Ist dafür bei den vielen Anforderungen, welche die Krankheit an die betreuenden Personen stellt, noch Platz? Was macht Qualität in der Betreuung eines Menschen mit Demenz aus?

Vorgegebene Standards wie sie bei einer Zertifizierung von Firmen oder Projekten zum Einsatz kommen sind der falsche Weg. Hier geht es um Menschen. Und jeder Mensch ist einzigartig. Daher ist auch die Betreuung von Betroffenen individuell. Mache dir bewusst, dass dies das wichtigste Qualitätsmerkmal in der Begleitung der Krankheit ist.
So kann zum Beispiel hinter dem Problemverhalten „herumlaufen“ einfach das Bedürfnis nach Bewegung oder nach Abbau von persönlichem Stress stehen. Ein Auslöser für dieses Verhalten kann auch der Wunsch nach Beschäftigung oder vielleicht sogar Schmerzen sein. Deine optimale Betreuung sollte daher nie von Annahmen und eigenen Wünschen oder Vorstellungen ausgehen, sondern immer von der aktuellen Situation und den Bedürfnissen der erkrankten Person.

 

Qualität in der Demenzbegleitung hat auch mit Haltung zu tun.

Wertschätzung, Empathie und Respekt sind Grundvoraussetzungen für eine optimale Unterstützung. Spürst du in deinem Inneren eine ablehnende Haltung gegenüber dieser großen Aufgabe? Dann wirst du dich nur schwer auf dein Gegenüber einstellen und so manche Tätigkeit widerwillig erledigen. Dies löst sehr oft in den erkrankten Personen Widerstand aus. Daraus entstehen dann oft Konflikte, die wiederum für Betreuungspersonen belastend sind.

Ein paar Gedanken, was Qualität in der Begleitung noch sein kann

  • Betroffene verlieren im Krankheitsverlauf Fähigkeit und Fertigkeiten. Vielleicht gelingt es dir die (noch) vorhandenen Ressourcen zu entdecken. Wenn du diese förderst, unterstützt du automatisch das Selbstwertgefühl bei der erkrankten Person.
  • Kognitive Beeinträchtigungen minimieren oft den Bereich an Beschäftigungsmöglichkeiten. Das emotionale Gedächtnis bleibt aber sehr lange erhalten. Versuche den Alltag mit den Sinnen zu gestalten. Du wirst staunen, was für Menschen mit Demenz noch möglich ist.
  • Trotz der Krankheit sind die Betroffenen bestrebt ihre Autonomie zu leben. Zeit und Geduld sind hier die Schlüsselwörter. Es geht niemals um ein perfektes Ergebnis. Viel wichtiger ist es, dass du alle Aktivitäten des täglichen Lebens möglichst lange selbstständig durchführen lässt. Das Motto sollte immer „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein.

Qualität in der Demenzbegleitung ist nur dann gegeben, wenn die betreuenden und pflegenden Personen nicht auf die Selbstfürsorge vergessen. Achte auf deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen. Dann kannst du auch mit Freude und Energie für andere Menschen da sein.

Dieser Artikel wurde auch auf www.wegweiser-demenz.de veröffentlicht.

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