Inhalt des Buches – persönlich interpretiert
Die Begegnung mit Demenz hat für den Autor schon sehr früh stattgefunden – als Kind mit seinem Großvater, dessen Verhaltensweisen damals einfach dem Alter zugeschrieben wurden. Vielleicht schreibt Arno Geiger deshalb auch schon zu Beginn des Buches den so wichtigen Satz „so fand ein jahrelanges Katz- und Maus-Spiel statt, mit dem Vater als Maus, mit uns als Mäusen und mit der Krankheit als Katze“. Wer ihn begreift, nämlich das Verhalten (= Krankheit) vom Menschen (der dahinter noch immer vorhanden ist) zu trennen, schafft eine Brücke der Begegnung,
Während August sich immer wieder gegen das Vergessen von alltäglichen Dingen aufbäumt, versucht der Sohn mit den Schwächen seines einst so starken Vaters fertig zu werden. Schließlich ist Arno Geiger bereit die täglichen Herausforderungen, die mit dem Krankheitsverlauf einhergehen, anzunehmen – „da mein Vater nicht mehr über die Brücke in meine Welt gelangen kann, muss ich hinüber zum ihm“ – und lernt neue, bisher für ihn verborgene Qualitäten an seinem Vater kennen und schätzen.
Was Angehörige aus dieser so persönlichen Lebensgeschichte der Familie Geiger mitnehmen können:

  • die Pflege und Begleitung auf mehrere Personen aufteilen und Erholungsphasen für die Betreuenden einplanen
  • die Krankheit kann die Persönlichkeit des Betroffenen verändern, Versuche die neuen Verhaltensweisen des Erkrankten zu ändern, haben selten Erfolg – lernen Sie die Krankheit mit all ihren Facetten anzunehmen und freuen Sie sich über alles, was noch möglich ist
  • vergessen Sie niemals den Humor, der für alle Beteiligten oft die Schwere aus so manchen Situationen nehmen kann
  • Pflegeheim kann für Menschen mit Demenz auch ein Ort der Geborgenheit sein
  • Musik bringt Freude, denken Sie daran an besonders trostlosen Tagen zu singen, zu summen, zu klatschen, etc…

Theaterstück – als Vorabendprogramm zum Demenzkongress in St. Gallen
In der Textfassung von Brigitta Soraperra
Erzähler: Jaap Achterberg
Was unterscheidet die Theaterversion nun vom Buch
Der gelesene Text berührt und fasziniert, die Darstellung der beiden Charaktere auf der Bühne ist fesselnd und teilweise beklemmend. Während der Dialoge zwischen Sohn und Vater ist es im Publikum mucksmäuschenstill – es sind respektvolle Begegnungen mit dem „alten König“ . Diese Gespräche zwischen den Generationen zeigen für beide Seiten einen Weg auf, wie man mit Gelassenheit und Wertschätzung der Krankheit Demenz begegnen kann.

Weiterführende Links:

Schmerzerkennung bei Demenz – Aus unserer Erfahrung wissen wir wie das geht
Wenn plötzlich der Mensch an deiner Seite fehlt
Vorträge und Schulungen
Demenz und Wertschätzung