Sundowning bei Demenz: Symptome, Ursachen und Hilfe bei abendlicher Unruhe

Wenn Menschen mit Demenz am späten Nachmittag oder Abend zunehmend unruhig, ängstlich oder verwirrt werden, kann das sogenannte Sundowning-Syndrom dahinterstecken. Manche Betroffene möchten plötzlich nach Hause, obwohl sie sich in ihrer vertrauten Wohnung befinden. Andere laufen rastlos umher, stellen immer wieder dieselben Fragen oder können nachts kaum schlafen.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist das? Sundowning bezeichnet verstärkte Unruhe, Angst oder Verwirrtheit bei Menschen mit Demenz am späten Nachmittag und Abend. Es ist keine eigene Krankheit, sondern ein Verhaltensmuster.
Woran liegt das? Die Ursachen sind vielfältig: Veränderungen der inneren Uhr, nachlassendes Licht, Erschöpfung, Schmerzen oder unerfüllte Bedürfnisse können zusammenwirken.
Was hilft? Ein regelmäßiger Tagesablauf, rechtzeitige Beleuchtung, Ruhe am Abend und einfühlsame Kommunikation geben Sicherheit. Gefühle ernst nehmen wirkt oft besser als Korrigieren.
Für Angehörige sind solche Veränderungen häufig belastend. Besonders irritierend ist, dass ein Mensch tagsüber relativ ruhig und orientiert wirken kann, während sich sein Verhalten gegen Abend deutlich verändert.
Doch warum tritt dieses Phänomen auf? Welche Veränderungen im Gehirn spielen eine Rolle? Und was können Angehörige tun, um Menschen mit Demenz in diesen Situationen Sicherheit und Orientierung zu vermitteln?
Dieser Artikel erklärt das Sundowning-Syndrom aus medizinischer Sicht, zeigt mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten auf und gibt praktische Empfehlungen für den Alltag.
Was ist das Sundowning-Syndrom?
Der Begriff Sundowning stammt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß „bei Sonnenuntergang“. Im Deutschen wird auch die Bezeichnung Sonnenuntergangssyndrom verwendet.
Gemeint ist eine zeitliche Häufung oder Verstärkung bestimmter neuropsychiatrischer Symptome bei Menschen mit Demenz, insbesondere am späten Nachmittag, am Abend oder während der Nacht.
Dazu gehören vor allem:
- Zunehmende innere Unruhe und Nervosität
- Verwirrtheit und Orientierungsprobleme
- Angst, Unsicherheit und verstärktes Nähebedürfnis
- Reizbarkeit und gelegentlich aggressives Verhalten
- Wiederholtes Fragen, Rufen oder Suchen nach Personen
- Rastloses Umhergehen und Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen
- Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
Sundowning ist keine eigenständige Demenzerkrankung, sondern ein klinisch beschriebenes Verhaltensmuster.
Eine international einheitliche diagnostische Definition existiert bislang nicht. Auch gibt es keinen einzelnen medizinischen Test, mit dem sich Sundowning zweifelsfrei feststellen lässt.
Entscheidend ist vielmehr, ob bestimmte Beschwerden regelmäßig zu ähnlichen Tageszeiten auftreten oder sich dann deutlich verstärken.
Wie häufig tritt Sundowning bei Demenz auf?
Die wissenschaftlichen Angaben zur Häufigkeit unterscheiden sich erheblich.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 berichtet Prävalenzangaben zwischen 1,6 und 66 Prozent der Menschen mit Demenz.
Diese große Spannweite bedeutet nicht, dass Sundowning bei zwei Dritteln aller Betroffenen auftreten muss. Sie ergibt sich unter anderem aus unterschiedlichen Definitionen, untersuchten Patientengruppen und Erhebungsmethoden.
Das Phänomen ist medizinisch anerkannt, seine tatsächliche Häufigkeit lässt sich aber bislang nicht zuverlässig beziffern.
Sundowning wird besonders im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit beschrieben, kann jedoch auch bei anderen Demenzformen auftreten.
Welche Symptome sind typisch für Sundowning?
Das Sundowning-Syndrom kann sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich äußern. Nicht alle Betroffenen zeigen dieselben Verhaltensänderungen.
1. Zunehmende Unruhe am Nachmittag und Abend
Ein häufiges Merkmal ist eine innere Unruhe, die im Laufe des Nachmittags zunimmt.
Betroffene stehen wiederholt auf, gehen zwischen verschiedenen Räumen hin und her oder beginnen Tätigkeiten, ohne sie zu Ende zu führen.
Manchmal entsteht der Eindruck, dass sie nach etwas suchen, ohne genau sagen zu können, wonach.
Dieses Verhalten wird in der medizinischen Fachsprache als Agitation bezeichnet.
Wichtig ist, dass Unruhe nicht automatisch als störendes Verhalten verstanden wird. Sie kann Ausdruck von Angst, Überforderung, Schmerzen oder unerfüllten Bedürfnissen sein.
2. Verstärkte Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit
Mit abnehmendem Tageslicht können Schwierigkeiten bei der räumlichen und zeitlichen Orientierung stärker auffallen.
Manche Menschen erkennen ihre vertraute Umgebung nicht mehr zuverlässig oder glauben, sich an einem fremden Ort zu befinden.
Typische Aussagen sind beispielsweise:
- „Ich muss jetzt nach Hause.“
- „Wann kommt meine Mutter?“
- „Wo sind denn alle?“
- „Ich muss noch zur Arbeit.“
Solche Aussagen können mit Erinnerungen und emotional bedeutsamen Lebenssituationen verbunden sein.
Der Wunsch, nach Hause zu gehen, bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass die betroffene Person ihre tatsächliche Wohnung verlassen möchte. Dahinter kann das Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit oder Vertrautheit stehen.
3. Angst, Misstrauen und emotionale Veränderungen
Am Abend können sich Ängste verstärken.
Betroffene reagieren möglicherweise empfindlicher auf Geräusche, Schatten oder ungewohnte Situationen.
Auch Misstrauen oder das Gefühl, allein gelassen zu werden, können auftreten.
Ein Mensch mit Demenz kann beispielsweise befürchten, dass Angehörige nicht mehr zurückkommen, obwohl diese nur kurz den Raum verlassen haben.
4. Reizbarkeit und aggressives Verhalten
Bei manchen Betroffenen äußert sich die zunehmende Überforderung durch gereizte Reaktionen.
Sie können laut werden, Hilfsangebote zurückweisen oder körperlich abwehrend reagieren.
Aggressives Verhalten ist jedoch kein notwendiges Merkmal von Sundowning.
Wenn es auftritt, sollten mögliche Auslöser sorgfältig untersucht werden. Dazu gehören insbesondere Schmerzen, Angst, Missverständnisse, Überforderung und körperliche Beschwerden.
5. Schlafstörungen und nächtliche Aktivität
Sundowning kann mit Schlafproblemen verbunden sein.
Dazu gehören Schwierigkeiten beim Einschlafen, häufiges Erwachen und nächtliches Umhergehen.
Manche Menschen schlafen tagsüber über längere Zeiträume und sind nachts ungewöhnlich aktiv.
Diese Veränderungen können sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen zu erheblicher Erschöpfung führen.
Warum entsteht Sundowning bei Demenz?
Die genauen Ursachen sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.
Nach aktuellem Forschungsstand handelt es sich wahrscheinlich um ein multifaktorielles Geschehen. Das bedeutet, dass Veränderungen im Gehirn, Schlafstörungen, Umwelteinflüsse und körperliche oder emotionale Belastungen zusammenwirken können.
Veränderungen der inneren biologischen Uhr
Der menschliche Körper besitzt eine innere biologische Uhr, die zahlreiche Prozesse im Tagesverlauf steuert.
Dazu gehören:
- Schlafen und Wachsein
- Körpertemperatur
- Hormonfreisetzung
- Aufmerksamkeit und Aktivität
- Tageszeitabhängige Veränderungen der Leistungsfähigkeit
Diese Prozesse folgen überwiegend einem ungefähr 24-stündigen Rhythmus, dem sogenannten zirkadianen Rhythmus.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der suprachiasmatische Nukleus im Hypothalamus, einer Region des Gehirns.
Er verarbeitet unter anderem Informationen über den Hell-Dunkel-Wechsel und hilft dabei, den Schlaf-Wach-Rhythmus mit der Tageszeit abzustimmen.
Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer können die beteiligten Hirnstrukturen und Regulationsmechanismen beeinträchtigt sein.
Dadurch kann es schwieriger werden, Wachheit, Müdigkeit und Aktivität zeitlich zu koordinieren.
Diese Veränderungen gelten als ein möglicher biologischer Erklärungsansatz für Sundowning.
Melatonin und der Schlaf-Wach-Rhythmus
Melatonin ist ein Hormon, das wesentlich an der zeitlichen Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist.
Seine Ausschüttung wird durch Dunkelheit begünstigt und durch Licht gehemmt.
Bei Menschen mit Alzheimer können die Melatoninregulation und die zirkadiane Rhythmik verändert sein.
Allerdings lässt sich Sundowning nicht allein durch einen Melatoninmangel erklären.
Auch bedeutet dieser Zusammenhang nicht automatisch, dass die Einnahme von Melatonin das Sundowning-Syndrom wirksam behandelt.
Die wissenschaftliche Evidenz für eine medikamentöse Behandlung mit Melatonin bei Demenz ist begrenzt. Eine gezielte Überprüfung der NICE-Leitlinie im Oktober 2025 untersuchte eigens die Studienlage zu Schlafproblemen und Melatonin bei Demenz und fand keine ausreichende neue Evidenz, um die bestehenden Empfehlungen zu ändern.
Nachlassendes Tageslicht und visuelle Wahrnehmung
Mit dem Einsetzen der Dämmerung verändern sich die Lichtverhältnisse.
Schatten werden ausgeprägter, Kontraste nehmen ab und Gegenstände können schwieriger erkannt werden.
Menschen mit Demenz haben teilweise Probleme, visuelle Informationen richtig einzuordnen.
Ein dunkler Bereich am Boden kann beispielsweise als Hindernis wahrgenommen werden. Ein Schatten im Raum kann Unsicherheit auslösen.
Besonders problematisch können schlecht beleuchtete Flure, spiegelnde Oberflächen oder starke Hell-Dunkel-Kontraste sein.
Eine geeignete Beleuchtung kann daher zur besseren Orientierung beitragen.
Geistige und körperliche Erschöpfung
Menschen mit Demenz müssen im Alltag häufig mehr geistige Anstrengung aufbringen, um Situationen zu verstehen und zu bewältigen.
Gespräche, Ortswechsel, Besucher oder ungewohnte Aktivitäten können anstrengend sein.
Im Laufe des Tages kann die Fähigkeit abnehmen, zusätzliche Reize zu verarbeiten.
Dadurch können selbst gewöhnliche Situationen am Abend als überfordernd erlebt werden.
Erschöpfung gilt deshalb als ein möglicher Verstärker von Sundowning.
Schmerzen und unerfüllte körperliche Bedürfnisse
Nicht jede abendliche Unruhe wird unmittelbar durch die Demenzerkrankung verursacht.
Manchmal steckt ein körperliches Problem dahinter, das die betroffene Person nicht mehr verständlich ausdrücken kann.
Mögliche Auslöser sind:
- Schmerzen, etwa durch Arthrose oder andere Erkrankungen
- Hunger oder Durst
- Verstopfung
- Harndrang oder Probleme beim Wasserlassen
- Unbequeme Kleidung oder eine ungünstige Sitzposition
- Müdigkeit oder Schlafmangel
- Nebenwirkungen von Medikamenten
Gerade bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz können Schmerzen durch Unruhe, Abwehr oder veränderte Mimik zum Ausdruck kommen.
Deshalb ist es wichtig, nicht nur das Verhalten zu beobachten, sondern nach möglichen körperlichen Ursachen zu suchen.
Psychische Belastung und Veränderungen der Umgebung
Auch emotionale Faktoren können eine Rolle spielen.
Dazu gehören Einsamkeit, Angst, depressive Symptome und das Gefühl, die Kontrolle über die eigene Situation zu verlieren.
Ungewohnte Betreuungspersonen, ein Wechsel der Umgebung oder Veränderungen vertrauter Abläufe können zusätzliche Unsicherheit hervorrufen.
Besonders am Abend, wenn weniger Aktivitäten stattfinden und Bezugspersonen möglicherweise müde sind, können solche Belastungen stärker spürbar werden.
Bei welchen Demenzformen tritt Sundowning auf?
Sundowning wird am häufigsten im Zusammenhang mit der Alzheimer-Demenz untersucht.
Grundsätzlich können zeitabhängige Verhaltensänderungen aber auch bei anderen Demenzformen auftreten.
Alzheimer-Demenz
Bei der Alzheimer-Krankheit können Veränderungen der Schlafregulation, Orientierung und Reizverarbeitung zusammenwirken.
Abendliche Unruhe und Verwirrtheit werden deshalb häufig im Zusammenhang mit dieser Erkrankung beschrieben.
Lewy-Körper-Demenz
Bei der Lewy-Körper-Demenz sind ausgeprägte Schwankungen der Aufmerksamkeit und Wachheit sowie visuelle Halluzinationen möglich.
Diese Symptome können sich mit Erscheinungsformen von Sundowning überschneiden.
Wichtig ist eine sorgfältige Unterscheidung, da nicht jede zeitliche Schwankung bei Lewy-Körper-Demenz automatisch Sundowning bedeutet.
Vaskuläre Demenz
Bei vaskulären Demenzformen können Schlafprobleme, Aufmerksamkeitsstörungen und Veränderungen der Belastbarkeit auftreten.
Auch hier sind abendliche Verhaltensänderungen möglich, wobei die wissenschaftliche Datenlage zu Sundowning weniger umfangreich ist als bei Alzheimer.
Frontotemporale Demenz
Bei der frontotemporalen Demenz stehen häufig Veränderungen des Sozialverhaltens, der Impulskontrolle und der emotionalen Regulation im Vordergrund.
Diese können zu bestimmten Tageszeiten stärker auffallen. Sie sollten jedoch nicht ohne Weiteres als Sundowning eingeordnet werden.
Entscheidend: Sundowning ist kein diagnostisches Merkmal einer bestimmten Demenzform und erlaubt keine zuverlässige Aussage darüber, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
Sundowning oder Delir: Was ist der Unterschied?
Eine besonders wichtige medizinische Frage ist die Abgrenzung zwischen Sundowning und einem Delir.
Ein Delir ist eine akut auftretende Störung der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins beziehungsweise der kognitiven Funktionen, die sich innerhalb von Stunden oder Tagen entwickelt und im Tagesverlauf schwanken kann.
Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Risiko, zusätzlich ein Delir zu entwickeln.
Mögliche Auslöser sind beispielsweise:
- Infektionen
- Flüssigkeitsmangel
- Medikamentennebenwirkungen
- Akute körperliche Erkrankungen
Sundowning und Delir im Vergleich
| Merkmal | Sundowning | Delir |
|---|---|---|
| Beginn | Häufig wiederkehrendes zeitliches Muster | Meist akut innerhalb von Stunden oder Tagen |
| Tageszeit | Vor allem später Nachmittag und Abend | Zu jeder Tageszeit möglich |
| Aufmerksamkeit | Kann beeinträchtigt sein | Typischerweise deutlich gestört |
| Verlauf | Häufig ähnliche zeitliche Häufung | Akute, oft ausgeprägte Schwankungen |
| Ursachen | Mehrere neurologische, körperliche und umweltbezogene Faktoren | Akute Erkrankungen, Medikamente oder andere medizinische Auslöser |
| Medizinische Bedeutung | Abklärung der Ursachen und gezielte Unterstützung | Rasche medizinische Abklärung erforderlich |
Die beiden Zustände schließen einander nicht aus.
Ein Mensch mit Demenz kann ein bekanntes Sundowning-Muster zeigen und gleichzeitig ein Delir entwickeln.
Wann ist eine sofortige medizinische Abklärung notwendig?
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn:
- Verwirrtheit plötzlich neu auftritt
- sich das Verhalten innerhalb weniger Stunden stark verändert
- die betroffene Person ungewöhnlich schläfrig oder kaum ansprechbar ist
- Fieber, Atemnot oder andere akute Krankheitssymptome auftreten
- neue neurologische Auffälligkeiten wie Lähmungen oder Sprachstörungen hinzukommen
- die Person plötzlich deutlich weniger trinkt oder sich ihr Allgemeinzustand verschlechtert
Bei einer akuten, ausgeprägten Bewusstseinsveränderung, Schlaganfallzeichen oder anderen schweren Symptomen sollte unverzüglich medizinische Notfallhilfe verständigt werden.
In Österreich ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Wiederkehrende abendliche Unruhe darf nicht dazu führen, neue medizinische Probleme zu übersehen.
Wie wird das Sundowning-Syndrom diagnostiziert?
Für Sundowning existiert kein allgemein anerkannter Labortest und kein einzelnes bildgebendes Verfahren, das die Diagnose bestätigt.
Die Beurteilung erfolgt vor allem anhand des zeitlichen Verlaufs, der beobachteten Symptome und einer Untersuchung möglicher Auslöser.
Ärztliche Anamnese und Beobachtung
Wichtige Fragen sind:
- Seit wann treten die Beschwerden auf?
- Zu welcher Tageszeit beginnen sie?
- Wie lange dauern sie an?
- Gibt es ähnliche Beschwerden auch vormittags?
- Welche Situationen gehen der Unruhe voraus?
- Wie schläft die betroffene Person?
- Haben sich Medikamente oder körperliche Beschwerden verändert?
- Welche Maßnahmen helfen, welche verschlechtern die Situation?
Die Beobachtungen von Angehörigen sind dabei besonders wertvoll.
Körperliche und medizinische Untersuchung
Je nach Beschwerden können eine körperliche Untersuchung, die Überprüfung der Medikation und weitere diagnostische Maßnahmen notwendig sein.
Dabei sollte unter anderem auf Folgendes geachtet werden:
- Schmerzen
- Infektionen
- Flüssigkeitsmangel
- Verstopfung
- Schlafstörungen
- Seh- und Hörprobleme
Ein Symptomtagebuch führen
Ein einfaches Tagebuch über ein bis zwei Wochen kann helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen.
| Uhrzeit | Beobachtung | Möglicher Auslöser | Was hat geholfen? |
|---|---|---|---|
| 16:30 Uhr | Zunehmende Unruhe | Viele Besucher | Ruhiger Raum |
| 17:15 Uhr | Möchte nach Hause | Einsetzende Dämmerung | Licht eingeschaltet, Gespräch |
| 18:00 Uhr | Wiederholte Fragen | Müdigkeit | Vertraute Musik |
| 19:30 Uhr | Ruhiger | Abendroutine | Begleitung und Zuwendung |
Beispielhafte Einträge. Die tatsächlichen Beobachtungen sollten individuell dokumentiert werden.
Das Tagebuch ersetzt keine ärztliche Untersuchung, kann aber helfen, geeignete Maßnahmen zu entwickeln.
Was hilft bei Sundowning? Nichtmedikamentöse Maßnahmen
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bilden die Grundlage im Umgang mit abendlicher Unruhe bei Demenz.
Sie zielen darauf ab, Auslöser zu reduzieren, die Orientierung zu verbessern und das Sicherheitsgefühl zu stärken.
Welche Maßnahme am besten hilft, hängt von der individuellen Situation ab. Nicht jede Intervention wirkt bei allen Menschen gleich.
1. Einen regelmäßigen Tagesablauf gestalten
Wiederkehrende Abläufe können Sicherheit vermitteln.
Hilfreich sind möglichst gleichbleibende Zeiten für das Aufstehen, die Mahlzeiten, Bewegung, Ruhephasen und das Schlafengehen.
Besonders anstrengende Aktivitäten sollten nach Möglichkeit in jene Tageszeiten gelegt werden, in denen die betroffene Person aufnahmefähiger ist.
Ein strukturierter Tagesablauf bedeutet jedoch nicht, dass jede Minute geplant sein muss.
Wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aktivität, Erholung und persönlichen Bedürfnissen.
2. Tageslicht und Bewegung fördern
Natürliches Tageslicht ist ein wichtiger Zeitgeber für den Schlaf-Wach-Rhythmus.
Regelmäßige Aufenthalte im Freien können helfen, den Tagesablauf besser zu strukturieren.
Ein Spaziergang am Vormittag oder eine andere individuell geeignete körperliche Aktivität kann sinnvoll sein.
Dabei sollten Mobilität, Sturzrisiko, Gesundheitszustand und persönliche Vorlieben berücksichtigt werden.
Künstliche Lichttherapie wird wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich. Eine bestimmte Lichtstärke oder Behandlungsdauer lässt sich deshalb nicht allgemein als wirksame Sundowning-Therapie empfehlen.
3. Die Wohnung rechtzeitig beleuchten
Eine gleichmäßige, angenehme Beleuchtung kann die Orientierung erleichtern.
Besonders in der Dämmerung sollten Räume nicht plötzlich dunkel werden.
Hilfreich können sein:
- Frühzeitiges Einschalten der Raumbeleuchtung.
- Vermeiden starker Schatten und Blendung.
- Gute Beleuchtung von Fluren und Wegen.
- Nachtlichter auf dem Weg zur Toilette.
- Reduzierung irritierender Spiegelungen.
Am späteren Abend kann eine ruhigere, schlaffördernde Lichtgestaltung sinnvoll sein, ohne die Sicherheit durch zu geringe Beleuchtung zu beeinträchtigen.
4. Reizüberflutung vermeiden
Am Abend können laute Geräusche, mehrere gleichzeitig sprechende Personen oder ein laufender Fernseher überfordernd wirken.
Eine ruhige Umgebung kann helfen, die Belastung zu reduzieren.
Das bedeutet nicht, dass jede Beschäftigung vermieden werden sollte.
Vertraute Musik, ein ruhiges Gespräch oder eine einfache Tätigkeit können angenehme Orientierung bieten.
Entscheidend ist, wie die betroffene Person darauf reagiert.
5. Vertraute Abendrituale entwickeln
Wiederkehrende Rituale können den Übergang vom aktiven Tag zur Nachtruhe erleichtern.
Beispiele sind:
- Gemeinsam einen ruhigen Platz aufsuchen.
- Vertraute Musik hören.
- Fotos betrachten.
- Ein warmes, koffeinfreies Getränk anbieten, sofern medizinisch geeignet.
- Eine kurze Geschichte vorlesen.
- Eine angenehme, einfache Beschäftigung durchführen.
Rituale sollten an die Lebensgeschichte und Vorlieben des Menschen angepasst werden.
Was für eine Person beruhigend wirkt, kann für eine andere unangenehm sein.
6. Gefühle ernst nehmen statt korrigieren
Wenn ein Mensch mit Demenz am Abend nach Hause möchte oder nach einer längst verstorbenen Person fragt, führen sachliche Korrekturen häufig nicht zur gewünschten Beruhigung.
Statt ausschließlich auf die Fakten einzugehen, kann es hilfreicher sein, die dahinterliegenden Gefühle zu erkennen.
Sagt eine betroffene Person beispielsweise:
„Ich muss jetzt nach Hause. Meine Mutter wartet auf mich.“,
könnte eine einfühlsame Antwort lauten:
„Du möchtest nach Hause. Du vermisst deine Mutter. Erzähl mir von ihr.“
So wird das emotionale Bedürfnis angesprochen, ohne die Person zu beschämen oder unnötig zu verunsichern.
Dieser Ansatz steht im Zusammenhang mit einer wertschätzenden, validierenden Kommunikation.
Dabei sollte die Antwort authentisch bleiben. Es ist nicht notwendig, erfundene Tatsachen zu bestätigen oder bewusst falsche Versprechungen zu machen.
7. Körperliche Bedürfnisse überprüfen
Wenn Unruhe entsteht, kann eine einfache Überprüfung grundlegender Bedürfnisse hilfreich sein.
Hat die Person Schmerzen? Muss sie auf die Toilette? Ist ihr kalt oder warm? Hat sie Hunger oder Durst?
Auch unbequeme Kleidung, eine ungeeignete Sitzposition oder zu wenig Bewegung können Unbehagen verursachen.
Wer die Ursache erkennt, kann häufig gezielter helfen als durch bloße Ablenkung.
Was tun bei akuter abendlicher Unruhe?
Wenn ein Mensch mit Demenz plötzlich aufsteht, rastlos umhergeht oder ängstlich wirkt, ist eine ruhige und zugewandte Reaktion besonders wichtig.
Schritt 1: Selbst Ruhe bewahren
Sprechen Sie langsam und in kurzen, verständlichen Sätzen.
Vermeiden Sie mehrere Fragen gleichzeitig und geben Sie ausreichend Zeit für eine Antwort.
Schritt 2: Sicherheit vermitteln
Bleiben Sie in angemessener Nähe und bieten Sie Unterstützung an.
Körperkontakt kann beruhigend wirken, sollte aber nur erfolgen, wenn die betroffene Person ihn möchte und gut toleriert.
Schritt 3: Nicht in Diskussionen verwickeln
Versuchen Sie nicht, die Person durch wiederholte Erklärungen von ihrer Wahrnehmung abzubringen.
Aussagen wie „Das habe ich dir doch schon dreimal gesagt“ können die Verunsicherung verstärken.
Schritt 4: Mögliche Auslöser erkennen
Prüfen Sie die Umgebung und körperliche Bedürfnisse.
Vielleicht ist es zu dunkel, zu laut oder die Person hat Schmerzen.
Schritt 5: Eine vertraute Alternative anbieten
Ein kurzer gemeinsamer Spaziergang in sicherer Umgebung, Musik oder eine vertraute Beschäftigung kann helfen.
Wenn die Person gehen möchte, sollte sie nicht unnötig festgehalten werden. Stattdessen ist eine sichere Begleitung sinnvoll, sofern die Situation dies zulässt.
Bei körperlicher Aggression haben der Schutz der betroffenen Person und die Sicherheit anderer Vorrang.
Medikamente bei Sundowning: Wann sind sie sinnvoll?
Für das Sundowning-Syndrom selbst gibt es keine allgemein etablierte, spezifisch zugelassene medikamentöse Standardtherapie.
Medikamente kommen nur nach individueller ärztlicher Beurteilung infrage.
Zunächst sollten behandelbare Ursachen und mögliche Nebenwirkungen bereits eingenommener Arzneimittel überprüft werden.
Antipsychotika
Antipsychotische Medikamente können bei bestimmten schweren neuropsychiatrischen Symptomen einer Demenz erwogen werden.
Sie sind jedoch nicht als routinemäßige Behandlung gewöhnlicher abendlicher Unruhe geeignet.
Die britische NICE-Leitlinie (National Institute for Health and Care Excellence) empfiehlt ihren Einsatz bei Demenz nur unter eng begrenzten Voraussetzungen, insbesondere bei erheblicher Selbst- oder Fremdgefährdung oder bei Symptomen, die schweres Leiden verursachen.
Zu den Risiken zählen unter anderem Sedierung, Stürze, Bewegungsstörungen sowie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Sterblichkeit.
Bei Lewy-Körper-Demenz und Parkinson-Demenz ist besondere Vorsicht erforderlich, da schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten können.
Falls Antipsychotika notwendig sind, sollten sie in möglichst niedriger wirksamer Dosierung und für die kürzest mögliche Dauer eingesetzt und regelmäßig überprüft werden.
Schlafmittel und Beruhigungsmittel
Bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel können bei älteren Menschen mit Demenz die Verwirrtheit verstärken und das Risiko für Stürze erhöhen.
Insbesondere Benzodiazepine (eine Gruppe von Beruhigungs- und Schlafmitteln) und verwandte Präparate sind deshalb problematisch.
Eine kurzfristige Behandlung kann in ausgewählten Situationen medizinisch notwendig sein. Sie sollte aber nicht ohne sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Melatonin
Melatonin wird häufig im Zusammenhang mit Schlafstörungen und gestörten Tag-Nacht-Rhythmen diskutiert.
Ob es Sundowning zuverlässig vermindert, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Eine routinemäßige Einnahme zur Behandlung von Sundowning lässt sich daher nicht empfehlen.
Antidementiva
Medikamente wie Donepezil, Rivastigmin, Galantamin oder Memantin werden bei bestimmten Demenzformen eingesetzt.
Sie können je nach Wirkstoff und Erkrankung kognitive oder andere demenzbezogene Symptome beeinflussen.
Eine spezifische, verlässlich nachgewiesene Wirkung gegen Sundowning besteht jedoch nicht.
Einige dieser Medikamente können außerdem den Schlaf beeinflussen. Deshalb kann eine ärztliche Überprüfung der Einnahmezeit und Verträglichkeit sinnvoll sein.
Wichtig: Medikamente sollten niemals eigenständig begonnen, abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden.
Wie können Angehörige Sundowning vorbeugen?
Sundowning lässt sich nicht in jedem Fall verhindern.
Es gibt jedoch Maßnahmen, mit denen sich mögliche Auslöser reduzieren und belastende Situationen unter Umständen abschwächen lassen.
Ein möglichst regelmäßiger Tagesablauf, ausreichend Tageslicht, angepasste Bewegung und eine ruhige Abendgestaltung können dazu beitragen.
Auch die Behandlung von Schmerzen, Schlafproblemen und anderen körperlichen Beschwerden ist wichtig.
Dabei sollte nicht versucht werden, jedes Verhalten zu kontrollieren.
Menschen mit Demenz benötigen weiterhin Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse auszudrücken.
Das Ziel ist nicht, die betroffene Person möglichst ruhigzustellen, sondern ihr Wohlbefinden und ihre Sicherheit zu fördern.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn der Abend schwierig wird
Eine 81-jährige Frau mit Alzheimer-Demenz lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann.
Tagsüber beteiligt sie sich gerne an einfachen Haushaltstätigkeiten und verbringt Zeit im Garten.
Gegen 17 Uhr wird sie jedoch zunehmend unruhig.
Sie geht zur Wohnungstür, zieht ihre Jacke an und erklärt, dass sie nach Hause müsse.
Ihr Ehemann versucht zunächst, ihr zu erklären, dass sie bereits zu Hause ist.
Die Frau wird daraufhin ängstlicher und besteht noch stärker darauf, die Wohnung zu verlassen.
Nach einer Beratung verändert der Ehemann einige Abläufe.
Er schaltet die Beleuchtung bereits vor Einbruch der Dämmerung ein, verlegt anstrengende Tätigkeiten auf den Vormittag und sorgt am späten Nachmittag für eine ruhige Atmosphäre.
Wenn seine Frau nach Hause möchte, widerspricht er ihr nicht sofort. Stattdessen fragt er, was sie dort gerne tun würde, und hört aufmerksam zu.
An manchen Tagen hilft es, gemeinsam alte Fotos anzusehen. An anderen Tagen möchte sie lieber eine kurze Runde gehen.
Die Unruhe verschwindet dadurch nicht vollständig, doch die Situationen lassen sich häufig besser begleiten.
Dieses fiktive Beispiel zeigt, dass nicht immer eine einzelne Maßnahme entscheidend ist. Oft kommt es auf das Zusammenspiel aus Umgebung, Kommunikation, Tagesstruktur und individuellen Bedürfnissen an.
Sundowning und die Belastung pflegender Angehöriger
Abendliche Unruhe kann für pflegende Angehörige besonders anstrengend sein.
Nach einem langen Tag fehlen häufig die körperlichen und emotionalen Reserven, um auf wiederholte Fragen, Ängste oder nächtliche Aktivität einzugehen.
Hinzu kommt, dass Schlafstörungen der betroffenen Person auch die Nachtruhe der Angehörigen beeinträchtigen können.
Chronischer Schlafmangel und fehlende Erholungszeiten können die Belastung erheblich verstärken.
Deshalb ist es wichtig, die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen ebenso ernst zu nehmen wie jene des Menschen mit Demenz.
Mögliche Entlastungsmaßnahmen sind:
- Aufteilung von Betreuungsaufgaben innerhalb der Familie
- Mobile Betreuungsdienste
- Tagesbetreuung
- Zeitweise Ersatzbetreuung
- Professionelle Demenzberatung
Wenn die häusliche Betreuung dauerhaft nicht mehr sicher oder ausreichend möglich ist, sollte frühzeitig gemeinsam nach geeigneten Unterstützungsformen gesucht werden.
Häufige Fragen zum Sundowning-Syndrom
Ist Sundowning ein Zeichen für fortgeschrittene Demenz?
Nicht unbedingt. Sundowning kann bei unterschiedlichen Schweregraden einer Demenz auftreten. Aus seinem Auftreten allein lässt sich kein bestimmtes Demenzstadium ableiten.
Wann beginnt Sundowning normalerweise?
Typischerweise verstärken sich die Beschwerden am späten Nachmittag oder am frühen Abend. Sie können bis in die Nacht anhalten. Eine feste Uhrzeit gibt es nicht.
Kann Sundowning auch tagsüber auftreten?
Unruhe, Angst und Verwirrtheit können bei Demenz grundsätzlich zu jeder Tageszeit auftreten. Von Sundowning spricht man vor allem dann, wenn sich diese Beschwerden regelmäßig gegen Abend häufen oder verstärken.
Wie lange dauert eine Sundowning-Episode?
Die Dauer ist individuell unterschiedlich. Beschwerden können vorübergehend auftreten, über mehrere Stunden anhalten oder in nächtliche Schlafprobleme übergehen.
Kann Sundowning wieder verschwinden?
Der Verlauf ist unterschiedlich. Bei manchen Menschen nehmen die Beschwerden durch geeignete Veränderungen der Umgebung, bessere Schlafbedingungen oder die Behandlung körperlicher Ursachen ab. Bei anderen bleiben sie bestehen oder verändern sich im Verlauf der Demenz.
Hilft Melatonin gegen Sundowning?
Eine zuverlässige Wirksamkeit ist bisher nicht nachgewiesen. Melatonin sollte daher nicht als gesicherte Standardbehandlung betrachtet werden.
Warum möchten Menschen mit Demenz am Abend häufig nach Hause?
Der Wunsch nach Hause zu gehen kann Ausdruck von Orientierungslosigkeit, Angst oder dem Bedürfnis nach Vertrautheit und Sicherheit sein. Nicht immer ist damit ein konkreter Ortswechsel gemeint.
Ist Sundowning gefährlich?
Sundowning ist nicht automatisch gefährlich. Risiken können jedoch entstehen, wenn Betroffene nachts unbegleitet umhergehen, stürzen oder die Wohnung verlassen und sich verirren. Auch starke Schlafstörungen und erhebliche psychische Belastungen sollten ernst genommen werden.
Wann sollte man wegen Sundowning zum Arzt gehen?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Beschwerden neu auftreten, deutlich zunehmen, regelmäßig den Schlaf beeinträchtigen oder zu gefährlichen Situationen führen. Bei plötzlich einsetzender schwerer Verwirrtheit muss insbesondere ein Delir ausgeschlossen werden.
Fazit: Sundowning verstehen und Sicherheit vermitteln
Das Sundowning-Syndrom beschreibt eine Verstärkung von Unruhe, Angst, Verwirrtheit oder anderen Verhaltensänderungen am späten Nachmittag und Abend bei Menschen mit Demenz.
Die Ursachen sind komplex. Veränderungen des biologischen Tag-Nacht-Rhythmus können ebenso eine Rolle spielen wie Erschöpfung, ungünstige Lichtverhältnisse, Schmerzen, Schlafprobleme und emotionale Belastungen.
Für Angehörige ist es besonders wichtig, das Verhalten nicht vorschnell als Absicht oder Widerstand zu interpretieren.
Häufig steckt dahinter ein Bedürfnis nach Sicherheit, Orientierung oder körperlichem Wohlbefinden.
Ein regelmäßiger Tagesablauf, eine angepasste Umgebung, einfühlsame Kommunikation und die sorgfältige Abklärung möglicher Auslöser bilden die Grundlage für einen hilfreichen Umgang.
Nicht jede Unruhe lässt sich verhindern. Aber Verständnis, Sicherheit und individuelle Unterstützung können dazu beitragen, die Abendstunden für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen angenehmer zu gestalten.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur
- Reimus M, Siemiński M (2025). Sundowning Syndrome in Dementia: Mechanisms, Diagnosis, and Treatment. Journal of Clinical Medicine, 14(4), 1158.
DOI: https://doi.org/10.3390/jcm14041158
Aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu möglichen biologischen Mechanismen, Diagnostik und Behandlung des Sundowning-Syndroms. - National Institute on Aging (2024). Coping With Agitation, Aggression, and Sundowning in Alzheimer’s Disease.
https://www.nia.nih.gov/health/alzheimers-changes-behavior-and-communication/coping-agitation-aggression-and-sundowning
Informationen des US-amerikanischen National Institute on Aging zu Verhaltensänderungen, möglichen Auslösern und praktischen Maßnahmen. - National Institute on Aging. Managing Sleep Problems in Alzheimer’s Disease.
https://www.nia.nih.gov/health/sleep/managing-sleep-problems-alzheimers-disease
Informationen über Schlaf-Wach-Störungen bei Alzheimer und Möglichkeiten zur Verbesserung der Schlafbedingungen. - National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Dementia: Assessment, Management and Support for People Living With Dementia and Their Carers. Guideline NG97.
https://www.nice.org.uk/guidance/ng97
Evidenzbasierte Empfehlungen zum Umgang mit neuropsychiatrischen Symptomen und zum zurückhaltenden Einsatz antipsychotischer Medikamente. - National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Delirium: Prevention, Diagnosis and Management in Hospital and Long-Term Care. Guideline CG103.
https://www.nice.org.uk/guidance/cg103
Leitlinie zur Erkennung und Behandlung eines Delirs sowie zur Unterscheidung von chronischen kognitiven Beeinträchtigungen.
Medizinischer Hinweis
Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung. Bei neu auftretenden, zunehmenden oder den Alltag beeinträchtigenden Veränderungen von Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Verhalten oder anderen kognitiven Fähigkeiten sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
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