Andrea Stix
akademische Demenzexpertin
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Demenz Krisenhotline

Digitale Welt und Demenz

Hast du dir schon mal überlegt, wie sich Menschen mit Demenz in der Welt von Smartphone, Tablets & Co zu Recht finden?
Vielleicht gehörst du auch zu den Personen, die schon mal gelesen haben, dass Betroffene unter enormen Stress stehen, wenn der Alltag zur Herausforderung wird.
Dazu gehören mehr als Körperpflege, die richtige Auswahl der Kleidung oder die Einhaltung von Terminen.

Jedes Kind wächst heute mit Internet und App auf. Im Berufs- und Freizeitleben verwenden wir die digitalen Medien ganz selbstverständlich. Von der Krankheit Betroffene können sich in der automatisierten Welt nur sehr schwer orientieren.

Digitale Welt und Demenz. Wenn jemand nicht mehr sein Mobiltelefon bedienen kann, verliert er zusehends den Kontakt zur Außenwelt. Vielleicht schafft der Betroffene zu Beginn noch, Gespräche entgegen zu nehmen. Aber Freunde oder Kollegen anzurufen oder gar Nachrichten abzuhören oder zu lesen kann möglicherweise schon zu Beginn der Krankheit eine unüberwindbare Hürde sein.

Auch in anderen Alltagsbereichen haben Automaten die menschliche Arbeitskraft ersetzt. Die Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels wird unmöglich, wenn man keine Fahrkarte lösen kann. Selbst für gesunde Menschen die nur ab und zu unterwegs sind ist dies keine einfache Aufgabe. Du musst gleich mehrere Schritte beachten: zunächst die Fahrtstrecke eingeben, dann den Tag und ev. eine Ermäßigung eingeben und schließlich noch die Handhabe mit der Bezahlung. Solch komplexe Anforderungen sind für Menschen mit Demenz oft eine große Überforderung.

Hast du schon einmal den PIN-Code deiner Bankomatkarte vergessen?

Kannst du dich noch erinnern, wie verzweifelt oder verärgert du warst? Spätestens am nächsten Tag hast du aber deine Geheimzahl wieder im Kopf und deine Welt ist wieder in Ordnung. Menschen mit Demenz vergessen nicht nur die persönliche Identifikationsnummer, sondern auch, wie man vom Automaten Geld behebt oder einzahlt.
Sie verlernen mit der Zeit wie man eine Kaffeemaschine oder Waschmaschine bedient. Und selbst der Fernseher – für viele Menschen der einzige Kontakt zur Außenwelt – bleibt stumm, weil die Handhabung mit der Fernbedienung ein Problem darstellt.

Digitale Welt und Demenz. Damit Menschen mit Demenz ebenfalls die Vorteile der Technik nutzen können, braucht es die Achtsamkeit der begleitenden und pflegenden Bezugspersonen.

Ein paar Denkanstöße aus meiner Praxis:

  • regelmäßige Zahlungen auf Abbuchung oder Einzugsermächtigung umstellen
  • Taschengeld statt Behebung vom Automaten
  • Gutscheine besorgen für den Frisör, Kaffeehausbesuch oder das Lebensmittelgeschäft
  • Lieblingsprogramm sowie Lautstärke am Fernseher einstellen, sodass der Betroffene nur mehr ein- und ausschalten muss
  • Sprechende Uhr und Haushaltsgeräte
  • Mobiltelefone mit großen Tasten und Notruftaste besorgen

Gemeinsam mit dem Betroffenen Lösungen entwickeln, bei denen er auf seine Lebenserfahrung zurückgreifen kann und die seinem Krankheitsstadium entsprechen. Mit Unterstützung und viel Verständnis für die Problematik ist auch für Menschen mit Demenz ein gutes Leben in unserer digitalen Welt möglich.