Demenz-Lexikon
Parkinson-Demenz: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
parkinson-demenz

Die Parkinson-Demenz (Parkinson-Krankheit mit Demenz, engl. Parkinson’s Disease Dementia – PDD) ist eine mögliche Folge der Parkinson-Krankheit. Neben den bekannten motorischen Beschwerden wie Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit oder Zittern können im Verlauf auch kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt werden.

Nicht jeder Mensch mit Parkinson entwickelt eine Demenz. Das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen nimmt jedoch insbesondere mit höherem Lebensalter und längerer Krankheitsdauer zu. Langzeituntersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Menschen mit Parkinson im Verlauf der Erkrankung eine Demenz entwickelt.

Typisch sind dabei nicht ausschließlich Gedächtnisprobleme. Häufig stehen zunächst Veränderungen von Aufmerksamkeit, Denkgeschwindigkeit, Planung und Problemlösung sowie visuell-räumlichen Fähigkeiten im Vordergrund.

Wissenschaftlicher Überblick: Cognitive decline in Parkinson disease

Was ist eine Parkinson-Demenz?

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die nicht nur die Bewegungssteuerung betrifft. Neben motorischen Symptomen können zahlreiche sogenannte nichtmotorische Symptome auftreten.

Dazu gehören beispielsweise Schlafstörungen, depressive Symptome, autonome Beschwerden, Halluzinationen und kognitive Veränderungen.

Bei manchen Menschen bleiben kognitive Einschränkungen zunächst relativ gering. Man spricht dann unter bestimmten Voraussetzungen von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung bei Parkinson (PD-MCI).

Von einer Parkinson-Demenz wird gesprochen, wenn die kognitiven Einschränkungen so ausgeprägt sind, dass sie die selbstständige Bewältigung des Alltags relevant beeinträchtigen.

Ein wissenschaftlicher Überblick beschreibt insbesondere Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen, Aufmerksamkeit und visuell-räumlichen Fähigkeiten als charakteristisch. Im weiteren Verlauf können auch Gedächtnis und andere kognitive Bereiche betroffen sein.

Approach to Cognitive Impairment in Parkinson’s Disease – wissenschaftlicher Überblick

Welche Symptome treten bei einer Parkinson-Demenz auf?

Die Beschwerden können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und sich im Verlauf verändern.

Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen

Betroffene können Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten oder mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten.

Teilweise können die kognitiven Leistungen im Tagesverlauf deutlich schwanken.

Verlangsamtes Denken

Nicht nur Bewegungen, sondern auch Denkprozesse können verlangsamt sein. Betroffene benötigen beispielsweise länger, um Fragen zu beantworten, Situationen einzuschätzen oder Entscheidungen zu treffen.

Probleme mit Planung und Problemlösung

Die sogenannten exekutiven Funktionen können früh beeinträchtigt sein.

Dadurch können komplexere alltägliche Tätigkeiten schwieriger werden – beispielsweise:

  • mehrere Handlungsschritte zu planen,

  • Aufgaben zu organisieren,

  • Entscheidungen zu treffen,

  • flexibel auf Veränderungen zu reagieren oder

  • komplexe Situationen zu überblicken.

Visuell-räumliche Schwierigkeiten

Auch die Verarbeitung räumlicher und visueller Informationen kann beeinträchtigt sein.

Betroffene können beispielsweise Schwierigkeiten haben, Entfernungen oder räumliche Zusammenhänge richtig einzuschätzen oder sich in einer Umgebung zurechtzufinden.

Gedächtnisstörungen

Gedächtnisprobleme können ebenfalls auftreten. Das Muster unterscheidet sich jedoch teilweise von dem der Alzheimer-Krankheit.

Bei der Parkinson-Demenz stehen insbesondere in früheren Stadien häufig Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktionen und visuell-räumliche Fähigkeiten im Vordergrund.

Cognitive decline in Parkinson disease – Nature Reviews Neurology / PMC

Halluzinationen und psychische Veränderungen

Vor allem visuelle Halluzinationen können bei Parkinson auftreten und im Zusammenhang mit einer kognitiven Verschlechterung besondere Bedeutung haben.

Auch Apathie, Depressionen, Angst, Schlafstörungen oder psychotische Symptome können auftreten.

Halluzinationen sollten ärztlich abgeklärt werden, da neben der Erkrankung selbst auch Medikamente und andere medizinische Ursachen eine Rolle spielen können.

Wie entsteht eine Parkinson-Demenz?

Die Entstehung ist komplex und lässt sich nicht auf einen einzelnen Mechanismus reduzieren.

Bei der Parkinson-Krankheit spielen krankhafte Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein eine wichtige Rolle. Diese können sich in Nervenzellen in Form sogenannter Lewy-Körperchen finden.

Mit zunehmender Ausbreitung neurodegenerativer Veränderungen können neben den für die Bewegungssteuerung wichtigen Hirnregionen auch Netzwerke betroffen sein, die für Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und andere kognitive Funktionen verantwortlich sind.

Neben dopaminergen Veränderungen spielen unter anderem auch Veränderungen des cholinergen Nervensystems eine wichtige Rolle.

Darüber hinaus können bei manchen Menschen gleichzeitig weitere neuropathologische Veränderungen – beispielsweise Veränderungen, wie sie bei der Alzheimer-Krankheit auftreten – zum kognitiven Abbau beitragen.

Clinical Epidemiology, Evaluation, and Management of Dementia in Parkinson Disease

Parkinson-Demenz oder Lewy-Körper-Demenz – was ist der Unterschied?

Die Parkinson-Demenz und die Demenz mit Lewy-Körpern (Lewy-Body-Demenz) sind eng miteinander verwandt. Beide Erkrankungen gehören zum Spektrum der sogenannten Lewy-Körper-Erkrankungen und weisen erhebliche klinische und neuropathologische Überschneidungen auf.

Für die klinische Abgrenzung wird traditionell die sogenannte Ein-Jahres-Regel verwendet.

Parkinson-Demenz

Von einer Parkinson-Demenz spricht man in der Regel, wenn eine bereits bestehende Parkinson-Krankheit vorhanden ist und sich die Demenz erst im Verlauf – typischerweise mehr als ein Jahr nach Beginn der motorischen Parkinson-Symptome – entwickelt.

Demenz mit Lewy-Körpern

Treten die kognitiven Symptome vor, gleichzeitig mit oder innerhalb eines Jahres nach Beginn der Parkinson-Symptomatik auf, wird klinisch eher von einer Demenz mit Lewy-Körpern (DLB) gesprochen.

Diese Ein-Jahres-Regel ist eine klinische Konvention und keine biologische Grenze. Der internationale DLB-Konsensus unterstützt ihre Verwendung weiterhin, weist aber darauf hin, dass die zeitliche Grenze auf Expertenkonsens beruht.

DLB Consortium – Fourth consensus report on diagnosis and management of dementia with Lewy bodies

Wie wird eine Parkinson-Demenz diagnostiziert?

Die Diagnose sollte ärztlich – häufig neurologisch und gegebenenfalls neuropsychologisch – erfolgen.

Eine einzelne Untersuchung oder ein einzelner Demenztest reicht zur sicheren Diagnose normalerweise nicht aus.

Ärztliche Anamnese

Wichtig ist insbesondere die Frage, wann die kognitiven Veränderungen im Verhältnis zur Parkinson-Erkrankung aufgetreten sind und wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.

Informationen von Angehörigen können dabei besonders hilfreich sein.

Kognitive Untersuchung

Kognitive Screeningverfahren können erste Hinweise auf Beeinträchtigungen liefern.

Bei Bedarf kann eine ausführlichere neuropsychologische Untersuchung erfolgen, bei der unter anderem Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, exekutive Funktionen und visuell-räumliche Fähigkeiten untersucht werden.

Medikamentenüberprüfung

Auch die aktuelle Medikation sollte überprüft werden.

Bestimmte Medikamente können Aufmerksamkeit, Orientierung oder andere kognitive Funktionen beeinträchtigen. Die Demenz-Leitlinie von NICE weist insbesondere darauf hin, dass Medikamente mit hoher anticholinerger Belastungkognitive Beeinträchtigungen begünstigen können.

NICE – Dementia: assessment, management and support

Andere Ursachen ausschließen

Kognitive Veränderungen bei Parkinson bedeuten nicht automatisch, dass bereits eine Parkinson-Demenz vorliegt.

Ärztlich sollten auch andere mögliche oder zusätzlich bestehende Ursachen berücksichtigt werden, beispielsweise:

  • Delir,

  • Infektionen,

  • Depression,

  • Schlafstörungen,

  • Stoffwechselstörungen,

  • Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen von Medikamenten,

  • Seh- oder Hörbeeinträchtigungen sowie

  • andere neurologische Erkrankungen.

Wie wird eine Parkinson-Demenz behandelt?

Eine ursächliche Heilung der Parkinson-Demenz ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung verfolgt deshalb insbesondere das Ziel, Symptome zu lindern, vorhandene Fähigkeiten möglichst zu erhalten und Selbstständigkeit sowie Lebensqualität zu unterstützen.

Dabei sollte die Therapie individuell und möglichst multidisziplinär erfolgen.

Medikamentöse Behandlung

Cholinesterasehemmer können zur Behandlung kognitiver Symptome eingesetzt werden.

Die britische evidenzbasierte NICE-Leitlinie empfiehlt einen Cholinesterasehemmer bei leichter bis mittelschwerer Parkinson-Demenz und sieht ihn auch bei schwerer Parkinson-Demenz als mögliche Behandlungsoption.

Memantin kann insbesondere erwogen werden, wenn Cholinesterasehemmer nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind.

NICE – Parkinson’s disease in adults: Parkinson’s disease dementia

Die Entscheidung über eine medikamentöse Therapie gehört immer in ärztliche beziehungsweise fachärztliche Hand.

Behandlung von Halluzinationen und psychotischen Symptomen

Halluzinationen und andere psychotische Symptome erfordern eine besonders sorgfältige medizinische Beurteilung.

Zunächst sollten mögliche Auslöser und die bestehende Parkinson-Medikation überprüft werden.

Nicht alle Antipsychotika sind bei Parkinson gleichermaßen geeignet. Einige können die motorischen Parkinson-Symptome erheblich verschlechtern. Die Auswahl und Dosierung entsprechender Medikamente sollte deshalb fachärztlich erfolgen.

NICE – Behandlung von Halluzinationen und Psychosen bei Parkinson

Nichtmedikamentöse Unterstützung

Neben Medikamenten ist eine umfassende nichtmedikamentöse Begleitung wichtig.

Je nach individuellen Bedürfnissen können beispielsweise Bewegung, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, kognitive Aktivierung, Anpassungen des Wohnumfeldes und Unterstützung bei der Tagesstruktur sinnvoll sein.

Auch die Beratung und Entlastung von Angehörigen ist ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Versorgung.

Was können Angehörige tun?

Parkinson-Demenz kann für Betroffene und Angehörige mit erheblichen Veränderungen im Alltag verbunden sein.

Hilfreich können beispielsweise eine klare Tagesstruktur, ausreichend Zeit für Antworten und Handlungen, einfache Kommunikation sowie eine möglichst ruhige und übersichtliche Umgebung sein.

Bei visuellen Halluzinationen ist es häufig wenig hilfreich, mit der betroffenen Person darüber zu streiten, ob das Wahrgenommene „wirklich“ vorhanden ist. Wichtiger sind Sicherheit, Beruhigung und eine ärztliche Abklärung neu auftretender oder deutlich zunehmender Halluzinationen.

Mit fortschreitender Erkrankung können zudem Themen wie Medikamenteneinnahme, Sturzprävention, Ernährung, Mobilität, Pflege, Vorsorgevollmacht und Unterstützungsmöglichkeiten wichtiger werden.

Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?

Neue oder zunehmende Veränderungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Orientierung, Wahrnehmung oder Verhalten sollten bei Menschen mit Parkinson ärztlich abgeklärt werden.

Plötzlich auftretende Verwirrtheit ist dagegen nicht typisch für den schleichenden Verlauf einer Demenz. Eine akute Veränderung innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen kann beispielsweise auf ein Delir oder eine andere akute Erkrankung hinweisen und sollte zeitnah medizinisch abgeklärt werden.

Auch neu auftretende oder stark zunehmende Halluzinationen, häufige Stürze oder deutliche Veränderungen des Bewusstseins sollten medizinisch beurteilt werden.

Parkinson-Demenz – das Wichtigste zusammengefasst

Die Parkinson-Demenz ist eine mögliche Folge einer länger bestehenden Parkinson-Krankheit.

Charakteristisch sind häufig Beeinträchtigungen von Aufmerksamkeit, Denkgeschwindigkeit, exekutiven Funktionen und visuell-räumlichen Fähigkeiten. Gedächtnisstörungen und visuelle Halluzinationen können ebenfalls auftreten.

Parkinson-Demenz und Lewy-Körper-Demenz sind eng miteinander verwandt. Für ihre klinische Unterscheidung wird insbesondere der zeitliche Abstand zwischen dem Beginn der Parkinson-Symptomatik und dem Auftreten der Demenz berücksichtigt.

Eine frühzeitige ärztliche Diagnostik ist wichtig, da behandelbare Einflussfaktoren erkannt und medikamentöse sowie nichtmedikamentöse Maßnahmen individuell angepasst werden können.

Wissenschaftliche Quellen

Goldman JG et al.: Cognitive decline in Parkinson disease – Nature Reviews Neurology

Aarsland D et al.: Approach to Cognitive Impairment in Parkinson’s Disease

Clinical Epidemiology, Evaluation, and Management of Dementia in Parkinson Disease

McKeith IG et al.: Diagnosis and management of dementia with Lewy bodies – Fourth consensus report of the DLB Consortium

NICE: Parkinson’s disease in adults – Recommendations

NICE: Dementia – assessment, management and support for people living with dementia and their carers

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung.

Bei neu auftretenden oder zunehmenden kognitiven Veränderungen, Halluzinationen oder anderen neurologischen beziehungsweise psychiatrischen Symptomen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Fachlich geprüft von Andrea Stix, MSc
Akademische Expertin für Demenzstudien
Gründerin der FELIX-Methode ©

Letzte fachliche Überprüfung: August 2026

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