Vergesslichkeit und Verlust von Alltagsfähigkeiten sind Symptome der Krankheit Demenz. Was das Zusammenleben in einer Familie aber am stärksten belastet sind schwierige Verhalten, welche mit dem Krankheitsverlauf einhergehen.

Bestimmte Handlungsweisen von Menschen mit Demenz sind deshalb so herausfordernd, weil der Blickwinkel der erkrankten Person von der Sichtweise der pflegenden Person abweicht.

Wir empfehlen in so einer Situation zwei Sofort-Maßnahmen:

  • Ruhe bewahren; wenn möglich auch kurzfristig den Raum verlassen, um die Verhaltensstörung zu entschärfen
  • Anschuldigungen, Wut, verbale oder körperliche Angriffe nicht persönlich nehmen

Hinter jedem Verhalten steckt eine Ursache.

Sobald man diese herausgefunden hat, kann man an der Lösung arbeiten. Wir empfehlen den Angehörigen bzw. dem Pflegepersonal Antworten auf folgende Fragen zu finden:

Ist das Verhalten tatsächlich ein Problem?

Beispiel A: Frau Mayer erzählt immer wieder die gleiche Geschichte

Dieses Verhalten ist zwar störend, fügt aber weder der erkrankten Person noch dem Angehörigen einen Schaden zu.

Beispiel B: Herr Müller verweigert seine Medikamente

Nichteinnahme von bestimmten Medikamenten kann lebensbedrohlich sein

Wo, wann oder bei wem tritt das Problem auf?

Manche Verhaltensweisen treten nur in einer bestimmten Umgebung, zu einer bestimmten Zeit oder bei einer bestimmten Person auf.

Beispiel A: Frau Mayer wird ins Krankenhaus eingeliefert. Dass sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen ist, löst Angst aus und sie schlägt wild um sich.

Bespiel B: Herr Müller fühlt sich gestresst, weil er Besuch von ehemaligen Arbeitskollegen erhält, an die er sich nicht erinnern kann. Er beginnt seine Besucher wüst zu beschimpfen.

Beispiel C: Regelmäßiges Duschen funktioniert bei Pflegerin Karin problemlos. Bei Anwesenheit von Pflegerin Maria verweigert Frau Huber die Körperpflege.

Wie löse ich das erkannte Problem?

Um die erkrankte Person zu verstehen, sollte sich der Angehörige bzw. das Pflegepersonal in die Perspektive von Menschen mit Demenz stellen.

 

Beispiel A:

Wenn wir in ein Krankenhaus eingeliefert werden, dann sind wir auch nervös und unsicher. Und wenn wir lange auf die Diagnose warten müssen, macht sich aus Angst breit. Wie viel mehr leiden desorientierte Personen in einer solchen Situation?

Ein vertrautes Gesicht gibt Sicherheit und minimiert die Angst

 

Beispiel B:

Denken wir nur an unseren ersten Arbeitstag! Wie anstrengend war es, sich alle Namen der neuen Kollegen zu merken. Und wie haben wir uns gefühlt, wenn wir einen Namen vergessen haben?

Wenn die Arbeitskollegen sich öfters im Gespräch mit Namen ansprechen, über gemeinsame Erinnerungen plaudern und entsprechende Fotos als Unterstützung dabeihaben, wird sich Herr Müller wohlfühlen.

 

Beispiel C:

Wie haben wir uns gefühlt, als wir von einer Autoritätsperson degradiert wurden? Vielleicht agiert Maria nicht auf Augenhöhe. Oder Maria erinnert Frau Huber aufgrund ihres Aussehens an eine Person in ihrer Lebensgeschichte, mit der sie schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Zu den häufigsten Verhaltensauffälligkeiten gehören Agitation, Aggression und Apathie.

Personen, die unter Agitation leiden, haben einen enormen Bewegungsdrang. Sie können kaum stillsitzen, laufen ziellos auf und ab und stehen permanent unter immenser Anspannung.

Mögliche Auslöser:

  • störende Umgebung wie z.B. laute Musik

  • Unterforderung, weil sinnvolle Tätigkeit fehlt

  • Körperliche Faktoren wie Schmerzen

Unterstützt werden kann diese Person, in dem mit ihr einfach neben ihr geht, sie ruhig anspricht und auf diese Weise den inneren Stress abbaut.

Aggression ist für viele Angehörige und Pflegepersonen die schlimmste herausfordernde Verhaltensweise. Egal ob verbale Attacken wie schimpfen, schreien oder spucken oder körperliche Angriffe wie schlagen, kratzen, beißen – der Umgang damit fällt oft schwer.

Mögliche Auslöser:

  • Reize aus der Umgebung wie z.B. Geräusche, Gerüche, fehlendes Tageslicht
  • Schwierigkeiten, seine Bedürfnisse mitzuteilen
  • Überforderung oder Unterforderung

Oft richten sich Zorn und Wut auf gegen die Krankheit oder die erkrankte Person selbst, weil bisher selbstverständliche Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden können. Desorientierung und Kontrollverlust verursachen oft Angst.

Unterstützt werden kann diese Person, in dem man ehrliches Verständnis zeigt, Ruhe und Sicherheit vermittelt. Sobald sich die Situation beginnt zu entspannen auf angenehme positive Themen umlenken. Im Hintergrund nach der Ursache forschen, um die vorhandenen Bedürfnisse möglichst erfüllen zu können.

Apathie ist oft meinem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus gekoppelt. Die betroffenen Personen sind nachts oft wach und aktiv und tagsüber teilnahmslos und schläfrig.

Mögliche Auslöser:

  • Verlust der zeitlichen Orientierung
  • Mangel an Beschäftigung
  • Körperliche Symptome wie Stoffwechselerkrankungen

Unterstützt werden kann diese Person durch sinnvolle Beschäftigung, körperliche Bewegung und dem Einsatz von möglichst positiven Verstärkern (alle Aktivitäten, die Freude bereiten)

Darüber hinaus treten im Krankheitsverlauf oft noch folgende Verhaltensauffälligkeiten auf:

Hinter affektiven Störungen wie Weinerlicheit oder depressive Phasen wie z.B. „ich wünschte, ich wäre tot“ steckt meist das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Unterstützt werden kann diese Person mit viel Nähe und Vermittlung von Sicherheit. Auch ehrliches Lob und Anerkennung für Tätigkeiten (auch wenn die Leistung nur minimal ist) können für die erkrankte Person sehr hilfreich sein.

Der Verlust von Fähigkeiten und die zunehmende Desorientierung führen oft auch zu verstärkter Ängstlichkeit:

  • Angst vor bevorstehenden Ereignissen
  • Angst vor dem alleine gelassen werden
  • Angst vor der Zukunft (Was passiert mit mir? Wem kann ich vertrauen?)

Unterstützt werden kann diese Person, in dem man Sicherheit und Geborgenheit vermittelt, z.B. mit Hilfe einer Alltagsstruktur. Zusätzlich kann der Selbstwert der erkrankten Person gestärkt werden durch Wertschätzung der bisherigen Lebensgeschichte.

Wenn erkrankte Personen Dinge sehen, hören oder fühlen, die real nicht vorhanden sind, dann leiden sie unter Halluzinationen. Unterstützt werden kann diese Person, in dem man Geborgenheit vermittelt. Zuhören und auf das Erzählte eingehen (z.B. ich höre zwar die Stimme nicht, aber es muss schrecklich für dich) zeigt, dass man die erkrankte Person in seinen Gefühlen ernst nimmt. Hilfreich kann es sein, wenn man die Raumgestaltung verändert, in dem man für stärkere Beleuchtung sorgt und ev. Bilder oder Spiegel abnimmt.