Die Diagnose trifft dich als Angehöriger wie ein Keulenschlag! Unzählige Gedanken schießen durch deinen Kopf: Wie soll ich dem Betroffenen helfen, wenn ich doch selbst nicht damit klar komme? Wie sag ich es den anderen? Wem überhaupt? Nur der Familie? Was ist mit den Freunden? Ist ein gutes Leben mit Demenz überhaupt möglich? Oder war’s das für unsere Beziehung?

Schwer angeschlagen sitzt du daheim und versuchst gegen die Verzweiflung und Hilflosigkeit anzukämpfen. Obwohl viele bekannte Gesichter um dich herum sind, fühlst du dich einsam wie nie zuvor in deinem Leben.

Weil es vielen Angehörigen so geht wie dir, will ich dir heute von Theo erzählen:

Theo hat Demenz in sein Leben integriert. Auch er war sehr traurig und niedergeschlagen, als der Arzt seiner Partnerin die Diagnose übermittelt hat. Aber er konnte und wollte diesen Schmerz nicht alleine tragen. Er hatte das große Bedürfnis seine Wut „weshalb gerade wir“ jemanden entgegen zu schleudern. Deshalb ist er nicht in seinen vier Wänden geblieben, sondern zu mir in die Beratung gekommen.

Theo hatte den Mut, über all das was ihn bewegt zu sprechen. Ich habe ihm aufmerksam zugehört, manchmal auch nachgefragt. Und nein, es gab kein Rezept von mir, wie er nun mit der Krankheit umgehen soll. Es steht mir nicht zu Anweisungen zu geben, wie er und seine Partnerin ab jetzt zu leben hätten. Jeder Krankheitsverlauf ist anders und jeder versucht so gut er kann mit der Krankheit und den Auswirkungen auf das Alltagsleben umzugehen.

Theo hat Demenz in sein Leben integriert. Er ist nicht in der Zurückgezogenheit geblieben, sondern hat einfach all das was da war an Verletzlichkeit, an Überforderung, an Angst, an Zorn geteilt. Und am Ende unseres ersten Gesprächs hat er sich mit den Worten verabschiedet „danke dass Sie mir zugehört haben“. Der Schmerz und viele Fragen bleiben, aber wenn du dir alles von der Seele sprichst, dann kann es sehr befreiend wirken. Es kann dich trösten und es kann dir Kraft geben wir den nächsten Schritt.

Bei seinem nächsten Besuch hatte Theo den Wunsch, mehr über die Krankheit zu erfahren. Er hat sich entschieden, trotz Demenz seine Partnerschaft zu leben. Heute unterstützen viele Menschen aus seinem Umfeld diese Entscheidung. Nach dem Motto“ gemeinsam statt einsam“ bieten sie Nachbarschaftshilfe an, die von Theo und seiner Partnerin gerne angenommen wird.

Theo hat Demenz in sein Leben integriert. Was du von ihm lernen kannst:

raus aus der Isolation, rein in die Gemeinschaft!

Weder du noch dein erkrankter Angehöriger haben sich die Krankheit ausgesucht. Ihr braucht euch also nicht dafür zu schämen. Ihr könnt und sollt darüber reden, an sozialen Aktivitäten teilnehmen und entsprechende Hilfsangebote annehmen. Je mehr Menschen nach draußen gehen und sich Hand in Hand der Krankheit in all ihren Herausforderungen stellen, desto besser gelingt die Eingliederung in der Gesellschaft.