Ist dir schon einmal aufgefallen, dass unsere Mahlzeiten ganz vielen gesellschaftlichen Normen unterliegen? Die Abfolge der Speisen, vorgegebene Essenszeiten oder Tischmanieren wie das Benutzen von Besteck sind soziale Konventionen. Auch du hast diese schon in deiner Kindheit kennen gelernt.

Frust entsteht aus der Sicht der Pflegenden immer dann, wenn sich die kranken Personen anders verhalten. Hinter Appetitlosigkeit können viele unterschiedliche Ursachen stecken. Wenn ein paar Tage die Nahrungsaufnahme verweigert wird, dann könnten körperliche Beschwerden vorliegen. Deshalb lasse sicherheitshalber ärztlich abklären, ob quälende Schmerzen vorhanden sind wie offene Stellen im Mund oder Schluckstörungen.

Menschen mit Demenz zeigen aber auch ablehnendes Essverhalten, wenn deren Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden. Oder wenn sie einfach übergangen werden. Und da sind oft nur ein paar Kleinigkeiten zu beachten, damit Essen genießen trotz Demenz möglich wird.
Essen ist ein wichtiger sozialer Faktor. Du wirst sicher bestätigten, dass es in Gesellschaft besser schmeckt als wenn du alleine am Tisch sitzt. Zu Beginn der Krankheit kann die betroffene Person – mit ein wenig Hilfestellung – noch beim Mittagstisch dabei sein. Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf lohnt es sich, ohne Zeitdruck und mit liebevoller Zuwendung die Mahlzeit zu verabreichen.

Das Auge ist bekanntlich immer mit. Wenn du die Speisen ansprechend auf dem Teller anrichtest, dann wird die Mahlzeit sicher mit Freude eingenommen. Wird allerdings alles nur lieblos auf den Teller geklatscht, dann vergeht selbst dir der Appetit, oder?

Essen genießen trotz Demenz findet statt, wenn auf dem Speisezettel jene Gerichte stehen, welche die erkrankte Person von früher kennt. Jeder hat so seine Lieblingsgerichte. Wenn jemand schon in seiner Jugend eine Abneigung gegen gewisse Speisen hatte, dann brauchst du dich nicht wundern, wenn er sie im Alter auch nicht mag.

Mahlzeiten sind auch ein gutes Kommunikationsmittel.

Mit Geruch- und Geschmackssinn werden Erinnerungen an die Kindheit und Jugend geweckt. Auch ein Tischgebet oder Mittagsglocken können ein vertrautes Ritual sein. Sie geben Menschen mit Demenz Sicherheit und lösen ein Wohlgefühl aus.
Essen darf auch Hand-Werk sein. Weltweit essen Menschen mit den Fingern. Wenn sich Menschen mit Demenz mit einem Löffel schwer tun, dann gilt es die Speisen so anzurichten, dass die Nahrungsaufnahme mit den Händen erfolgen kann. Und dies geht aus meiner Erfahrung noch sehr lange. Aus meiner Praxis kann ich bestätigen wie glücklich die erkrankten Personen sind, wenn sie eigenhändig ein paar Bissen in den Mund schieben dürfen. Allzu oft wird – vor allem in Pflegeheimen – passiv verabreicht. Es ist halt für das Betreuungspersonal einfacher und bequemer in der Handhabung.

Essen genießen trotz Demenz. Oft sind es nur ein paar kleine Änderungen, die aus Nahrungsverweigerern Genuss-Esser werden lassen.