Demenz und Weinerlichkeit: Was steckt dahinter?

Demenz und Weinerlichkeit ist ein Verhalten, dass oft bei an Demenz erkrankten Personen vorkommt

Neben Aggressivität zählen auch affektive Störungen zu häufigen Begleiterscheinungen bei einer Demenzerkrankung. Weinerlichkeit ist ein Verhalten, dass oft bei an Demenz erkrankten Personen vorkommt. Angehörige stehen diesem Gefühlsausbruch meisten hilflos gegenüber.

Weshalb weinen Menschen mit Demenz häufig?

Es gibt unzählige Faktoren, weshalb Tränen fließen. Zu Beginn der Erkrankung kann Verzweiflung und Schmerz über den Verlust der kognitiven Fähigkeiten stecken. Oft verbirgt sich hinter dieser Gefühlsäußerung Angst und Unsicherheit oder eine lieblose Behandlung durch das Umfeld. Das Bewusst werden, den Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe zu schaffen, kann Verzagtheit und Niedergeschlagenheit hervorrufen.

Menschen mit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf können sich zunehmend nicht mehr verbal artikulieren und drücken ihr Befinden verstärkt über Gefühle aus. Häufiges Weinen kann ein Zeichen körperlichen Unwohlseins sein. Eine schlechte Lage aber auch drückende Kleidung können genauso die Weinerlichkeit hervorrufen wie Schmerzen, Hunger oder Verstopfung. Ein weiterer Grund sind Umweltfaktoren wie Lärm oder fehlende Orientierung. Ebenso kann dieses Gefühl auch Zeichen der Überforderung oder von Langeweile oder Einsamkeit sein.

Wie kann man Betroffene, die viel weinen, unterstützen?

Auch bei Weinerlichkeit gilt nach der Ursache für dieses Verhalten zu suchen:

  • Welches Bedürfnis steckt hinter dieser Gefühlsäußerung?
  • Ist die erkrankte Person deprimiert, durstig oder ängstlich?
  • Fühlt sie sich vernachlässigt oder gestresst?
  • In welchem Zusammenhang tritt dieses Verhalten auf
  • Überforderung durch „Redeschwall“ der Begleitperson?
  • Spontane körperliche Berührung ohne Vorwarnung?
  • Permanentes Hinweisen auf kognitive Defizite?
  • Ungeduld und Frust des Pflegenden?

Grundsätzlich gilt es auf das Bedürfnis der betreffenden Person zu achten und entsprechend Abhilfe zu schaffen. Gute Beobachtung der Gestik und Mimik kann Hinweise für das aktuelle Verhalten geben. Wichtig ist, das vorhandene Gefühl und damit die erkrankte Person ernst zu nehmen, Geborgenheit und Sicherheit sowie Wertschätzung zu vermitteln und bei Verdacht auf körperliche Leiden für ärztliche Abklärung zu sorgen.

Laut rufen oder bitterlich weinen? – ein Praxisbeispiel von Andrea Stix

Frau Hilde (Hinweis der Autorin: Name aus Datenschutzgründen geändert) wohnte schon seit einigen Jahren aufgrund ihrer körperlichen und kognitiven Einschränkungen in einem Pflegeheim. Sie konnte sich auf der Station noch im Rollstuhl sitzend selbst fortbewegen. Beim ersten Zusammentreffen erfuhr ich vom Angehörigen neben ein paar biografischen Hinweisen auch, dass seine Mutter aufgrund ihrer ständigen lauten Äußerungen bei den MitbewohnerInnen unbeliebt war. Sollte ich dieser Bemerkung Bedeutung zumessen, wo Frau Hilde doch bisher vollkommen still war?

In ihrem Zimmer angekommen änderte sich das Verhalten von Frau Hilde. Es dauerte einige Augenblicke, bis ich spürte, dass hier nicht ein lautes Rufen zu vernehmen war, sondern ein tiefes bitteres Schluchzen. Ich ging auf Augenhöhe und fragte sie leise, weshalb sie denn weint. Frau Hilde hielt inne und blickte mich an. In diesem Moment war eine tiefe Verbundenheit zwischen und zu spüren. 

Ich konnte ihr in diesem Augenblick die Angst nehmen und Geborgenheit schenken. Dieses bitterliche Weinen war ein verdrängtes dramatisches Geschehen in ihrem Leben, das jetzt in der Demenz mit Hilfe der Kommunikationsmethode der Validation bearbeitet werden wollte.

Weiterführende Infos gibt’s auch im nachfolgenden Blog „Herausfordernde Verhaltensweisen bei Demenz“

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