Wenn plötzlich der Mensch an deiner Seite fehlt, dann ist nichts mehr wie es einmal war.

Die Tragik und das Leid, welche in diesen Worten enthalten sind, fahren wie ein Tsunami über den Angehörigen. Zurück bleiben Schmerz, Wut und Hilflosigkeit. Unerträglicher Schmerz der kaum auszuhalten ist. Wut und die Frage weshalb gerade wir. Hilflosigkeit gegenüber dem unabänderlichen Schicksal.
Wenn plötzlich der Mensch an deiner Seite fehlt, mit dem du bisher dein Leben geteilt hast, dann ist dies die größte Herausforderung einer Partnerschaft. Oft schon lange bevor die Diagnose gestellt ist, erleben Angehörige, dass sich der geliebte Mensch an seiner Seite verändert. Sei es weil er permanent seine Brille verlegt, antriebslos durch den Tag geht oder sich an vereinbarte Termine nicht erinnern kann.

Bist du ein Angehöriger, deren Weggefährte an Demenz erkrankt ist?

  • Übersteigt die Belastung manchmal deine Grenzen?
  • Spürst du manchmal Angst, weil du nicht weißt, was die Krankheit noch mit sich bringt?
  • Ist Einsamkeit dein neuer Verbündeter?
  • Die Krankheit lässt dir keine Zeit für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse?
  • Freunde und Bekannte haben sich zurückgezogen?
  • Du hast zusätzliche Aufgaben und Pflichten für deinen kranken Partner übernommen?

Wenn plötzlich der Mensch an deiner Seite fehlt, dann bist du gezwungen mit dieser Katastrophe irgendwie fertig zu werden. Das sagen mir oft Angehörige, die schon froh sind, wenn sie sich einmal alles von der Seele reden können. Was ich bieten kann ist ein offenes Ohr, Empathie sowie Raum und Zeit für Gefühle. Ratschläge zu erteilen wäre eine Anmaßung, denn die Angehörigen sind die wahren und einzigen Experten in ihrer Situation.

Es gibt aber auch Angehörige, welche nicht die Kraft für die tägliche Konfrontation mit der Krankheit haben. Ein Weg damit umzugehen ist das „schön“ reden wie: es ist doch alles nicht so schlimm oder das wird schon wieder. Sie sorgen zwar dafür, dass der Partner eine gute Pflege hat. Sie besuchen aber selten und beteiligen sich nicht an der Betreuung. Niemanden steht es zu, diese Vorgangsweise zu kritisieren. Es ist eine genauso berechtigte Überlebensstrategie.

Eine andere Möglichkeit mit dieser Herausforderung fertig zu werden ist, sich in eine „bessere“ Welt zu flüchten. Angehörige bauen sich – manchmal auch mit einem neuen Lebenspartner – eine heile Welt auf, während der erkrankte Mensch von geschultem Pflegepersonal betreut wird. Für dieses Vorgehen ernten sie von ihrer Umgebung oft Spott und Ausgrenzung. Aber auch diese Variante kann helfen, die Bürde der Krankheit auszuhalten.

Wenn plötzlich der Mensch an deiner Seite fehlt, dann bleiben nur die Erinnerungen an eine schöne gemeinsame Zeit. Auch ich kann dir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, aber ich kann dich in deinem Schmerz und deiner Trauer begleiten.