Du wirst mir sicher zustimmen, dass die Diagnose einen erheblichen Aufwand in der Betreuung einer erkrankten Person mit sich bringt. Ähnlich wie die Geburt eines Kindes ändert die Krankheit das bisherige Leben einer betroffenen Familie.

Arbeit zählt zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

Und sie bleibt ein wesentlicher Faktor bis zum letzten Atemzug. Wenn du selbst schon mal arbeitslos gewesen bist dann hast du eine Ahnung davon, dass weit mehr als nur ein Job verloren geht. Du verlierst deine Motivation, fühlst dich nutzlos und isoliert von der Gesellschaft.

Kannst du jetzt verstehen, dass Arbeit auch für Menschen mit Demenz wichtig ist? Sinnvolle Tätigkeit dem Krankheitsverlauf angepasst steigert das Wohlbefinden. Die Menschen können aktiv am Leben teilnehmen und auf diese Weise das Gefühl der Zugehörigkeit spüren.

In meinen Gesprächen mit den Angehörigen und Pflegekräften weise ich immer auf den Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ hin. Erklären, vorzeigen und nur dort unterstützen, wo es nötig ist. Das tägliche Training von Fähigkeiten und Fertigkeiten verlangsamt den Krankheitsverlauf. Auch herausfordernde Verhaltensweisen wie Wandertrieb oder die permanente Suche nach verlegten Gegenständen können durch Beschäftigung vermindert oder verhindert werden.

Jeder Mensch ist einzigartig und daher gibt es auch keine Tätigkeitsliste.

Wenn du an frühere Erfahrungen und Gewohnheiten anknüpfst, wirst du sicher eine geeignete Beschäftigung finden. Diese sollte sinnstiftend sein, damit der Betroffene das Gefühl hat noch gebraucht zu werden.
Nicht der Perfektionismus darf im Vordergrund stehen sondern die Anerkennung der Leistung. Es kommt nicht darauf an, ob das Besteck in der richtigen Reihenfolge auf dem Tisch liegt. Oder dass die Karotten in gleichmäßige Stücke geschnitten sind. Kontrolliere auch nicht ob die Handtücher exakt zusammengelegt wurden. Es zählt das Bemühen und das Tun.

Du kannst optimal unterstützen, in dem du die Tätigkeit in Einzelschritte aufteilst und einzeln „abarbeiten“ lässt. Wie zum Beispiel die Kartoffeln aus dem Keller holen. Dann erst die Bitte diese zu waschen. Als nächsten Schritt schälen, dann schneiden.

Eine andere Form der Unterstützung ist das gemeinsame Tun wie fegen oder Gartenarbeit oder ein Spaziergang mit dem Hund.
Du kannst das Selbstbewusstsein und die Freude von deinem kranken Angehörigen noch steigern, wenn du das Ergebnis dann noch würdigst. Ein fertiges Puzzle oder ein gemaltes Bild an die Wand hängen, gebastelte Einladungen an Freunde oder Verwandte verschicken oder das zubereitete Essen anschließend gemeinsam genießen.

Arbeit und Demenz. Die Lebensqualität aller Beteiligten steigt, wenn für die erkrankte Person eine sinnvolle Tagesgestaltung gefunden wird.