Die „menschliche Überlebensstrategie“ von dramatischen Ereignissen befindet sich im Stammhirn. Die Reaktionen können Kampf, Flucht oder Erstarrung sein. Es gibt aber Situationen im Leben, welche für eine Person eine extreme Bedrohung oder Lebensgefahr darstellen, aus denen es kein Entkommen gibt. Diese schweren körperlichen und/oder seelischen Verletzungen werden als Trauma bezeichnet.

Treten unmittelbar nach einem Trauma Symptome wie starke Gefühlsschwankungen oder Stressverhalten wie Unruhe, Überaktivität, Desorientierung auf, so spricht man von einer akuten Belastungsreaktion (ICD 10)

Halten diese Symptome aber über einen längeren Zeitraum an, so entwickelt sich daraus eine Posttraumatische Belastungsstörung. Typische Merkmale sind plötzliches Wiederauftauchen von Bildern – sogenannte „flash backs“, Albträume, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Rückzug und Vermeidungsverhalten. Angst, Depression und Suizidgedanken treten verstärkt auf (ICD 10).

Welche Auswirkungen hat ein Traum auf unser Gehirn?

Grundsätzlich nehmen wir alle Informationen über unsere Sinne auf. Diese werden dann mit bereits vorhandenen Informationen verknüpft. Eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung spielt auch unser limbisches System („emotionales Gehirn“). Es besteht aus dem Hippocampus (dort liegt auch der Beginn einer Alzheimer-Demenz) und dem Mandelkern.

Der Mandelkern (Fachbezeichnung Amygdala) vermittelt das Empfinden von Gefahr und schützt den Organismus davor, sich in lebensbedrohliche Situationen zu begeben. Sobald er eine gefährliche Situation wahrnimmt, schlägt er Alarm mit Auswirkungen auf den gesamten Körper. Es kommt zur Ausschüttung von aktivierenden Botenstoffen (Neurotransmittern) wie Cortisol, Noradrenalin und Acetylcholin als Vorbereitung für Kampf oder Flucht. Da es bei einem Trauma aber kein Entrinnen aus der gefährlichen Situation gibt, kommt es zu einer dauerhaften Bereitschaft des Alarmzentrums. Der Mandelkern als emotionaler Gedächtnisspeicher reagiert dann im Alltag sensibler als zuvor.


Wird frühzeitig mit einer Therapie begonnen, so können diese Veränderungen rückgängig gemacht werden.

Prof. Dr. Joachim Bauer

„Kommt es zu keiner frühzeitigen Therapie (bei vielen Patienten wird die Diagnose leider nicht einmal erkannt), so kann dies bei der posttraumatischen Belastungsstörung zusätzliche neurobiologische Spätfolgen nach sich ziehen: Bei einem Teil der Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung kommt es im Verlauf der Jahre zu einem Untergang von Nervenzellen und einer Substanzminderung (Degeneration) in Hirnregionen, die eine entscheidende Funktion für die Gedächtnisfunktion haben (Amygdala und Hippocampus)….“
(aus „Das Gedächtnis des Körpers“ von Prof. Dr. Joachim Bauer)

Welche Auswirkungen Spätfolgen von Traumatisierungen bei Menschen einer Alzheimer-Demenz haben können, ist Forschungsgegenstand einer laufenden Studie der Universität Heidelberg.

Wie unterstützen wir Menschen mit Demenz, welche traumatische Erfahrungen erlebt haben?

Durch Verständnis und Empathie fühlen sich die Menschen angenommen und behalten ihre Würde. Traumatische Erfahrungen können Auslöser für Unsicherheit und Angst sein. Wir vermitteln Sicherheit und Geborgenheit durch eine besonders sensible Zuwendung, versuchen geschützten Rahmen und Raum zu schaffen und bieten verstärkt entsprechenden Körperkontakt an.

Gleichzeitig lenken wir den Blick auf die noch vorhandenen Ressourcen der Personen, um deren Selbstwirksamkeit zu stärken. Auch kleine mentale Achtsamkeitsübungen werden angewendet, um Ruhe und Stabilität zu unterstützen.

Im Rahmen meines Studiums an der DonauUni Krems habe ich zur Fragestellung „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Trauma und Demenz“ ein Video produziert.

Hier ist ein Auszug aus meinem Drehbuch:

  • Eine junge Frau erleidet eine persönliche Traumatisierung im Krieg.
  • Der zweite Abschnitt skizziert anhand von gewöhnlichen Alltagssituationen mögliche Auswirkungen vom erlittenen Kriegstrauma bei dieser Frau. Bereits durch kleinste Auslöser werden die im Unterbewusstsein gespeicherten und stark emotional besetzten Kriegsgeschehen wieder als real erlebt (flash backs).
  • Der dritte Teil meiner Darstellung beschäftigt sich mit der These, ob schwere Traumata ein erhöhtes Risiko für eine Demenz aufweisen.
  • In der Variante A wird hypothetisch dargestellt, dass unverarbeitete Traumata im Verlauf einer Alzheimer-Demenz hervortreten, als neue bzw. letzte Chance das Erlebte zu verarbeiten.
  • In der Variante B wird angenommen, dass durch Aufarbeitung des Erlebten ein gutes Altern möglich wird. Je intensiver die Auseinandersetzung mit Krisensituationen erfolgt, desto stabiler tritt man neuen Herausforderungen im Leben entgegen (Resilienz). Gezeigt wird in kurzen Sequenzen, dass mehrere Möglichkeiten dafür zur Verfügung stehen.
  • Die letzte Szene in diesem Film zeigt eine ältere Frau, die in ihrem Leben gelernt hat, mit schweren Schicksalsschlägen umzugehen und wie sie daraus Kraft schöpfen konnte für eine positive Sicht auf ihren letzten Lebensabschnitt.

Viel Vergnügen!