Andrea Stix
akademische Demenzexpertin
+43 (0)699 166 20320
Demenz Hotline

Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige

Experteninterview mit Andrea Stix – veröffentlicht unter www.pflegehilfe.org

Im Durchschnitt beträgt die zeitliche Belastung in der häuslichen Pflege 8,6 Stunden pro Tag – hiervon fällt mit 6,4 Stunden pro Tag (siehe Grafik) ein Großteil auf pflegende Angehörige. „Eine repräsentative Befragung pflegender Angehöriger in Bayern hat ergeben, dass Angehörige von Menschen mit Demenz sich subjektiv stärker belastet fühlen und einen größeren täglichen Pflegebedarf angeben als Angehörige anderer Pflegebedürftiger“, sagt Andrea Stix, diplomierte Morbus-Alzheimer-Trainerin. Daher ist gerade für diesen Personenkreis die Nutzung der Entlastungsleistungen essenziell.

Dabei empfiehlt Frau Stix neben der Unterstützung durch Familienmitglieder und Bekannte auch das Angebot von Betreuungsdiensten und hauswirtschaftlichen Entlastungen zu nutzen. „Angehörige wollen oft nur das Beste für die erkrankte Person. Hier gilt zu beachten, dass die Bedürfnisse und Wünsche von Menschen mit Demenz oft andere sind als die der Begleitpersonen.“ Aber auch die eigenen Bedürfnisse sollten nicht vernachlässigt werden. Daher sollten rechtzeitig entsprechende Unterstützungsangebote wahrgenommen werden. Das ist „Vorsorge für die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden“, so Frau Stix.

„Es ist schmerzhaft damit zu leben, dass die erkrankte Person nie mehr die Rolle haben wird, die sie bisher hatte – aber es erleichtert den Umgang“

Allgemein sollten Aktivitäten auf die Persönlichkeit und Vorlieben der erkrankten Person abgestimmt werden. Das können frühere Hobbies sein, wie zum Beispiel Spiele oder Bastelaktivitäten: „Menschen mit Demenz haben trotz der Diagnose noch viele Fähigkeiten und Fertigkeiten“, sagt Frau Stix gegenüber dem Verband Pflegehilfe im Interview. „Die Teilnahme an Kartenrunden im Gasthaus, das wöchentliche Kaffeekränzchen, Singen im Chor oder das Mitverfolgen eines Fußballspieles am Sportplatz sollten weiterhin ermöglicht werden.“

Laut einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) rufen nur etwa die Hälfte aller Pflegebedürftigen den Entlastungsbetrag überhaupt ab4. Oft wissen Pflegebedürftige und Angehörige nicht, was Ihnen zusteht oder wie sie die Entlastungsleistungen nutzen können. Die Entlastungsleistungen aus 2020 verfallen erst zum Juni 2021. Das heißt im Klartext: Wurden 2020 noch keine Entlastungsleistungen abgerufen, sind 1.500 Euro als Entlastungsbudget nutzbar. Eine Auszeit pro Woche, in der ein Betreuungsdienst übernimmt, sind für pflegende Angehörige eine gute Möglichkeit, Kraft zu tanken.

zeitliche Belastung in Pflegehaushalten
in Stunden pro Tag aufgeteilt nach Pflegepersonengruppen

Zeitlich Belastung in Pflegehaushalten.png

Nach Angaben der AOK fällt 75 % der Gesamtpflegezeit auf pflegende Angehörige.
Angebote zur Entlastung werden oft gar nicht abgerufen.

Schreibe einen Kommentar