
Die Demenzforschung hat in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Besonders intensiv wird an der Alzheimer-Krankheit geforscht – der häufigsten Ursache einer Demenz.
Das Wichtigste in Kürze
Was gibt es Neues? Neue Anti-Amyloid-Medikamente wie Lecanemab und Donanemab können bei früher Alzheimer-Krankheit das Fortschreiten verlangsamen – heilen können sie die Erkrankung aber nicht.
Was zeigt ein Bluttest? Blutbasierte Biomarker wie p-tau217 machen Fortschritte, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose: Ein auffälliger Wert allein bedeutet noch keine Demenz.
Was bedeutet das für uns? Alzheimer ist weiterhin nicht heilbar, doch Diagnostik und Therapie werden differenzierter. Auch Lebensqualität, Kommunikation und Unterstützung von Angehörigen bleiben zentrale Forschungsthemen.
Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, bereits bestehende Symptome zu behandeln. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchen zunehmend zu verstehen, welche biologischen Veränderungen bereits Jahre vor den ersten deutlichen Beschwerden beginnen, wie diese zuverlässig erkannt werden können und an welchen Krankheitsmechanismen zukünftige Therapien ansetzen könnten.
Aktuelle Forschungsfelder sind unter anderem:
- krankheitsmodifizierende Alzheimer-Therapien
- Amyloid- und Tau-Pathologie
- Blutbiomarker zur Alzheimer-Diagnostik
- genetische Risikofaktoren
- Entzündungs- und Immunprozesse im Gehirn
- neue bildgebende Verfahren
- Demenzprävention und Risikoreduktion
- digitale Diagnoseverfahren und künstliche Intelligenz
- personalisierte Therapieansätze
- Versorgung, Lebensqualität und Unterstützung von Angehörigen
krankheitsmodifizierende Alzheimer-Therapien
Amyloid- und Tau-Pathologie
Blutbiomarker zur Alzheimer-Diagnostik
genetische Risikofaktoren
Entzündungs- und Immunprozesse im Gehirn
neue bildgebende Verfahren
Demenzprävention und Risikoreduktion
digitale Diagnoseverfahren und künstliche Intelligenz
personalisierte Therapieansätze
Versorgung, Lebensqualität und Unterstützung von Angehörigen
Einen wichtigen medizinischen Orientierungsrahmen bietet die S3-Leitlinie Demenzen – Living Guideline der DGPPN und DGN. Einen umfassenden Überblick über aktuelle internationale Forschungsentwicklungen bietet außerdem das National Institute on Aging (NIA).
Wo steht die Demenzforschung heute?
Demenz ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Oberbegriff für unterschiedliche Krankheitsbilder, die zu Beeinträchtigungen des Denkens, Erinnerns, der Orientierung und anderer kognitiver Fähigkeiten führen und zunehmend die selbstständige Bewältigung des Alltags beeinträchtigen können.
Zu den wichtigsten Demenzformen beziehungsweise Erkrankungen, die mit einer Demenz einhergehen können, gehören:
- Alzheimer-Krankheit
- vaskuläre Demenz
- Lewy-Körper-Demenz
- frontotemporale Demenz
- Demenz bei Parkinson-Krankheit
- Mischformen verschiedener Erkrankungen
Alzheimer-Krankheit
vaskuläre Demenz
Lewy-Körper-Demenz
frontotemporale Demenz
Demenz bei Parkinson-Krankheit
Mischformen verschiedener Erkrankungen
Besonders weit fortgeschritten ist die Forschung zur Alzheimer-Krankheit.
Dabei stehen unter anderem zwei Proteine im Mittelpunkt: Amyloid-Beta und Tau. Veränderungen dieser Proteine gehören zu den charakteristischen biologischen Merkmalen der Alzheimer-Krankheit.
Die moderne Alzheimer-Forschung betrachtet die Erkrankung jedoch zunehmend als komplexen biologischen Prozess. Neben Amyloid und Tau werden unter anderem Entzündungsreaktionen, Gefäßveränderungen, Stoffwechselprozesse, genetische Faktoren, synaptische Veränderungen und weitere molekulare Mechanismen untersucht.
Der aktuelle NIH Alzheimer’s Disease and Related Dementias Research Progress Report gibt einen umfassenden Überblick über diese Forschungsbereiche.
1. Amyloid und Tau – zentrale Bereiche der Alzheimer-Forschung
Bei der Alzheimer-Krankheit können sich bestimmte Formen von Amyloid-Beta außerhalb von Nervenzellen zu Ablagerungen beziehungsweise Plaques zusammenlagern.
Gleichzeitig kommt es zu krankhaften Veränderungen des Tau-Proteins. Tau ist normalerweise an der Stabilisierung wichtiger Strukturen innerhalb von Nervenzellen beteiligt. Bei Alzheimer verändert sich Tau und kann sich zu sogenannten neurofibrillären Tangles zusammenlagern.
Beide Prozesse gehören zu den charakteristischen biologischen Veränderungen der Alzheimer-Krankheit.
Die frühere Vorstellung einer einfachen linearen Kette nach dem Muster „Amyloid verursacht Alzheimer“ greift nach heutigem Forschungsstand jedoch zu kurz.
Vereinfacht lässt sich der Forschungsstand folgendermaßen darstellen:

Wichtig ist dabei: Alzheimer entwickelt sich wahrscheinlich durch das langfristige Zusammenspiel zahlreicher biologischer Prozesse. Das Vorliegen eines einzelnen Biomarkers bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Person bereits an einer Demenz erkrankt ist oder zwangsläufig eine Demenz entwickeln wird.
2. Neue Alzheimer-Medikamente: Krankheitsmodifizierende Therapien
Einer der bedeutendsten Fortschritte der jüngeren Alzheimer-Forschung sind krankheitsmodifizierende Anti-Amyloid-Therapien.
Anders als Medikamente, die vor allem Symptome beeinflussen, sollen diese Wirkstoffe gezielt in biologische Krankheitsprozesse eingreifen.
Ein Beispiel ist der monoklonale Antikörper Lecanemab (Leqembi). Seit Juli 2025 ist mit Donanemab (Kisunla) ein zweiter Anti-Amyloid-Antikörper in der Europäischen Union zugelassen, der bei früher Alzheimer-Krankheit ebenfalls das Fortschreiten verlangsamen kann, dabei aber ein höheres ARIA-Risiko zeigt als Lecanemab.
Lecanemab bindet an bestimmte Formen von Amyloid-Beta und reduziert Amyloidablagerungen im Gehirn.
In der Europäischen Union ist Leqembi für eine klar definierte Gruppe von Erwachsenen mit früher Alzheimer-Krankheit zugelassen. Voraussetzung sind unter anderem eine leichte kognitive Störung oder leichte Demenz aufgrund einer Alzheimer-Krankheit, eine bestätigte Amyloid-Pathologie und bestimmte genetische Voraussetzungen.
Die Behandlung kann bei geeigneten Patientinnen und Patienten das Fortschreiten kognitiver und funktioneller Beeinträchtigungen verlangsamen.
Sie kann Alzheimer jedoch nicht heilen und bereits verlorene Fähigkeiten nicht einfach wiederherstellen.
Darüber hinaus bestehen relevante Risiken. Besonders wichtig sind sogenannte Amyloid-related Imaging Abnormalities (ARIA). Dabei können unter anderem Schwellungen und kleinere Blutungen im Gehirn auftreten.
Deshalb sind eine sorgfältige Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten, medizinische Kontrollen und wiederholte MRT-Untersuchungen notwendig.
Aktuelle Informationen zu Zulassung, Indikation und Risiken bietet die European Medicines Agency – Leqembi.
Auch die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen berücksichtigt gegen β-Amyloid gerichtete Antikörpertherapien.
3. Alzheimer-Bluttests und neue Biomarker
Einer der dynamischsten Bereiche der aktuellen Alzheimer-Forschung ist die Entwicklung blutbasierter Biomarker.
Bisher spielen insbesondere Untersuchungen der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) (Liquor) und PET-Bildgebung eine wichtige Rolle beim Nachweis Alzheimer-typischer biologischer Veränderungen.
Blutbasierte Biomarker könnten die Diagnostik zukünftig weniger invasiv und leichter zugänglich machen.
Besonders intensiv untersucht werden phosphorylierte Formen des Tau-Proteins wie p-tau217.
Das National Institute on Aging berichtet über erhebliche Fortschritte bei solchen Verfahren. In Studien konnten p-tau217-basierte Bluttests Alzheimer-typische Pathologien mit hoher diagnostischer Genauigkeit erkennen.
Der aktuelle Forschungsstand wird im NIH Alzheimer’s Disease and Related Dementias Research Progress Report ausführlich dargestellt.
Kann ein Alzheimer-Bluttest bereits eine Demenz diagnostizieren?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Ein positiver Alzheimer-Biomarker ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Demenzdiagnose.
Biomarker geben Hinweise auf zugrunde liegende biologische Veränderungen.
Ob tatsächlich eine leichte kognitive Störung oder Demenz vorliegt und welche Ursache dafür verantwortlich ist, muss im klinischen Zusammenhang beurteilt werden.
Dazu können unter anderem gehören:
- ausführliche Anamnese
- Fremdanamnese
- körperliche und neurologische Untersuchung
- kognitive Testverfahren
- Laboruntersuchungen
- bildgebende Verfahren
- gegebenenfalls Liquor- oder Biomarkerdiagnostik
ausführliche Anamnese
Fremdanamnese
körperliche und neurologische Untersuchung
kognitive Testverfahren
Laboruntersuchungen
bildgebende Verfahren
gegebenenfalls Liquor- oder Biomarkerdiagnostik
4. Frühdiagnostik wird für die Alzheimer-Therapie immer wichtiger
Die biologischen Veränderungen einer Alzheimer-Krankheit können bereits lange vor einer ausgeprägten Demenz beginnen.
Deshalb versucht die Forschung, Alzheimer zunehmend in frühen Krankheitsstadien zuverlässig zu erkennen.
Untersucht beziehungsweise klinisch eingesetzt werden – abhängig von Fragestellung und Versorgungssituation – unter anderem:
- Magnetresonanztomografie (MRT)
- Amyloid-PET
- Tau-PET
- Liquorbiomarker
- Blutbiomarker
- neuropsychologische Untersuchungen
- digitale kognitive Testverfahren
Magnetresonanztomografie (MRT)
Amyloid-PET
Tau-PET
Liquorbiomarker
Blutbiomarker
neuropsychologische Untersuchungen
digitale kognitive Testverfahren
Die Entwicklung krankheitsmodifizierender Therapien erhöht die Bedeutung einer präzisen Frühdiagnostik zusätzlich, da solche Therapien insbesondere für frühe Stadien der Alzheimer-Krankheit entwickelt wurden.
Das Ziel ist jedoch nicht, möglichst viele beschwerdefreie Menschen ungezielt auf Alzheimer zu testen.
Eine qualifizierte medizinische Diagnostik soll vielmehr dabei helfen, die Ursachen bestehender kognitiver Beschwerden zu unterscheiden und gegebenenfalls geeignete Patientinnen und Patienten für spezifische Therapien oder klinische Studien zu identifizieren.
5. Tau als zukünftiges Therapieziel
Neben Amyloid gehört das Tau-Protein zu den wichtigsten Forschungszielen bei Alzheimer.
Die Ausbreitung krankhaft veränderten Tau-Proteins steht in engem Zusammenhang mit Neurodegeneration und dem klinischen Fortschreiten der Erkrankung.
Deshalb werden unterschiedliche therapeutische Ansätze untersucht, die beispielsweise:
- die Bildung pathologischer Tau-Formen beeinflussen
- Tau-Aggregation reduzieren
- die Ausbreitung krankhaft veränderten Tau-Proteins begrenzen
- andere mit Tau verbundene Krankheitsmechanismen beeinflussen sollen
die Bildung pathologischer Tau-Formen beeinflussen,
Tau-Aggregation reduzieren,
die Ausbreitung krankhaft veränderten Tau-Proteins begrenzen oder
andere mit Tau verbundene Krankheitsmechanismen beeinflussen sollen.
Viele dieser Ansätze befinden sich allerdings weiterhin in der klinischen Forschung.
Ob daraus zukünftig sichere und wirksame zugelassene Therapien entstehen, kann derzeit nicht vorhergesagt werden.
6. Neuroinflammation und das Immunsystem des Gehirns
Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich betrifft Entzündungs- und Immunprozesse im Gehirn.
Besonders untersucht werden sogenannte Mikrogliazellen. Sie gehören zum Immunsystem des zentralen Nervensystems und reagieren unter anderem auf Zellschäden und andere Veränderungen im Gehirn.
Die Forschung untersucht, welche Rolle fehlregulierte oder chronische Immunreaktionen bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen spielen.
Zukünftige Therapien könnten deshalb versuchen, bestimmte Immun- und Entzündungsreaktionen gezielter zu beeinflussen.
Diese Forschungsrichtung ist wissenschaftlich vielversprechend, befindet sich therapeutisch jedoch größtenteils noch in Entwicklung.
7. Genetik und personalisierte Alzheimer-Medizin
Auch genetische Faktoren beeinflussen das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung.
Einer der bekanntesten genetischen Risikofaktoren für die spät beginnende Alzheimer-Krankheit ist APOE ε4.
Wichtig ist:
Das Vorliegen eines APOE-ε4-Allels bedeutet nicht, dass eine Person zwangsläufig Alzheimer entwickeln wird.
Genetische Faktoren beeinflussen das Erkrankungsrisiko, sind bei der häufigen spät beginnenden Alzheimer-Krankheit jedoch nur ein Teil eines komplexen Zusammenspiels unterschiedlicher Faktoren.
Genetische Informationen gewinnen auch für bestimmte Therapieentscheidungen an Bedeutung.
Bei Anti-Amyloid-Therapien kann beispielsweise der APOE-ε4-Status für die Beurteilung bestimmter Nebenwirkungsrisiken relevant sein.
Langfristig könnte dies zu einer stärker personalisierten Alzheimer-Medizin führen, bei der Biomarker, Genetik, Bildgebung und andere individuelle Merkmale stärker in diagnostische und therapeutische Entscheidungen einbezogen werden.
8. Demenzprävention: Forschung zur Risikoreduktion
Neben neuen Medikamenten ist die Prävention beziehungsweise Risikoreduktion ein zentraler Bereich der Demenzforschung.
Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche beeinflussbare Faktoren mit dem Demenzrisiko verbunden sind.
Dazu gehören unter anderem:
- Bluthochdruck
- körperliche Inaktivität
- Rauchen
- übermäßiger Alkoholkonsum
- Diabetes
- Adipositas
- Hörverlust
- soziale Isolation
- Depression
- Luftverschmutzung
- unbehandelte Sehbeeinträchtigungen
- erhöhtes LDL-Cholesterin
Bluthochdruck
körperliche Inaktivität
Rauchen
übermäßiger Alkoholkonsum
Diabetes
Adipositas
Hörverlust
soziale Isolation
Depression
Luftverschmutzung
unbehandelte Sehbeeinträchtigungen
erhöhtes LDL-Cholesterin
Ein international viel beachteter Überblick ist der Lancet Commission Report 2024 zu Demenzprävention, Intervention und Versorgung.
Entscheidend ist jedoch eine medizinisch korrekte Einordnung:
Demenzprävention bedeutet Risikoreduktion – nicht Garantie.
Auch Menschen mit einem gesundheitsförderlichen Lebensstil können an einer Demenz erkranken.
9. Künstliche Intelligenz und digitale Demenzdiagnostik
Digitale Technologien und künstliche Intelligenz (KI) gewinnen auch in der Demenzforschung zunehmend an Bedeutung.
Erforscht werden beispielsweise:
- digitale kognitive Tests
- Sprach- und Sprechmuster
- Bewegungsdaten
- Wearables
- digitale Biomarker
- computergestützte Bildauswertung
- KI-gestützte Mustererkennung in medizinischen Daten
- personenzentrierte Versorgung
- psychosoziale Interventionen
- Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger
- Kommunikation bei Demenz
- soziale Teilhabe
- körperliche Aktivität
- kognitive Aktivierung
- Versorgung im häuslichen Umfeld
- technologische Unterstützung
- Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen
digitale kognitive Tests
Sprach- und Sprechmuster
Bewegungsdaten
Wearables
digitale Biomarker
computergestützte Bildauswertung
KI-gestützte Mustererkennung in medizinischen Daten
Der aktuelle NIH-Forschungsbericht beschreibt beispielsweise Forschungsarbeiten, bei denen KI-Modelle Muster in Gesundheitsdaten, Bildgebung und anderen klinischen Informationen untersuchen.
Auch Veränderungen von Sprache und Sprechverhalten werden als mögliche digitale Marker erforscht.
Quelle: National Institute on Aging – Dementia Research Progress Report
Solche Technologien könnten zukünftig dabei helfen, Veränderungen früher zu erkennen, große Datenmengen auszuwerten oder Krankheitsverläufe genauer zu beobachten.
Sie ersetzen derzeit jedoch keine qualifizierte medizinische Demenzdiagnostik.
10. Forschung zu Lebensqualität, Versorgung und Angehörigen
Demenzforschung beschäftigt sich nicht ausschließlich mit Medikamenten, Biomarkern und Labordiagnostik.
Ein weiterer bedeutender Forschungsbereich untersucht, wie Menschen mit Demenz möglichst gut leben und wie Angehörige wirksam unterstützt werden können.
Erforscht werden beispielsweise:
personenzentrierte Versorgung
psychosoziale Interventionen
Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger
Kommunikation bei Demenz
soziale Teilhabe
körperliche Aktivität
kognitive Aktivierung
Versorgung im häuslichen Umfeld
technologische Unterstützung
Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen
Der aktuelle NIH-Forschungsbericht behandelt deshalb neben Diagnostik und Medikamenten ausdrücklich auch Care and Caregiving Research.
Quelle: NIH – Alzheimer’s Disease and Related Dementias Research Progress Report
Dieser Forschungsbereich ist auch für die praktische Demenzbegleitung besonders wichtig:
Selbst wenn eine Demenzerkrankung derzeit nicht geheilt werden kann, können Lebensqualität, Selbstbestimmung, Kommunikation, soziale Teilhabe und die Unterstützung von Angehörigen wichtige Ziele der Versorgung bleiben.
→ Mehr erfahren: Demenzberatung für Angehörige
→ Mehr erfahren: Mobile Demenzbetreuung und Entlastung für Angehörige
Welche Bereiche der Demenzforschung sind derzeit besonders vielversprechend?
Es gibt derzeit nicht den einen Forschungsansatz, der alle anderen ersetzt. Vielmehr entwickeln sich mehrere Bereiche gleichzeitig weiter.
Krankheitsmodifizierende Therapien
Anti-Amyloid-Antikörper zeigen, dass bestimmte biologische Prozesse der Alzheimer-Krankheit therapeutisch beeinflusst werden können. Ihr Nutzen ist allerdings begrenzt und auf bestimmte Patientengruppen beschränkt.
Blutbasierte Biomarker
Insbesondere p-tau217 und Kombinationen verschiedener Biomarker könnten die Alzheimer-Diagnostik erheblich verändern.
Tau-Forschung
Tau bleibt eines der wichtigsten potenziellen Therapieziele zukünftiger Alzheimer-Behandlungen.
Präzisionsmedizin
Biomarker, Genetik und Bildgebung könnten eine zunehmend individuellere Diagnostik und Auswahl geeigneter Therapien ermöglichen.
Demenzprävention
Die Forschung liefert zunehmend Erkenntnisse darüber, welche beeinflussbaren Faktoren mit dem Demenzrisiko zusammenhängen.
Versorgungs- und Angehörigenforschung
Parallel zur Suche nach neuen Medikamenten bleibt die Frage entscheidend, wie Menschen mit Demenz und ihre Familien bestmöglich begleitet und unterstützt werden können.
Wie schnell kommen neue Alzheimer-Therapien?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Ein wesentlicher Unterschied zur Situation vor wenigen Jahren besteht darin, dass krankheitsmodifizierende Alzheimer-Therapien nicht mehr ausschließlich Gegenstand zukünftiger Forschung sind.
Mit Anti-Amyloid-Therapien stehen inzwischen Behandlungsansätze zur Verfügung, die bei sorgfältig ausgewählten Menschen mit früher Alzheimer-Krankheit biologische Krankheitsprozesse beeinflussen und den klinischen Verlauf verlangsamen können.
Gleichzeitig ist eine realistische Einordnung entscheidend:
Alzheimer ist weiterhin nicht heilbar.
Die derzeit verfügbaren krankheitsmodifizierenden Therapien sind nicht für alle Menschen mit Alzheimer geeignet. Sie können mit relevanten Risiken verbunden sein und bereits verlorene kognitive Fähigkeiten nicht wiederherstellen.
Viele weitere Forschungsansätze befinden sich erst in klinischen Studien.
Ob und wann daraus zugelassene Behandlungen entstehen, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Fazit: Die Demenzforschung verändert Diagnostik und Therapie
Die Demenzforschung befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase.
Neue Biomarker ermöglichen einen immer genaueren Blick auf biologische Veränderungen der Alzheimer-Krankheit. Krankheitsmodifizierende Therapien zeigen erstmals, dass bestimmte Krankheitsprozesse gezielt therapeutisch beeinflusst werden können.
Gleichzeitig gewinnen Frühdiagnostik, personalisierte Medizin, Prävention, künstliche Intelligenz und Versorgungsforschung an Bedeutung.
Trotz dieser Fortschritte bleibt eine realistische Einordnung wichtig:
Alzheimer und andere Demenzerkrankungen sind komplexe Erkrankungen. Alzheimer ist derzeit nicht heilbar, und kein einzelner Biomarker oder Bluttest beantwortet für sich allein alle diagnostischen Fragen.
Für Betroffene und Angehörige bedeutet der wissenschaftliche Fortschritt dennoch, dass Diagnostik und Therapie zunehmend differenzierter werden.
Wer bei sich selbst oder einem Angehörigen zunehmende Veränderungen von Gedächtnis, Orientierung, Sprache oder anderen kognitiven Fähigkeiten bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen.
Häufige Fragen zur Demenzforschung
Gibt es inzwischen Medikamente, die Alzheimer verlangsamen können?
Ja. Bestimmte Anti-Amyloid-Antikörper können bei sorgfältig ausgewählten Menschen mit früher Alzheimer-Krankheit das Fortschreiten kognitiver und funktioneller Beeinträchtigungen verlangsamen.
Sie heilen Alzheimer jedoch nicht und sind nicht für alle Betroffenen geeignet.
Kann Alzheimer mit einem Bluttest festgestellt werden?
Blutbasierte Alzheimer-Biomarker haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht.
Ein auffälliger Biomarker allein bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Demenz vorliegt. Die Ergebnisse müssen im Zusammenhang mit Beschwerden und weiteren medizinischen Untersuchungen beurteilt werden.
Kann Alzheimer geheilt werden?
Nein. Alzheimer ist derzeit nicht heilbar.
Neue Therapien können bestimmte Krankheitsprozesse beeinflussen und bei ausgewählten Patientinnen und Patienten das Fortschreiten verlangsamen.
Kann man einer Demenz vorbeugen?
Das persönliche Demenzrisiko kann durch verschiedene beeinflussbare Faktoren mitbestimmt werden. Eine vollständige Verhinderung einer Demenzerkrankung kann jedoch nicht garantiert werden.
Deshalb ist Risikoreduktion die medizinisch präzisere Bezeichnung.
Welche Forschungsbereiche sind derzeit besonders wichtig?
Zu den besonders dynamischen Forschungsgebieten gehören Anti-Amyloid-Therapien, Tau-Therapien, Blutbiomarker, Präzisionsmedizin, Neuroinflammation, Genetik, digitale Diagnostik, Demenzprävention sowie Versorgungs- und Angehörigenforschung.
Wissenschaftliche Grundlagen und weiterführende Informationen
Die medizinischen Informationen dieser Seite orientieren sich insbesondere an aktuellen Leitlinien und Veröffentlichungen folgender Institutionen:
- S3-Leitlinie Demenzen – DGPPN/DGN
- Aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Prävention von Demenzerkrankungen.
- National Institute on Aging – Alzheimer’s Disease and Related Dementias Research
- Aktueller Überblick über internationale Forschungsfortschritte zu Therapie, Biomarkern, Krankheitsmechanismen, Prävention und Versorgung.
- European Medicines Agency – Leqembi
- Europäische Fachinformationen zur Zulassung, Anwendung und Sicherheit von Lecanemab.
- The Lancet Commission – Dementia prevention, intervention and care 2024
- Internationale wissenschaftliche Übersicht zu beeinflussbaren Demenzrisikofaktoren, Prävention, Intervention und Versorgung.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung.
Bei neu auftretenden oder zunehmenden kognitiven Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

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