erkrankung typischerweise ab einem Alter von etwa 50 Jahren, sie kann jedoch auch früher auftreten.

Genetische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen. In den meisten Fällen gilt die Lewy-Body-Demenz jedoch nicht als klassische Erbkrankheit: Eine familiäre Häufung kann das Risiko erhöhen, die meisten Fälle haben aber keine einfache erbliche Ursache.

Wie wird eine Lewy-Body-Demenz diagnostiziert?

Die Diagnose kann anspruchsvoll sein, weil sich die Symptome mit anderen Erkrankungen überschneiden können, insbesondere mit:

  • Alzheimer-Demenz
  • Parkinson-Krankheit und Parkinson-Demenz
  • anderen neurodegenerativen Erkrankungen
  • psychiatrischen Erkrankungen
  • einem Delir (akuter Verwirrtheitszustand)

Es gibt keinen einzelnen einfachen Test, mit dem sich eine Lewy-Body-Demenz sicher feststellen lässt. Die Diagnose ergibt sich aus dem Gesamtbild verschiedener klinischer und gegebenenfalls apparativer Untersuchungen.

Anamnese und Fremdanamnese

Besonders wichtig sind Informationen über:

  • Beginn und Verlauf der Beschwerden
  • Veränderungen von Aufmerksamkeit und Wachheit
  • visuelle Halluzinationen
  • Parkinson-Symptome
  • Schlafverhalten und auffällige Bewegungen während des Schlafs
  • Stürze und Bewusstseinsverluste
  • Kreislaufprobleme
  • eingenommene Medikamente

Die Beobachtungen von Angehörigen oder anderen engen Bezugspersonen sind dabei oft besonders wertvoll.

Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung wird unter anderem auf Parkinson-Symptome wie Bradykinese, Rigor und Tremor sowie auf Gang- und Gleichgewichtsstörungen geachtet.

Kognitive und neuropsychologische Untersuchung

Neben dem Gedächtnis sollten insbesondere Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, visuell-räumliche Fähigkeiten, Wahrnehmungsleistungen und Sprache untersucht werden. Gerade Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und visuell-perzeptive Leistungen können bei der DLB bereits früh deutlich beeinträchtigt sein.

MRT oder CT

Eine Bildgebung des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder gegebenenfalls Computertomographie (CT) ist Bestandteil der Abklärung. Sie hilft, andere Ursachen kognitiver Veränderungen zu erkennen und strukturelle Veränderungen des Gehirns zu beurteilen.

Dopamintransporter-SPECT (DAT-SPECT)

Wenn die klinische Diagnose unsicher ist, kann eine Dopamintransporter-SPECT zur weiteren Abklärung eingesetzt werden. Dabei wird die Funktion dopaminerger Nervenendigungen im Striatum untersucht. Eine verminderte Aufnahme des Dopamintransporters im Striatum kann die Diagnose einer DLB stützen.

Schlaflabor und Polysomnographie

Bei Verdacht auf eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll sein. Mittels Polysomnographie lässt sich unter anderem feststellen, ob die normalerweise vorhandene Muskelerschlaffung während des REM-Schlafs fehlt.

Wie wird eine Lewy-Body-Demenz behandelt?

Derzeit gibt es keine Therapie, die eine Lewy-Body-Demenz heilen oder rückgängig machen kann. Auch eine Behandlung, die das Fortschreiten der Erkrankung nachweislich aufhält, steht derzeit nicht zur Verfügung.

Die Behandlung zielt deshalb darauf ab,

  1. kognitive Symptome zu lindern,
  2. Halluzinationen und Verhaltenssymptome angemessen zu behandeln,
  3. die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten,
  4. Schlafstörungen zu behandeln,
  5. autonome Beschwerden zu verringern,
  6. Stürze zu vermeiden,
  7. Alltagsfähigkeiten zu unterstützen und
  8. die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu fördern.

Das NINDS empfiehlt entsprechend einen umfassenden Behandlungsansatz aus Medikamenten, therapeutischen Maßnahmen, Anpassung der Wohnumgebung und psychosozialer Unterstützung.

Cholinesterase-Hemmer

Bei kognitiven und teilweise auch neuropsychiatrischen Symptomen können Cholinesterase-Hemmer eingesetzt werden. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören beispielsweise Donepezil, Rivastigmin und Galantamin.

Diese Medikamente wirken auf das cholinerge Botenstoffsystem und können bei geeigneten Patientinnen und Patienten kognitive und bestimmte neuropsychiatrische Symptome verbessern. Welche Therapie geeignet ist, muss individuell ärztlich entschieden werden.

Behandlung der Parkinson-Symptome

Bei ausgeprägten motorischen Beschwerden kann Levodopa erwogen werden.

Die Behandlung erfordert jedoch besondere Sorgfalt, weil dopaminerge Medikamente bei manchen Menschen mit Lewy-Body-Demenz Halluzinationen, Verwirrtheit oder andere psychiatrische Symptome verstärken können. Das NINDS empfiehlt deshalb eine vorsichtige Dosierung und eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Besondere Vorsicht bei Antipsychotika

Dieser Punkt ist bei der Lewy-Body-Demenz medizinisch besonders wichtig.

Menschen mit Lewy-Body-Demenz können auf bestimmte Antipsychotika (Neuroleptika) ausgeprägt überempfindlich reagieren. Mögliche Reaktionen sind:

  • deutliche Verschlechterung des Parkinsonismus
  • starke Sedierung
  • zunehmende Verwirrtheit
  • Blutdruckabfall
  • Bewusstseinsstörungen
  • ausgeprägte Bewegungsstörungen

In seltenen Fällen kann ein malignes neuroleptisches Syndrom auftreten – eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation.

Das NINDS rät deshalb zu großer Vorsicht beim Einsatz von Antipsychotika bei Lewy-Body-Demenz. Insbesondere klassische (typische) Antipsychotika wie Haloperidol sollten bei Menschen mit Lewy-Body-Demenz in der Regel vermieden werden.

Antipsychotische Medikamente sollten bei Lewy-Body-Demenz deshalb nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt und niemals eigenständig begonnen, abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden.

Wie werden Halluzinationen behandelt?

Nicht jede Halluzination muss medikamentös behandelt werden.

Wenn Betroffene beispielsweise Menschen oder Tiere sehen, dadurch aber weder Angst haben noch gefährdet sind, kann es sinnvoll sein, zunächst auf Medikamente zu verzichten.

Bei belastenden Halluzinationen sollte zunächst geprüft werden, ob möglicherweise

  • Schmerzen,
  • Infektionen,
  • Schlafmangel,
  • Medikamente,
  • Reizüberflutung oder
  • andere körperliche oder umgebungsbedingte Faktoren

eine Rolle spielen. Auch das NINDS empfiehlt, bei Verhaltensveränderungen zuerst mögliche körperliche, medikamentöse und umgebungsbedingte Ursachen zu überprüfen.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Nichtmedikamentöse Maßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil der Versorgung.

Physiotherapie und Bewegung

Individuell angepasste Bewegung und Physiotherapie können dazu beitragen,

  • die Mobilität zu erhalten,
  • die Muskelkraft zu unterstützen,
  • die Beweglichkeit zu fördern,
  • Gang und Gleichgewicht zu trainieren und
  • das Sturzrisiko zu verringern.

Ergotherapie

Ergotherapeutische Maßnahmen können helfen, vorhandene Alltagsfähigkeiten möglichst lange zu nutzen, zum Beispiel durch:

  • Anpassung von Alltagsabläufen
  • Einüben geeigneter Strategien
  • Anpassung der Wohnumgebung
  • Auswahl geeigneter Hilfsmittel
  • Unterstützung bei alltäglichen Tätigkeiten

Logopädie

Bei Sprach-, Stimm- oder Schluckproblemen kann eine logopädische Behandlung sinnvoll sein.

Das NINDS nennt Physio-, Ergo- und Sprachtherapie ausdrücklich als mögliche Bestandteile eines umfassenden Behandlungskonzepts.

Wie kann der Alltag sicherer gestaltet werden?

Durch Parkinsonismus, Probleme der visuellen Wahrnehmung, Blutdruckschwankungen und kognitive Fluktuationen kann das Sturzrisiko erhöht sein. Hilfreich können beispielsweise sein:

  • ausreichende und gleichmäßige Beleuchtung
  • Beseitigung von Stolperfallen
  • gut erkennbare Kontraste
  • Haltegriffe
  • geeignete Gehhilfen
  • langsames Aufstehen und Lagewechsel bei Kreislaufproblemen
  • strukturierte Tagesabläufe
  • regelmäßige Überprüfung der Medikamente

Auch ausreichender Schlaf und eine möglichst ruhige, übersichtliche Umgebung können hilfreich sein. Die Maßnahmen sollten immer an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse angepasst werden.

Welche Rolle spielen Angehörige?

Angehörige spielen bei der Lewy-Body-Demenz eine besonders wichtige Rolle.

Kognitive Fluktuationen, Halluzinationen, Schlafprobleme und Parkinson-Symptome sind für das soziale Umfeld oft schwer einzuordnen.

Hilfreich ist es zu wissen, dass ein Mensch beispielsweise am Vormittag relativ orientiert wirken und wenige Stunden später deutlich verwirrter sein kann. Diese Schwankungen sind ein typisches Merkmal der Erkrankung und kein Zeichen mangelnder Motivation.

Bei Halluzinationen ist es meist nicht hilfreich, mit Betroffenen darüber zu streiten, ob eine Wahrnehmung „real“ ist. Sinnvoller ist es oft, auf die damit verbundenen Gefühle einzugehen, Sicherheit zu vermitteln und die Aufmerksamkeit gegebenenfalls behutsam auf etwas anderes zu lenken. Auch das NINDS empfiehlt einen solchen personenzentrierten Umgang.

Wie verläuft eine Lewy-Body-Demenz?

Die Lewy-Body-Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung. Geschwindigkeit und Verlauf unterscheiden sich jedoch erheblich von Mensch zu Mensch.

Im weiteren Krankheitsverlauf können insbesondere kognitive Einschränkungen, Parkinson-Symptome, Halluzinationen, Schlafstörungen, autonome Funktionsstörungen, Gangunsicherheit, Schluckstörungen und der Unterstützungsbedarf im Alltag zunehmen.

Eine genaue individuelle Prognose lässt sich allein aufgrund der Diagnose nicht zuverlässig stellen.

Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Lewy-Body-Demenz?

Bei Angaben zur Lebenserwartung ist Vorsicht geboten.

Studien und Informationsquellen unterscheiden sich darin, ob die Krankheitsdauer ab Symptombeginn oder ab Diagnosestellung berechnet wird. Außerdem beeinflussen Alter, Begleiterkrankungen, allgemeiner Gesundheitszustand und Komplikationen die Prognose.

Das NINDS nennt eine durchschnittliche Überlebenszeit von etwa fünf bis sieben Jahren ab Diagnosestellung, weist aber zugleich auf eine sehr große Spannweite von etwa zwei bis 20 Jahren hin.

Diese statistischen Angaben dürfen deshalb nicht als individuelle Lebenserwartung verstanden werden. Für den einzelnen Menschen können unter anderem Alter, körperlicher Allgemeinzustand, Stürze, Schluckstörungen, Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Begleiterkrankungen die Prognose beeinflussen.

Wann sollte eine Lewy-Body-Demenz ärztlich abgeklärt werden?

Eine neurologische oder fachärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn mehrere der folgenden Veränderungen gemeinsam auftreten:

  • zunehmende kognitive Beeinträchtigungen
  • starke Schwankungen von Aufmerksamkeit und Wachheit
  • wiederkehrende, detaillierte visuelle Halluzinationen
  • Parkinson-Symptome
  • auffälliges Ausagieren von Träumen
  • wiederholte Stürze
  • Bewusstseinsverluste
  • ausgeprägte Blutdruckschwankungen

Gerade die Kombination aus kognitiven Fluktuationen, visuellen Halluzinationen, REM-Schlaf-Verhaltensstörung und Parkinsonismus ist diagnostisch besonders aussagekräftig.

Wichtig: Plötzlich auftretende oder innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen deutlich zunehmende Verwirrtheit ist nicht automatisch Ausdruck einer Verschlechterung der Demenz. Dahinter können beispielsweise ein Delir, eine Infektion, Flüssigkeitsmangel, Nebenwirkungen von Medikamenten oder andere akute Erkrankungen stecken. Eine solche Veränderung sollte rasch ärztlich abgeklärt werden.

Fazit: Lewy-Body-Demenz erkennen und individuell behandeln

Die Lewy-Body-Demenz ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, bei der krankhafte Veränderungen des Proteins Alpha-Synuclein eine zentrale Rolle spielen.

Vier Symptome sind für die Erkrankung besonders charakteristisch:

  • Schwankungen von Aufmerksamkeit und Wachheit
  • wiederkehrende visuelle Halluzinationen
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Parkinson-Symptome

Gedächtnisstörungen müssen im frühen Krankheitsstadium nicht im Vordergrund stehen. Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und visuell-räumliche Fähigkeiten können dagegen bereits früh deutlich beeinträchtigt sein.

Eine sorgfältige Diagnose ist besonders wichtig, weil sich die Behandlung in wesentlichen Punkten von anderen Demenzformen unterscheidet. Von besonderer Bedeutung ist die mögliche Überempfindlichkeit gegenüber Antipsychotika.

Eine heilende Therapie gibt es derzeit nicht. Durch eine individuell abgestimmte Kombination aus medizinischer Behandlung, Bewegung, Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Anpassung der Umgebung sowie psychosozialer Unterstützung können jedoch Symptome gelindert, Fähigkeiten unterstützt, Risiken verringert und die Lebensqualität gefördert werden.

Wissenschaftliche Quellen und medizinische Leitlinien

  1. DGPPN & DGN – S3-Leitlinie Demenzen (Living Guideline), Version 6.1 vom 27.04.2026, AWMF-Registernummer 038-013. Die aktuelle deutsche Leitlinie enthält die diagnostischen Kriterien der Demenz mit Lewy-Körpern sowie Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013
  2. National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) – Lewy Body Dementia. Umfassende medizinische Informationen zu Alpha-Synuclein, Symptomen, Diagnostik, Behandlung, Antipsychotika-Überempfindlichkeit und Krankheitsverlauf.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung.

Bei neu auftretenden oder zunehmenden kognitiven Veränderungen, visuellen Halluzinationen, Parkinson-Symptomen, auffälligem Verhalten im Schlaf, wiederholten Stürzen oder Bewusstseinsverlusten sollte eine ärztliche bzw. neurologische Abklärung erfolgen.

Bei bereits diagnostizierter Lewy-Body-Demenz sollten insbesondere Antipsychotika und andere Medikamente nicht eigenständig begonnen, abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden.

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