Demenz Diagnose: So läuft die Abklärung ab – Tests, Untersuchungen und Biomarker

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Demenz Diagnose: So läuft die Abklärung ab – Tests, Untersuchungen und Biomarker
Ärztin bespricht Befund einer Demenz-Diagnose mit Patient und Angehöriger

Kurzfassung: Die Diagnose einer Demenz ist keine Einzeluntersuchung, sondern ein strukturierter Prozess aus Gespräch (inklusive der Angehörigen), körperlicher und neurologischer Untersuchung, standardisierten Gedächtnistests, Labor und Bildgebung des Gehirns. Ziel ist es, die Demenz zu bestätigen, ihre Ursache zu bestimmen und behandelbare Ursachen auszuschließen. Eine frühe Abklärung ist sinnvoll, weil sie Behandlung, Planung und Entlastung ermöglicht (S3-Leitlinie Demenzen 2026; Dubois et al., 2016).

Das Wichtigste in Kürze

Wie läuft die Abklärung ab? Die Diagnose ist ein stufenweiser Prozess aus Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen, körperlicher Untersuchung, Gedächtnistests, Labor und Bildgebung des Gehirns.

Wann abklären lassen? Bei zunehmendem Vergessen, Schwierigkeiten im Alltag, Orientierungsproblemen oder auffälligen Verhaltensänderungen sollte die Hausärztin oder der Hausarzt angesprochen werden.

Warum früh erkennen? Eine frühe Diagnose ermöglicht, behandelbare Ursachen auszuschließen, rechtzeitig Therapien zu beginnen, Vorsorge zu planen und Angehörige zu entlasten.

1. Was bedeutet „Demenz“ medizinisch?

Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen Gedächtnis, Denken, Orientierung und Urteilsfähigkeit so stark nachlassen, dass der Alltag beeinträchtigt ist. Die ICD-10 verlangt dafür eine Abnahme des Gedächtnisses und weiterer kognitiver Fähigkeiten, die mindestens sechs Monate besteht und die Alltagsbewältigung einschränkt (ICD-10). In der neueren Klassifikation (ICD-11 bzw. DSM-5) spricht man von „majorer neurokognitiver Störung“ (ICD-11 / DSM-5).

Nach Angaben der WHO ist die Alzheimer-Krankheit mit etwa 60–70 % die häufigste Ursache, gefolgt von vaskulären Demenzen, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporalen Demenzen (WHO). In Österreich leben laut Demenzbericht 2025 rund 170.000 Menschen mit Demenz, knapp zwei Drittel davon Frauen; bis 2050 könnte die Zahl auf über 290.000 steigen (Demenzbericht 2025).

Wichtig: Gedächtnislücken allein bedeuten nicht automatisch Demenz.

Auch andere Ursachen können demenzähnliche Beschwerden auslösen:

  • Depression
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Delir

Genau deshalb ist eine systematische Diagnostik nötig (S3-Leitlinie Demenzen 2026).

2. Wann sollte man eine Abklärung veranlassen?

Typische Warnzeichen, die ärztlich angeschaut werden sollten:

  • zunehmendes Vergessen kürzlicher Ereignisse, Termine oder Gespräche, das nicht nur gelegentlich auftritt
  • Schwierigkeiten bei gewohnten Tätigkeiten (Finanzen, Kochen, Medikamente)
  • Orientierungsprobleme in vertrauter Umgebung
  • Wortfindungsstörungen und Probleme, Gesprächen zu folgen
  • auffallende Veränderungen von Persönlichkeit, Antrieb oder Verhalten

Auch wenn Betroffene selbst eine Gedächtnisveränderung bemerken (subjektive kognitive Beeinträchtigung), kann eine Abklärung sinnvoll sein, vor allem bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Sorgen von Angehörigen (Jessen et al., 2014). Ein erster Ansprechpartner ist die Hausärztin bzw. der Hausarzt, danach Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, Psychiatrie oder Geriatrie sowie Gedächtnisambulanzen.

3. Die Demenz-Diagnose Schritt für Schritt

Die deutschsprachige S3-Leitlinie „Demenzen“ (DGPPN/DGN) beschreibt ein gestuftes Vorgehen (S3-Leitlinie Demenzen 2026):

  1. Anamnese und Fremdanamnese. Die Ärztin oder der Arzt erfragt Beschwerden, Verlauf, Vorerkrankungen, Medikamente, Alkoholkonsum und familiäre Vorbelastung. Die Sicht von Angehörigen ist zentral, weil Betroffene Defizite oft nicht vollständig wahrnehmen.
  2. Körperliche und neurologische Untersuchung. Sie liefert Hinweise auf Durchblutungsstörungen, Parkinson-Symptome, Gangstörungen oder andere Ursachen.
  3. Kognitive Testung. Standardisierte Tests objektivieren die Leistungsfähigkeit (siehe unten).
  4. Erfassung von Alltagsfähigkeiten, Stimmung und Verhalten. Depression, Angst und Verhaltensänderungen werden mitbeurteilt.
  5. Labor und Bildgebung. Ausschluss behandelbarer Ursachen und Darstellung von Gehirnveränderungen.
  6. Erweiterte Diagnostik bei unklaren Fällen. Dazu zählen Liquoruntersuchung, spezielle Biomarker oder PET.
  7. Diagnosegespräch und Beratung. Die Befunde werden besprochen, Behandlung und Unterstützung geplant.

4. Gedächtnistests: MMSE, MoCA, DemTect & Co.

Kognitive Kurztests sind ein Baustein, aber keine Diagnose für sich. Häufig eingesetzt werden:

  • MMSE (Mini-Mental-Status-Test): 30 Punkte, prüft Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprache. Der Klassiker, aber bei sehr leichten Störungen wenig empfindlich (Folstein et al., 1975).
  • MoCA (Montreal Cognitive Assessment): Er ist für leichte kognitive Störungen sensitiver und prüft zusätzlich Exekutivfunktionen wie Planen, Problemlösen und Umstellungsfähigkeit. Ein Wert unter 26 von 30 Punkten gilt in der Originalarbeit als auffällig (Nasreddine et al., 2005).
  • DemTect: Im deutschsprachigen Raum verbreitet, gut geeignet zur Unterscheidung von leichter kognitiver Störung und Demenz (Kalbe et al., 2004).
  • Uhrentest: Schneller Zusatztest, der Planungs- und visuell-räumliche Fähigkeiten abbildet.

Die Ergebnisse hängen von Bildung, Sprache, Tagesform, Depression oder Sehbehinderung ab. Deshalb werden sie immer im Zusammenhang interpretiert und bei Unsicherheit durch eine ausführliche neuropsychologische Testung ergänzt (S3-Leitlinie Demenzen 2026).

5. Bildgebung und Labor

Labor:

Empfohlen werden unter anderem folgende Laborwerte:

  • Blutbild
  • Elektrolyte
  • Kalzium
  • Blutzucker
  • Nieren- und Leberwerte
  • TSH
  • Vitamin B12

So lassen sich behandelbare Ursachen kognitiver Störungen erkennen (S3-Leitlinie Demenzen 2026).

Strukturelle Bildgebung (MRT bzw. CT): Die Leitlinie empfiehlt eine Bildgebung des Gehirns, bevorzugt die MRT. Sie zeigt Durchblutungsschäden, Tumoren, Blutungen, einen Normaldruckhydrozephalus (eine behandelbare Störung des Hirnwasserabflusses) und Muster der Hirnatrophie, etwa im Hippocampus bei der Alzheimer-Krankheit (S3-Leitlinie Demenzen 2026).

6. Biomarker: Liquor, Bluttests, PET

Die Alzheimer-Diagnostik hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt:

  • Liquoruntersuchung (Nervenwasser): Beta-Amyloid und Tau-Proteine können Hinweise auf eine Alzheimer-Pathologie liefern und werden bei unklaren oder früh beginnenden Fällen eingesetzt (S3-Leitlinie Demenzen 2026).
  • Blut-Biomarker: Vor allem phosphoryliertes Tau (p-tau217) zeigte in Studien eine hohe Genauigkeit bei der Erkennung von Alzheimer-Pathologie (Palmqvist et al., 2024). In den USA wurde 2025 erstmals ein Bluttest dieser Art zugelassen. Im Oktober 2025 erhielt mit dem Elecsys-pTau181-Test von Roche ein zweiter Bluttest die FDA-Zulassung, diesmal speziell für den Einsatz in der hausärztlichen Primärversorgung zum Ausschluss einer Alzheimer-Pathologie. Im klinischen Alltag in Österreich ist die Verfügbarkeit noch begrenzt; Sie sollten nur im Rahmen einer fachärztlichen Abklärung bewertet werden, nicht als Selbsttest.
  • PET (Amyloid-/Tau-PET, FDG-PET): Sie wird in ausgewählten Fällen eingesetzt, etwa bei diagnostischer Unsicherheit.

Einordnung: Die Alzheimer’s Association schlug 2024 eine rein biologische Definition der Alzheimer-Krankheit vor (Jack et al., 2024). Die International Working Group (IWG) betonte dagegen, dass die Diagnose weiterhin klinisch-biologisch erfolgen sollte, weil Biomarker bei Menschen ohne Symptome nicht automatisch eine Erkrankung bedeuten (Dubois et al., 2024). Für Betroffene heißt das: Ein Biomarker-Befund wird immer gemeinsam mit Symptomen und Alltagsfunktion beurteilt.

Das hat auch therapeutische Relevanz: Antikörper gegen Amyloid wie Lecanemab verlangsamten in einer Phase-3-Studie bei früher Alzheimer-Krankheit den kognitiven Abbau moderat, mit relevanten Nebenwirkungsrisiken, den sogenannten ARIA (Hirnschwellungen und Mikroblutungen im Gehirn) (van Dyck et al., 2023). Die Zulassung in der EU erfolgte 2025 mit Einschränkungen; die aktuelle Verfügbarkeit sollte bei einer Gedächtnisambulanz erfragt werden.

7. Differenzialdiagnose: Welche Demenzform liegt vor?

Die Ursache bestimmt Therapie und Verlauf. Wichtige Formen und ihre Kriterien:

  • Alzheimer-Krankheit: schleichender Beginn, früh auftretende Merkfähigkeitsstörung (Jack et al., 2024; Dubois et al., 2024).
  • Vaskuläre Demenz: Zusammenhang mit Schlaganfällen oder Gefäßschäden, oft stufenweiser Verlauf (S3-Leitlinie Demenzen 2026).
  • Lewy-Körper-Demenz: schwankende Aufmerksamkeit, visuelle Halluzinationen, Parkinson-Zeichen, REM-Schlaf-Verhaltensstörung, also lautes Sprechen oder Bewegen im Schlaf beim Ausleben von Träumen (McKeith et al., 2017).
  • Frontotemporale Demenz: Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen oder Sprachstörungen, oft früherer Beginn (Rascovsky et al., 2011).
  • Gemischte Formen sind im höheren Alter häufig.

8. Was ist mit „leichter kognitiver Störung“ (MCI)?

Bei einer leichten kognitiven Störung sind Gedächtnis oder Denken messbar vermindert, der Alltag ist aber weitgehend selbstständig möglich. Ein Teil der Betroffenen entwickelt eine Demenz: In einer Leitlinie der American Academy of Neurology lag das kumulative Risiko bei über 65-Jährigen mit MCI nach zwei Jahren bei etwa 15 % (Petersen et al., 2018). Andere bleiben stabil oder bessern sich, etwa nach Behandlung einer Depression oder Schlafstörung. Verlaufskontrollen sind daher wichtig.

9. Warum sich eine frühe Diagnose lohnt

Eine zeitgerechte Diagnose ermöglicht (Dubois et al., 2016):

  • Ausschluss und Behandlung reversibler Ursachen
  • frühzeitigen Beginn medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapien
  • Planung von Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Sachwalterschaftsalternativen, solange die Person mitentscheiden kann
  • Entlastung und Beratung für Angehörige
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Die Lancet-Kommission 2024 nennt 14 beeinflussbare Risikofaktoren (u. a. Bluthochdruck, Hörverlust, Bewegungsmangel, Diabetes, soziale Isolation) und schätzt, dass rund 45 % der Demenzfälle theoretisch vermeidbar oder aufschiebbar wären (Livingston et al., 2024).

Die österreichische Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“ setzt ebenfalls auf frühe Diagnostik und abgestimmte Versorgung (Demenzstrategie).

10. Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich Demenz selbst per Online-Test diagnostizieren?

Nein. Online-Tests und Checklisten können sensibilisieren, ersetzen aber keine ärztliche Diagnostik.

Wer stellt die Diagnose in Österreich?

Meist erfolgt die Erstabklärung beim Hausarzt, die Diagnosesicherung bei Fachärzten für Neurologie, Psychiatrie oder Geriatrie bzw. in einer Gedächtnisambulanz.

Wie lange dauert die Abklärung?

Je nach Verfügbarkeit von MRT, Labor und Testung meist einige Wochen. Komplexe Fälle brauchen länger.

Ist ein auffälliger Gedächtnistest gleichbedeutend mit Demenz?

Nein. Das Ergebnis ist ein Hinweis und wird mit Anamnese, Alltagsfunktion, Bildgebung und Laborwerten zusammen bewertet (S3-Leitlinie Demenzen 2026).

Kann man Demenz heilen?

Die meisten Demenzformen sind bislang nicht heilbar. Manche Ursachen kognitiver Störungen (z. B. Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenstörungen) sind jedoch behandelbar, und der Verlauf lässt sich durch Therapie und Risikofaktor-Management beeinflussen (S3-Leitlinie Demenzen 2026; Livingston et al., 2024).

Wo finde ich Hilfe als Angehörige?

Beratungsstellen, Gedächtnisambulanzen und Angehörigenberatung unterstützen bei Diagnosegespräch, Alltag und Entlastung. Einen persönlichen Einstieg bietet die Beratung von FELiX Demenzbegleitung.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf Demenz wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt oder eine Gedächtnisambulanz.

11. Quellen

  1. DGPPN, DGN (Hrsg.): S3-Leitlinie „Demenzen“ (Living Guideline), Version 6.1, 2026 (AWMF 038-013)
  2. Dubois B, et al.: Timely diagnosis for Alzheimer’s disease: a literature review on benefits and challenges. J Alzheimers Dis 2016;49(3):617–631
  3. WHO / BfArM: ICD-10-WHO, Kapitel F00–F03 (Demenz)
  4. WHO: ICD-11 (6D80–6D8Z); American Psychiatric Association: DSM-5, Major Neurocognitive Disorder, 2013
  5. WHO: Dementia – Fact sheet
  6. BMASGPK / Gesundheit Österreich GmbH: Demenzbericht 2025 (23.05.2025)
  7. Jessen F, et al.: A conceptual framework for research on subjective cognitive decline in preclinical Alzheimer’s disease. Alzheimers Dement 2014;10(6):844–852
  8. Folstein MF, et al.: „Mini-mental state“. J Psychiatr Res 1975;12(3):189–198
  9. Nasreddine ZS, et al.: The Montreal Cognitive Assessment, MoCA. J Am Geriatr Soc 2005;53(4):695–699
  10. Kalbe E, et al.: DemTect: a new, sensitive cognitive screening test. Int J Geriatr Psychiatry 2004;19(2):136–143
  11. Palmqvist S, et al.: Blood biomarkers to detect Alzheimer disease in primary care and secondary care. JAMA 2024
  12. Jack CR Jr, et al.: Revised criteria for diagnosis and staging of Alzheimer’s disease. Alzheimers Dement 2024;20(8):5143–5169
  13. Dubois B, et al.: Alzheimer disease as a clinical-biological construct – an IWG recommendation. JAMA Neurol 2024;81(12):1304
  14. van Dyck CH, et al.: Lecanemab in early Alzheimer’s disease. N Engl J Med 2023;388(1):9–21
  15. McKeith IG, et al.: Diagnosis and management of dementia with Lewy bodies. Neurology 2017;89(1):88–100
  16. Rascovsky K, et al.: Sensitivity of revised diagnostic criteria for the behavioural variant of frontotemporal dementia. Brain 2011;134(9):2456–2477
  17. Petersen RC, et al.: Practice guideline update summary: mild cognitive impairment. Neurology 2018;90(3):126–135
  18. Dubois B, et al.: Timely diagnosis for Alzheimer’s disease: a literature review on benefits and challenges. J Alzheimers Dis 2016;49(3):617–631
  19. Livingston G, et al.: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet 2024;404(10452):572–628
  20. Bundesministerium: Österreichische Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“

Medizinischer Hinweis

Die Inhalte dieser Seite und der FELIX Kognitions-Check dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle medizinische Beratung. Bei neu auftretenden, zunehmenden oder den Alltag beeinträchtigenden Veränderungen von Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Verhalten oder anderen kognitiven Fähigkeiten sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

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